Vom Blitz erschlagen

An einen Blitzschlag mit tödlichem Ausgang erinnert das über 150 Jahre alte Marterl nahe des alten Waidhauser Forsthauses. Bild: fjo
Vermischtes
Waidhaus
03.06.2016
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Schwere Gewitter mit sintflutartigen Regenfällen bestimmen derzeit das Wetter. Von einem "Blitz aus heiterem Himmel" berichtet auch ein Marterl am westlichen Ortseingang von Waidhaus.

"Wachet und betet denn ihr wisset weder den Tag noch die Stunde." Aus traurigem Anlass hatte der Waidhauser Steinmetzmeister Ignatz Peller (1830 bis 1908) diese Worte auf einen Gedenkstein gemeißelt, der in der Nähe des Forsthauses steht.

Am 5. Mai 1855 tötete ein Blitz an dieser Stelle die "tugendreiche Jungfrau Anna Schlaffer, Kirmmeisterstochter von Waidhaus in ihrem 21. Lebensjahr". Blitze schlagen oft auch in Kirchtürme ein. Dabei sind früher auch immer wieder Türmer getroffen worden. Sogar und vor allem dann, wenn sie läuteten, um das Unwetter zu vertreiben.

Karl Ochantel forscht


Der Vohenstraußer Donat Pinter, dessen Vater Johann Pinter 1849 in Waidhaus in einer kinderreichen Familie auf die Welt kam, besitzt Aufzeichnungen von einem Unwetter-Ereignis im Ersten Weltkrieg. Was er und andere vor 100 Jahren erlebt haben, hat Heimatkundler Karl Ochantel erforscht. "Als Bäcker war Pinter dem Proviantamt Amberg zugeteilt und er sollte einen Lazarettzug mit Brot versorgen."

Pinter ließ den Handwagen mit 1200 Broten beladen. Dann schoben zwölf französische Gefangene den Wagen zum Bahnhof und verluden das Brot in den Zug. Auf dem Heimweg ging Pinter am Sommerhäusl in Amberg vorbei. Da zog ein Gewitter auf. "Ich kauf' mir halt in der Gastwirtschaft ein Seidel", dachte er sich und traf dort zufällig einen Bekannten. Sie bestellten eine zweite Halbe. Die Wirtin hatte gerade die zwei Gläser in der Hand und ging über die Stube, da schlug ein Blitz ein. Die Frau lag auf dem Boden im ausgeschütteten Bier, regungslos. Pinter "erweckte an ihr die künstliche Atmung, so wie wir's in der Schule lernten. Und es hatte Erfolg. Sie fing wieder zu schnaufen an. Ich nahm sie an den Händen, wir legten sie dann aufs Kanapee, das in der Stube stand. Sie war gerettet".

1917 traf der Blitz einen Ochsen. Der Vohenstraußer Anzeiger berichtete: "Im nahen Großenschwand verursachte gestern Nachmittag ein Gewitter einen Unfall. Der Blitz tötete einen Ochsen des Bauern Schönberger (Haberl) auf dem Weg vor dem Dorf an den mit Heu beladenen Wagen, der zweite Zugochse wurde betäubt."

Vergeblich Schutz gesucht


Pinter erinnert sich auch noch an den "Piehler-Sepp", der nach seiner Metzgerlehre seine Metzgerei und seine Landwirtschaft in Pleystein betrieb. "Sepp war der größte und stärkste im Bezirksamt. Er war sogar in der 1. Kompanie des Leibregiments." Einmal war er wieder auf dem Felde. Um sich vor Regen zu schützen, suchte er unter dem Wagen Deckung. "Es war auch ein Gewitter, da schlug der Blitz in den Wagen und tötete den ,Piehler-Sepp'. Ehre seinem Gedenken. Er war ein guter Staatsbürger."

1934 war der Schreiner Jakob Strigl aus Tännesberg mit seinen Kühen bei der Feldarbeit. Da schlug der Blitz ein. Heute erinnert ein Marterl an sein Schicksal: "Vom Blitz erschlagen 20. 4. 1934 Schreiner Jakob Striegl Tännesberg auf dem Heimweg vom Feld samt seinen zwei Kühen."

Unwahrscheinlicher als ein Sechser im LottoWeltweit entladen über 100 Blitze pro Sekunde ihre Energie. Dann sollte man sich nicht im Freien aufhalten. Auch dem Sprichwort "Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen" ist nicht zu nicht trauen. Denn Blitze schlagen nicht nur in Eichen ein, sondern auch in Buchen.

Ab und zu treffen sie auch Menschen. Die Wahrscheinlichkeit, von einem Blitz erschlagen zu werden, ist jedoch geringer als einen Sechser im Lotto zu haben. Männer werden wesentlich öfter von Blitzen getroffen als Frauen. Sie halten sich einfach öfter im Freien auf. Außerdem ist dabei auch der Beruf ausschlaggebend.

Wenn Blitze über den Himmel zucken und die Sekunden bis zum Donnern verstreichen, befällt manchen eine unbestimmte Furcht. Mit Bräuchen wollte der Mensch früher den Blitzschlag abwehren. In Bauernhöfen wurde der Hauswurz gepflegt, er sollte vor Blitz schützen.

Einst wurde auch noch die Gewitterkerze beim ersten Donnerschlag angezündet, es wurden Kätzchen vom geweihten Palmzweig in den Ofen geworfen und ein Vaterunser gebetet. Manche reißen sich auch heute noch Birkenzweige vor den Fronleichnamsaltar ab, binden einen Kranz daraus und hoffen, vor dem Blitz geschont zu werden. Ein sicherer Platz ist in einem Auto. (fjo)
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