Hubertusfeier
Der „Hirschn-Karl“ auf der Jagd

Karl Schmid, der "Hirschn-Karl", ist eines der letzten Gründungmitglieder der Grenzland Jagdhornbläser, das noch aktiv ist. Bei der Hubertusfeier am Samstag in Pfrentsch hat der 86-jährige Waidhauser den nächsten Einsatz mit seinem Instrument. Bild: ck
Vermischtes
Waidhaus
02.11.2016
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Mit 86 Jahren ist der "Hirschn-Karl" aus Waidhaus einer der ältesten aktiven Jäger der Kreisgruppe Vohenstrauß im Bayerischen Jagdverband. Zum Tag des heiligen Hubertus, dem Schutzpatron der Jäger, erinnert er sich mit etwas Wehmut an viele Stunden, die er auf dem Hochsitz verbracht hat.

Karl Schmid ist nicht nur in der Grenzgemeinde als "Hirschn-Karl" bekannt. Die Familie trägt den Hausnamen seit etlichen Generationen. Für Karl könnte man keinen passenderen finden. Als Lehrling hatte er das Glück, dass er seinen Metzgermeister Hermann Balk 1951 zur Jagd begleiten durfte. Den Jagdschein machte er erst viel später. Seit dem 1. Januar 1960 ist der Waidhauser offiziell Mitglied im Bayerischen Jagdverband.

Auch jenseits der Grenze


Als er ein junger Mann war, gab es noch Birk- und Niederwild zuhauf. "Ich habe damals noch einen Birkhahn geschossen. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen", erzählt der 86-Jährige. Nach der Grenzöffnung hat sich Schmid mit einem tschechischen Polizisten regelmäßig zur Jagd getroffen. Seither streift er auch jenseits der Grenze durch die Wälder. Sein Begehungsschein im Nachbarland ist für zwei Reviere mit insgesamt 3000 Hektar gültig. Schmid schwärmt von der Größe der tschechischen Reviere. "Die Landschaft ist dort auch noch viel ursprünglicher als bei uns." Allerdings legen die Tschechen großen Wert auf Brauchtum und Tradition. Die Regeln werden streng eingehalten: "Nach der Jagd gibt es immer ein Abendessen für alle. Da kommt keiner aus."

Der 86-Jährige vermisst die Zeiten, in denen im Herbst an jedem Wochenende Treibjagden angesetzt wurden: "Früher schoss ich Rebhühner, Fasane, Hasen und Hirsche. Das ist längst vorbei." Bei Eslarn habe er heuer zwei Rebhühner entdeckt. Sein Gewehr rührte er jedoch nicht an, schließlich gelte es, den Bestand dieser vom Aussterben bedrohten Tiere eher zu stabilisieren als zu reduzieren.

Vier Mal pro Woche


Noch drei bis vier Mal pro Woche sitzt Schmid auf der Kanzel. "Aber nicht mehr bis 2 Uhr nachts", schmunzelt er. Seine Abschusszahlen halten sich in Grenzen: "Ach, auch wenn ich was sehe, lass ich es oft laufen. Mich interessiert kein Bock mehr. Nur die Sau, die juckt mich schon noch." Da blitzen die alten, aber wachen Augen des ehemaligen Schützenkönigs: "Zwei Schweindeln hab ich heuer schon geschossen."

Dreimal besuchte er bislang seinen älteren Bruder Josef in Schweden. Selbstverständlich nutzten die beiden dann die Gelegenheit, um gemeinsam auf die Elchjagd zu gehen. "Einmal war ich sogar erfolgreich", erzählt Schmid.

Sein geliebtes Hobby macht dem "Hirschn-Karl" immer noch große Freude, obwohl er weiß, dass es nicht ganz ungefährlich ist. Vor acht Jahren stürzte er kopfüber vier Meter vom Hochsitz und brach sich den Halswirbel an. Schwerverletzt fuhr er noch die 13 Kilometer nach Hause. Er musste operiert werden. "Ich habe heute noch zwei Schrauben drin", erzählt der Senior und deutet auf seinen Nacken. Seitdem ruft ihn seine Frau fast stündlich am Handy an, wenn er jagen geht.

In den vielen Jahren hatte der Waidhauser stets treue Begleiter an der Seite. Viel Zeit und Mühe steckte er in die Ausbildung seiner insgesamt 23 Jagdhunde. Zu seinen besten Tieren zählte der Deutsch Drahthaar "Kuno", der für seine ausgezeichnete Nachsuche in Jägerkreisen bekannt war. Schmids Geschick bei der Hundeausbildung sprach sich weit herum. Der Oberpfälzer musste sogar zwei Vierbeiner für einen Jäger aus Italien abrichten.

"Luft lässt nach"


Die Grenzland-Jagdhornbläser sind stolz auf den 86-Jährigen, der als Gründungsmitglied immer noch parat steht, wenn die Bläser beispielsweise die jährliche Hubertusfeier begleitenen: "Ich bin aber nicht mehr so aktiv. Die Luft lässt halt nach." Bei der Jagd spiele das Alter jedoch keine Rolle. Nur zum Bergen braucht der Senior mittlerweile Hilfe. Bei der Drückjagd nach Schwarzwild, die den Teilnehmern durchaus einen flotten Marsch abverlangt, ist der Waidhauser gerne dabei.

Wie lange der leidenschaftliche Jäger sein Hobby noch ausüben wird, kann er nicht sagen: "Eigentlich wollte ich heuer aufhören. Aber jetzt habe ich für nächstes Jahr meinen Schein halt noch einmal verlängern lassen." Der nächste Termin steht schon am Samstag, 5. November, an, wenn die Kreisgruppe Vohenstrauß um 19 Uhr in der Ulrichsbergkirche bei Burkhardsrieth die Hubertusmesse feiert. Anschließend treffen sich die Jäger im Schützenhaus Pfrentsch. Der "Hirschn-Karl" wird sich das nicht entgehen lassen.

Ach, auch wenn ich was sehe, lass ich es oft laufen. Mich interessiert kein Bock mehr. Nur die Sau, die juckt mich schon noch.Karl Schmid
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