günstigere Plätze für neue Häuser soll neue Bewohner anlocken
Billige Bauplätze für mehr Bürger

Bauwillige müssen ab sofort nur noch die Erschließungskosten berappen. Den Grundstückspreis für Bauplätze im Baugebiet am östlichen Ortsrand (gelb hinterlegt) senkte der Marktrat auf den symbolischen Betrag von einem Euro. Repro: fjo
Wirtschaft
Waidhaus
09.07.2015
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Wie in vielen Gemeinden in der Grenzregion sinkt auch in Waidhaus die Einwohnerzahl. Im Gegenzug wird die Bevölkerung immer älter. Um diese Probleme zu lösen, geht der Markt nun einen neuen Weg.

Der Marktrat hat sich am Montag entschlossen, spürbare Ermäßigungen auf den Grundstückspreis zu gewähren und wirksame Anreize für Bauwillige zu schaffen. Nach dem einstimmigen Beschluss verkauft die Kommune Bauplätze im Baugebiet "Im Kiesbeet" befristet zu einem Sonderpreis.

Quadratmeter für 1 Euro

Dabei geht Waidhaus so weit, dass die einmalige Ermäßigung auf den Grundstückskauf - beim Erwerb eines erschlossenen Grundstücks zur Errichtung eines eigen genutzten Wohngebäudes im Bereich des Bebauungsplans - für einen Quadratmeter auf 1 Euro (anstelle bislang 17,38 Euro) fällt. Eine Musterberechnung für einen Bauplatz mit 800 Quadratmetern ergibt so eine Minderung der Kosten für Bauwillige von rund 28 000 Euro auf 14 000 Euro. Käufer zahlen also letztlich fast nur noch die Erschließungskosten.

Bis 1995 reicht der Bebauungsplan "Im Kiesbeet" im ersten Abschnitt zurück. Nachdem der Bauplatzverkauf zunächst sehr gut angelaufen war, entschloss sich der Markt 2001, den Bebauungsplan anzupassen und einen zweiten Abschnitt zu erschließen. In diesem Teil wurde aber noch keine einzige Parzelle verkauft.

27 Bauparzellen

Die Gemeinde verfügt dort noch über 27 voll erschlossene Bauplätze im Wert von über 800 000 Euro inklusive Erschließungs-, Wasser- und Entwässerungsbeiträge. Dieses Kapital werde allerdings für andere Investitionen dringend benötigt. Und über den Zeitraum von rund 15 Jahren seien dadurch erhebliche Verluste entstanden. Noch gar nicht mitgerechnet sind die Kosten aus Unterhalt und Pflege, die sich im Bereich von mehreren Tausend Euro jährlich bewegen.

Im gleichen Zeitraum verlor Waidhaus 363 Einwohner. Um Spekulanten vorzubeugen und eine nicht voraussehbare Entwicklung auszulösen, ist die Maßnahme an Voraussetzungen geknüpft. So muss ein Grundstückskauf einschließlich notarieller Beurkundung bis 31. Januar 2016 vollzogen sein. Außerdem muss innerhalb von zwei Jahren der Wohnhausrohbau (unter Dach) fertig sein.

Wird das Grundstück nicht entsprechend bebaut, hat der Markt das Recht, den Bauplatz zum ermäßigten Kaufpreis wieder zurückzunehmen. Die Kosten für den Rückkauf und die Auflassung einschließlich aller Nebenkosten hätte der Käufer zu tragen. Die Ermäßigung wird deshalb zeitlich befristet, um den finanziellen Aufwand für den Gemeindehaushalt überschaubar zu halten. Eine Begrenzung auf eine bestimmte Anzahl von Bauplätzen sahen die Räte als nicht praktikabel an Denn bei mehr Bewerbern als Bauplätze müsste das Los entscheiden und dabei könnten "nicht kalkulierbare Ungerechtigkeiten und Streitfälle entstehen". Scheinbar bestehende Vorurteile gegen die Lage der Grundstücke im Talbereich und in der Nähe des Bachs will der Marktrat mit der Aktion mildern. Das Entgegenkommen werde auch Ausgleich für zusätzliche Maßnahmen gegen eventuell auftretendes Grundwasser sein. Im Beschluss verankerte das Gremium zudem eine Bauplatzvergabe in der Reihenfolge des Eingangs der Bewerbungen.
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