Festliche Konzerte im Barocksaal
Prachtvolle Musik

Wolfgang Nüßlein am Violoncello und Christine Lindermeier, Klavier, überzeugten mit hochklassigen Stücken im Walderbacher Barocksaal. Bild: tie
Lokales
Walderbach
29.09.2014
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Der exquisite Abend im Zuge der "Festlichen Konzerte im Barocksaal" hätte noch mehr Zuspruch verdient. Wolfgang Nüßlein am Violoncello und Christine Lindermeier, Klavier, interpretierten mit Hingabe Werke für ihre Instrumente und wurden mit begeistertem Beifall belohnt.

Schon die zu Anfang interpretierte Sonate für Violoncello und Klavier op 29 von dem erst vor wenigen Jahren verstorbenen tschechischen Komponisten Viktor Kalabis beeindruckte durch die Macht ihrer Töne und die Darstellung ihres musikalischen Gehalts. Christine Lindermeier setzte auf Kraft bei Forte-Passagen und auf Feinheit des Anschlags bei den leisen Abschnitten. Wolfgang Nüßlein zeigte sein Vermögen, selbst sehr ausgedehnte Melodien in passendem Tongefüge und zugehöriger Lautstärke darzustellen.

Natürlich ist das Werk von tonalen Freiheiten geprägt, aber nicht dissonant in dem Sinne, dass absichtlich Tonbrüche der Modernität wegen erzeugt werden. Vielmehr dienen diese Tonfolgen als Übergänge von einem Stimmungsbereich zum anderen. Allen drei Sätzen, die mit traditionellen Bezeichnungen gekennzeichnet sind, ist gemeinsam, dass sie sowohl im schnellen Anfangs- und Schlusssatz, wie auch im langsamen Mittelsatz überzeugende musikalische Gedanken zum Ausdruck bringen. Nach dieser Sonate aus der zweiten Hälfte ertönte ein Werk aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Von Dmitrij Schostakowitsch ist die Sonate für Violoncello und Klavier op 40, ein besonderes Meisterwerk der Gattung. Mit einer sehnsüchtigen Melodie im Cello begann das einleitende Allegro non troppo, drückte verschiedene Stimmungen aus, ehe er leise im pizzikato verklang. Eine verspielt schnelle Welt öffnete sich im folgenden sehr raschen Allegro, tänzerisch stieben die Motive vorüber bis zum rasant knappen Schluss.

Das Largo brachte Ruhe ins Spiel, bezauberte durch gemütvoll wirkende Melodik und dementsprechend tiefgründige Stimmung. Das Finale, ein weiteres Allegro, überzeugte nicht allein in der Darstellung manch hektischer Passagen, sondern ebenso in der Eleganz des Gesamteindrucks. Nach der Pause folgte die Sonate A - Dur für Violoncello und Klavier von César Franck. Eigentlich für Violine geschrieben, hat der Komponist selbst die Stimme für Cello bearbeitet und sie klingt auch in dieser Tonlage sehr ansprechend.

Bis zum letzten Ton...

Das Einzige, was man einwenden könnte, ist die natürliche Folge, dass hohe Geigentöne über dem Klavier hervorgehobener erscheinen als Melodien in der gleichen Lage. Jedoch waren die Sätze in ihrer Individualität mitreißend von Wolfgang Nüßlein und Christine Lindermeier dargestellt, sowohl der melodiöse Anfangssatz, das wahnsinnig schnelle Quasi-Scherzo, die herrlichen Melodien in der Recitativo-Fantasia und schließlich der immer wieder gestaltende Canon innerhalb des Finales.

Als Zugabe erklang die "Habanera" von Maurice Ravel, wobei in dieser Fassung die Tonfülle des Cellos besonders eindringlich zur Geltung kommt und das Klavier in tänzerischen Begleitfiguren der Melodie das rhythmische Fundament gibt. Bis zum letzten Ton war das Engagement der beiden Musiker ein Garant für prachtvolle Darstellung renommierter Musikwerke.
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