„"Notarzt hat anderes zu tun“"
Aktuelles Interview mit Werner Duschner

Werner Duschner. Bild:
Vermischtes
Waidhaus
20.06.2016
1788
0

Die einen wollen helfen, die anderen stehen im Weg: Um störende Gaffer bei Unfällen leichter vertreiben zu können, sollen Notärzte künftig das Recht haben, Platzverweise auszusprechen. Einen entsprechenden Prüfauftrag erteilte der Innenausschuss des Landtags der Staatsregierung.

Nutznießer sollen Helfer wie Werner Duschner sein. Der Waidhauser Mediziner leistet seit rund 30 Jahren Notarztdienst. Seit 25 Jahren ist er vor allem für den Altlandkreis Vohenstrauß zuständig.

Herr Duschner, sind Gaffer wirklich ein häufiges Problem?

Werner Duschner: Am Land sicher nicht so wie in Ballungsgebieten. Ich erlebe das vor allem auf Autobahnen, wo automatisch viele Leute da sind, oder bei größeren Schadensereignissen. Außerdem kommt es auch oft auf den Wochentag an: Am Freitag und Samstag sind oft mehr Leute da. Die haben Zeit und machen sich auf die Beine, um das zu sehen. Da kommt es dann teilweise zu Behinderungen der Verkehrswege. Oder man muss schon mal Menschen bitten, aus dem Weg zu gehen. Aber allgemein muss man auf dem Land nicht bei jedem Einsatz damit rechnen.

Gibt es Schaulustige heute häufiger als früher?

Im Laufe der letzten Jahre ist es mehr geworden. Die Einsätze und der Verkehr haben zugenommen. Eine große Rolle spielt natürlich auch, dass heute jeder ein Smartphone mit Kamera dabei hat. Vorletzte Woche war zum Beispiel ein Unfall auf der A 6, zwischen Wernberg und Leuchtenberg sind zwei Autos kollidiert: Im Nachhinein habe ich über Facebook mitgekriegt, dass schon während der Unfallphase Bilder in den sozialen Medien herumgegeistert sind.

Was ist eigentlich so wild an Gaffern? Die schauen doch nur.

Wenn jemand wirklich nur schaut, ist das nicht so schlimm. Unangenehm wird es, wenn das die Arbeit behindert. Wenn sich das BRK mit der Trage erst den Weg durch die Leute bahnen muss. Außerdem besteht immer die Gefahr, dass sie Fotos machen oder filmen. Als Notarzt mache ich nur meine Arbeit. Aber man muss das aus der Perspektive der Verletzten sehen. Die haben ein Recht, dass sie nicht überall erscheinen, da werden persönliche Belange berührt.

Wäre es in solchen Situationen ein Vorteil, wenn Sie als Notarzt künftig Platzverweise aussprechen können?

Um es mal direkt zu sagen: Diese Pläne bringen den Politikern mehr als der Praxis. Vielleicht würde das bei einzelnen Personen helfen. Aber solche Situationen gibt es eher bei größeren Einsätzen - und bei denen sind dann auch gleich mehrere Leute da, die einen womöglich behindern. Da gegen jeden einen Platzverweis auszusprechen, wäre wenig praktikabel. Ich frage mich auch, welche großen Konsequenzen das haben sollte. Wenn schon, dann macht das bei meinen Einsätzen in der Regel die Polizei. Alles Weitere halte ich deswegen nicht unbedingt für notwendig. Der Notarzt hat sowieso meistens etwas anderes zu tun, als bei schweren Verkehrsunfällen Platzverweise auszusprechen.

Statt zu gaffen: Wie sollte ich mich eigentlich verhalten, wenn ich an einer Unfallstelle vorbeikomme?

Wenn sonst noch niemand da ist: Hilfe anbieten. Ich höre öfter von Fällen, dass viele einfach weiterfahren. Das nimmt immer mehr zu. Dabei ist es wohltuend für den Notarzt, wenn bei einem Unfall schon jemand da ist, der sich kümmert. Egal, ob er Laienhelfer ist oder nicht.

Und wenn der Notarzt schon bei der Unfallstelle ist?

Dann vorsichtig weiterfahren. Oder wenigstens nicht so rumstehen, dass man andere behindert.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.