Festliche Konzerte im Barocksaal
Zauberhafte Töne im Saal

Michèle Gurdal (links) und Nina Karmon überzeugten bei ihrem Auftritt im Kloster Walderbach. Bild: tie
Kultur
Walderbach
16.03.2016
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Das Kloster Walderbach bietet ein wundervolles Ambiente. Deshalb sind dort auch die "Festlichen Konzerte im Barocksaal". Schön, wenn Musikerinnen wie Nina Karmon und Michèle Gurdal berühmte Sonaten in diesen Raum zaubern.

Alle drei "Sonatinen für Violine und Klavier op 137, D 385" von Franz Schubert werden viel in Hausmusiken gespielt. Die 2. Sonatine a-Moll auch einmal im Konzert zu hören, ist deshalb besonders schön. Mit gesanglichen aber kräftigen halben Notenwerten der Geige über Staccato-Achteln des Klaviers begannen beide Musikerinnen das "Allegro".

Ungemein intensiv


Auch das zweite Thema gestaltete erst die Violine zu Akkorden des Klaviers. Abwechselnd gesanglich mit kräftiger Begleitung lief der gesamte Satz ab. Nina Karmon präsentierte auf ihrer Violine einen schmelzenden kräftigen Ton, die Pianistin Michèle Gurdal begleitete sie höchst aufmerksam. Noch gesanglicher war das "Andante". Selbst Sechzehntel waren gebunden zu spielen. Ein rasches "Menuetto" schloss sich forsch an. Das Finale brachte abwechselnd Gesangliches in beiden Instrumenten.

Für seinen unübertrefflichen Gebrauch der Liedform nicht nur in Liedern sind Schuberts Werke zu Recht berühmt. Es folgte die "2. Violinsonate A-Dur" op 100 von Johannes Brahms. Hier intoniert vor allem das Klavier ungemein intensiv die Themen, die Violine antwortet oder führt weiter. Das Gesangliche spielt dabei auch eine große Rolle, und zwar in allen Sätzen. Der erste Satz ist "lieblich" zu spielen, der Mittelsatz besteht aus sechs alternierenden Abschnitten von "Andante" und "Vivace", die mal langsam, mal schnell zwischen Ruhe und Leidenschaft pendeln.

Kurzfristig eingesprungen


Auch das Finale soll "grazioso" klingen, was bedeutet, dass das gesangliche Element wieder vorherrscht. Der warme Ton der Geige erfreute ebenso wie das punktgenaue Gestalten der Akkorde durch das Klavier. Man merkte deutlich, wie intensiv die Einstimmung beider Künstlerinnen aufeinander in kurzer Probenarbeit erfolgt ist. Michèle Gurdal ist ja eingesprungen für die kurzfristig erkrankte Terhi Dostal. Gerade bei Brahms ist der Zusammenklang entscheidend, damit seine vielen Spielanweisungen sinnvoll zum Tragen kommen.

Nach der Pause spielten beide Musikerinnen die "Sonate für Violine und Klavier A-Dur" von César Franck. Der weitgespannte erste Satz stellt eine riesige Geigenmelodie vor, die das Tongefüge dominiert. Deshalb ist er mit "Allegretto ben moderato" überschrieben und unterscheidet sich damit vom "Allegro" des nächsten Satzes. Das drängt stetig voran und hat selten kleine Ruhepunkte. Der grandiose Ton der Geige bewältigte beide Anforderungen ohne weiteres. Kompliziert in seiner manchmal kanonischen Aussage die folgende "Recitative-Fantasia", die musikalische Fragen stellt. Der Schlusssatz dagegen stellt das Spielerische wieder in den Vordergrund, variiert seine große Melodie bis zum Schlusstriller und dessen Achtel-Unterstützung im Fortissimo. Zugabe Nummer eins war der langsame Satz aus der "Violinsonate a-moll" op 105 von Robert Schumann. Als zweite Zugabe erklang das "Wiegenlied" op 49/4 von Johannes Brahms, wobei dem Publikum die Gestaltung der Worte "Guten Abend, gute Nacht" durch die Violine sehr gefiel. Jedenfalls bekamen Nina Karmon und Michèle Gurdal zu Recht großen Beifall für ihr Können.
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