Hegeschau in Waidhaus
Hohe Erwartungen an Jäger

Inmitten vieler Geweihe ringsum an den Stellwänden zeichnete Kreisgruppen-Vorsitzender Christian Ertl (am Rednerpult) ein umfassendes Bild von der aktuellen Situation der Jägerschaft im Altlandkreis Vohenstrauß. Bild: fjo
Vermischtes
Waidhaus
14.04.2016
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Von einer heilen Welt scheint die Natur im Altlandkreis Vohenstrauß spätestens seit Tschernobyl meilenweit entfernt. Die Jägerschaft hat aber mit noch viel mehr Unwägbarkeiten zu kämpfen.

Das enorme Interesse an der Zentralveranstaltung rund um die Hegeschau der Kreisgruppe Vohenstrauß im Landesverband Bayern hatte mehrere Gründe. Inmitten der beeindruckenden Präsentation von Reh-, Hirsch- und Sikawildgeweihen fanden viele Redner deutliche Worte. Allen voran Kreisgruppen-Vorsitzender Christian Ertl aus Vohenstrauß, der mit Blick auf eben diese Geweihe erklärte: "Es sind viele junge, schwache Böcke darunter. Das ist aber wohl so gewollt, um die Abschussquoten erfüllen zu können."

Hegeschau ist Pflicht


Kritik übte er auch unter den eigenen Reihen, als er forderte "jenen freien Jägern auf die Finger zu klopfen, welche sich nicht der Verpflichtung zur Hegeschau stellen". Das mit über 100 Tieren bei den Abschüssen vertretene Sikawild führte er auf das milder werdende Wetter zurück. Die aus Asien stammende Gattung drücke über Tschechien in die Oberpfalz herein. Als besonderes Problem bei diesen Tieren sah Ertl die Verbissschäden an den Bäumen, weil es hier nicht beim Abbeißen von Trieben bleibe, sondern ganze Bäumchen einfach ausgerissen würden. Dies führe soweit, dass eine Verkürzung der Schonzeit für die Bereiche Eslarn, Waidhaus und Floß kommen werden. Den Stellenwert des Grenzreviers zu Böhmen unterstrich Dr. Günther Baumer durch seine Teilnahme. Sein Hauptaugenmerk legte der Vizepräsident des bayerischen Jagdverbands auf die aktuelle Jagdpolitik mit ihren einschneidenden Veränderungen, wobei der Freistaat "noch am Besten dran" sei. Ertls Stellvertreter Peter Wild gab die Jagdstatistik bekannt, soweit ihm die Zahlen der vergangenen drei Jahre bekannt und gemeldet waren. Fehlende Abschusszahlen zu den Wildschweinen erzeugten Unmut unter den Anwesenden.

Als "äußerst positiv" beurteilte zweiter Bürgermeister Markus Bauriedl das Zusammenspiel zwischen den Jägern und den Waldbesitzern, da er von "keinen größeren Streitereien" gehört habe. Die "Verantwortung für unsere Wälder und unsere Heimat durch die Jägerschaft", betonte MdB Uli Grötsch. Aufmerksam lauschten die Teilnehmer seinen Informationen aus Berlin zur Neuregelung des deutschen Jagdrechts und dem geplanten EU-Waffenrecht. Landtagsabgeordneter Alexander Flierl sah in der Hegeschau eine Art "runden Tisch" zum Austausch aller Beteiligten.

Dr. Siegfried Kiener, Leiter des Weidner Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, maß der Veranstaltung "eine große Bedeutung" bei. "Nicht zuletzt, weil wir auf diese Weise einen fruchtbaren Gedankenaustausch führen können." Kiener unterstrich die veränderte Situation: "Die Bejagung heute ist deutlich schwieriger geworden und die Erwartung an die Jäger deutlich gestiegen. Minister Helmut Brunner setzt sich auch vehement für Ihre Belange, für die bayerische Jagdkultur und Jagdtradition ein."

Verbiss tragbar


Die gemeinsamen Anstrengungen von Waldbesitzern und Jägern zeigten Erfolge, was sich aus den Ergebnissen des aktuellen Vegetationsgutachtens ablesen lasse. "Der Verbiss hier ist durchaus tragbar, also stimmt die Bejagungsintensität." Zur Abschlussplanung beim Rehwild appellierte er an das "eigenverantwortliche Handeln der Beteiligten" mit der Bitte, den Empfehlungen der Gutachten zu folgen.

Eine Anreicherung der oft noch vorhandenen Nadelholzbestände mit stabilen Mischbaumarten sei dringend notwendig. In seinem Amtsbereich würden jährlich rund 100 Hektar Nadelwälder in standortgerechte stabile Mischwälder umgebaut. "Dieser politisch und gesellschaftlich gewünschte Waldumbau geht nicht ohne Jagd."

Schwarzwild-ProblemDas Problem mit dem Sikawild falle im Vergleich zum Schwarzwild fast unter den Tisch, meinte Christian Ertl. "Da rührt sich was draußen. Ich weiß nicht, ob wir das in den Griff bekommen." Schließlich überstieg allein im vergangenen Jahr die Summe der erlegten Wildschweine die Zahl von 500 Stück im Bereich der Kreisgruppe erheblich, erklärte Ertl auf Anfrage des NT.

Eine wesentliche Ursache sah Ertl in der neuen Art der Waldbewirtschaftung. Die Mischwälder böten ideale Nahrungs- und Schutzvoraussetzungen. "Dem Schwarzwild geht es bei uns das ganze Jahr über gut." Als zusätzliche Einkommensquelle scheiden Wildschweine andererseits aus. "Was geschossen wird, landet in Rothenstadt", kommentierte Ertl. Während der Wintermonate sei dies in einem enorm hohen Prozentsatz der Fall gewesen. Ursache: Die gesetzlichen Grenzwerte für eine Verseuchung durch Atomstrahlung waren überschritten.

Eine Unterstützung der Jägerschaft soll das neue Schwarzwild-Monitoring bringen, das Josef Weig vorstellte. Der gebürtige Finstermühler ist Mitglied in der eigens hierfür gegründeten Projektgruppe des bayerischen Jagdverbands. Erreicht werden soll eine Erleichterung der Bejagung durch das Sammeln von Daten zu Sichtungen, erlegten Tieren und Schäden nach Orten. Das Projekt diene der Informationszusammenführung unter den Jagdnachbarn auf digitaler und topographischer Basis. (fjo)
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