Krippe ein echter Hingucker
Mit Schafen die meiste Arbeit

Einen langgehegten Traum erfüllte sich Willi Helgert mit dem Bau einer Weihnachtskrippe, die in jeder Hinsicht aus der Reihe fällt. Bild: fjo
Vermischtes
Waidhaus
16.12.2015
92
0

Willi Helgert hat aus alten Brettern eine Krippe für seinen Garten gefertigt. Für den Stall ist das nichts Außergewöhnliches. Doch selbst für die Figuren verwendete der Rentner ausschließlich dieses Material.

Nun steht das fertige Werk neben der Gartentür vorm Haus. Vom ersten Tag an stieß die 2,50 mal 1,80 Meter große Anlage auf reges Interesse. Das ungewöhnliche Format, der nicht alltägliche Maßstab und die neue Art der Umsetzung des Geschehens von Bethlehem schaffen einen Hingucker.

Der ideale Platz unmittelbar an der Türkenstraße, Hausnummer 16, tut sein übriges dazu. Denn erst dadurch ist das Gesamtwerk auch für "Zaungäste" gut einsehbar. Über ein Jahr Arbeit steckte Helgert in die Ausführung. Freilich nicht jeden Tag, aber an Stunden kamen sehr viele zusammen: "Weil ich lange hin- und herspekuliert habe, wie das alles am besten geht."

Gelernter Schreiner


Für die Dacheindeckung des Stalls wählte der begeisterte Bastler Holzschindeln, die er jede einzeln nach dem Zurechtschneiden mühsam mit dem Bunsenbrenner ansengte. Das macht nun schon in der Einheit einer geschlossenen Dachhaut mächtig was her. Gleiches galt für die ringsum angebrachten Traufbretter. Um die besondere Ausstrahlung des alten Holzes zu erhalten, ging der gelernte Schreiner ganz sachte damit um. 43 Jahre - vom ersten Tag seiner Lehre, bis zum letzten Tag vor dem Eintritt in den wohlverdienten Ruhestand - hatte Helgert bei der Waidhauser Schreinerei Janisch gearbeitet. Daraus resultiert seine Liebe zu diesem Werkstoff Holz und sein unglaublich großes Können. Beim Bühnenbau der "Dorfbühne" ist Helgert deshalb einer der gefragtesten Helfer.

Im ersten Arbeitsschritt für seine Krippe schliff Helgert die alten Bretter mit Schmirgelpapier ab, um sie danach sorgfältig mit der Stahlbürste nachzuarbeiten. Sauber eingebrachte Holzdübel halten die Teile der Figuren zusammen. Denn erst im dreidimensionalen Aufbau in die Breite und die Tiefe erschließt sich der Wert des plastischen Kunstwerks. Jeder Fuß und jeder Arm wurde separat gefertigt und erst am Schluss alles zusammengefügt. Gleiches gilt für weitere Teile, etwa die lange Haarpracht der Gottesmutter.

Am Nachputzen und Feinschleifen sollte es nicht fehlen, um ja eine seinem Handwerk entsprechende Qualität zu erhalten. Für die Augen hatte der ehrenamtliche Sanitäter einen weiteren guten Einfall, indem er sich ein gutes Dutzend Glasaugenpaare besorgte und diese mühsam in das Holz einarbeitete. Und auch so lassen sich bei genauerem Hinsehen immer wieder außergewöhnliche Details entdecken.

Aus Bast etwa entstand die Mähne des Esels, doch der 71-Jährige gesteht: "Am meisten haben mir ja diese Schafe Arbeit gemacht." Ins Ausschneiden steckte er enorm viel Zeit. Die Leiber erhielten ihre wolkenähnliche Form mit einer einfachen Stichsäge. Wegen dieser Erfahrung will sich Helgert zu Weihnachten nun selbst mit einer Dekupiersäge beschenken.

Alle über die vielen Monate hinweg entstandenen Figuren erhielten in den vergangenen Tagen noch das passende Umfeld mit einer liebevollen Dekoration. Auch hier legte er selbst Hand an, so dass Helgert stolz von sich behaupten kann: "Das Gesamtwerk ist eine Eigenkreation." Selbst Ehefrau Elfriede durfte nur ganz wenig helfen. Sogar das Moos für den großen Platz vor der Krippe suchte er selbst, wobei er im Pfreimdtal die gewünschte Sorte fand. Neben Ochs und Esel, die aus einer zusätzlichen Futterkrippe ebenfalls aus Brettern fressen, verteilen sich sechs unterschiedlich große Schafe in der Szenerie, begleitet von zwei Hirten.

Tag und Nacht draußen


Als besondere Zutat bringt eine arme Witwe dem Jesuskind einen Brotzeitkorb als Geschenk dar. Zwei mit Lichterketten gefasste Christbäume sowie eine Holzlaterne am Firstbalken durften nicht fehlen. Und weil es sich um eine Krippe handelt, die Tag und Nacht draußen steht, gesteht Helgert: "Alles habe ich gut angeschraubt, nicht dass es Füße bekommt." So baute der begabte Handwerker sogar Begehrlichkeiten nächtlicher Besucher vor.
Alles habe ich gut angeschraubt, nicht dass es Füße bekommt.Willi Helgert
Weitere Beiträge zu den Themen: Bethlehem (9)Schreiner (20)Heilige Familie (3)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.