Waldimker Josef Kick
Oberpfälzer Bienen für Italien

Waldimker Josef Kick (rechts) schickte am Sonntag von ihm gezüchtete Bienenvölker auf den Weg über den Brenner nach Norditalien. Bild: fjo
Vermischtes
Waidhaus
14.03.2016
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Die Gegend im Norden von Waidhaus hat schon etwas, das Einheimische wie Urlauber schätzen. Aber Gäste aus Italien und noch dazu um diese Jahreszeit? Da muss etwas anderes dahinter stecken.

Reinhardsrieth. "Und ab in den Süden", hieß es am Sonntag für über 20 Bienenvölker, die Waldimker Josef Kick unbeschadet über den Winter gebracht hatte. Während in der Region noch unwirtliches Wetter mit kaltem Ostwind vorherrscht, dürften sich Tausende von Oberpfälzer Bienen seit Wochenbeginn im milden Klima südlich der Alpen bereits am Frühling erfreuen.

Überzeugende Qualität


"Bei uns blühen schon die Kirschbäume, und die Apfelblüte ist nicht mehr weit." Das klang nicht nur in den Ohren von Kick wie Honig, was Thomas Zacchi aus der italienischen Region Veneto sagte. Mit seiner Frau Michaela zog es ihn am Wochenende aus einem ganz bestimmten Grund nicht nur über den Brenner, sondern bis in die nördliche Oberpfalz. Der Hobbyimker nahm den weiten Weg auf sich, da er von der Reinhardsriether Bienenqualität "absolut überzeugt" sei. Die beständigen Zuchterfolge Kicks bei den Königinnen seien in Imkerkreisen bis nach Norditalien durchgedrungen.

Der milde Winter zeigte dieses Mal selbst für den Oberpfälzer Wald ein bislang nicht gekanntes Ergebnis. Erstmals brachte Kick seine über 130 Völker ohne jeglichen Ausfall über die Ruhephase, und das auf den unwirtlichen Höhen direkt am böhmisch-bayerischen Grenzkamm. In einer versteckt liegenden Waldlichtung, weit drin im dortigen Forstrevier, lagert der Züchter seine Bienenstände das ganze Jahr über. Nagelneue Transportbehälter aus Styropor hatte sich Zacchi für den Umzug besorgt und mitgebracht.

Bevor er mit seinem umgebauten VW-Kastenwagen die Bienenvölker abholte, waren einige bürokratische Hürden zu meistern. Dazu gehörte wenige Tage zuvor auch eine Kontrolle durch einen Veterinär des Landratsamts Neustadt. Der staatliche Experte nahm den Gesundheitszustand der zu veräußernden Bienenstöcke Kicks genau unter die Lupe. Erst als der Waidhauser Imker das Traces-Zeugnis (Trade Control and Expert System) in Händen hatte, war der Verkauf fix. Die Expertise bescheinigt Kick, dass keine gesundheitliche Beeinträchtigungen festgestellt worden waren. Zu Kick habe der Veterinär noch gesagt "Ein für mich bislang einmaliger Vorgang."

Auch für den Reinhardsriether war es das erste Mal, dass von ihm aufgebaute Bienenvölker einen so weiten Weg antreten. Ihm sei es eigentlich bisher nur geläufig, dass deutsche Imker im Frühjahr ihre winterlichen Ausfälle mit Bienen-Kunstschwärmen aus Italien ausglichen. "Obwohl in Fachzeitschriften immer wieder auf die Gefahr von Krankheitseinschleppungen hingewiesen wird." Dazu verwies Kick auf den Kleinen Beutenkäfer, der in den vergangenen Jahren in Kalabrien ganze Bienenstände dahingerafft habe.

Für den Kurzurlauber aus Italien war es höchste Zeit, denn durch die begonnene Kirschblüte habe die Saison dort schon begonnen. Behutsam erfolgte das nicht ungefährliche Umsetzen der Bienenvölker aus Kicks Holzkästen heraus und hinein in Zacchis Styropor-Provisorien, Wabe für Wabe. Trotz der Temperaturen um die vier Grad umschwärmten die Bienen das Trio dabei gehörig, zumal nur ein offenes Austauschen möglich war. Während Zacchi auf die mitgebrachte Schutzkleidung zurückgriff und Ehefrau Michaela das Ganze aus sicherer Entfernung verfolgte, musste sich Kick nicht sonderlich vor Stechattacken schützen.

Transport ohne Probleme


Gegen Abend erhielt er gleich noch Rückmeldung, dass auch die Reise ohne Zwischenfälle verlaufen sei und der Transport ohne Probleme glückte. Ob er seine Bienen einmal im Laufe der Saison besuchen wird und nachschauen werde, wusste der Waidhauser Bienenzüchter noch nicht. "Die Landschaft wäre sicher eine Reise wert. Bislang habe ich meinen Urlaub noch nicht geplant."
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