Walbenreuth bei Waldershof empfängt syrische Flüchtlingsfamilie mit offenen Armen
Flucht in die Idylle des Steinwalds

Kultur
Waldershof
08.08.2015
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Wenn Familie Omar aus dem Fenster blickt, hat sie jetzt den idyllischen Steinwald vor sich. Ruhe und vor allem Frieden. Aus ihrer Wohnung in Syrien sahen sie Grausames: IS-Kämpfer verstümmelten oder töteten Männer. Frauen und Kinder wurden gefesselt und abtransportiert.

Der Garten der Familie Dressler in Walbenreuth bei Waldershof strahlt Ruhe aus, lässt Kraft schöpfen. Familie Omar genießt das. Die beiden Mädchen Roj und Hayar sowie deren kleiner Bruder Azat lächeln einen aus braunen, freundlichen Kinderaugen an.

Mit am Kaffeetisch sitzen die ehemaligen Waldershofer Lehrerinnen Annemarie Maier und Ilona Pirner. Sie berichten, dass Deutsch verhältnismäßig leicht zu lernen sei. Zumindest im Vergleich zu Arabisch oder Kurdisch. "Als die Familie Omar nach Walbenreuth kam, sprach sie nur kurdisch", erzählt Annemarie Maier. Und sie gesteht: "Als wir von Martina Dressler einen Anruf - es war eher ein Hilferuf - erhielten, dass wir beide unterstützend eingreifen sollen, hatten auch wir noch keinen Plan." Wichtige Hilfe bot die Volkshochschule. "Inzwischen können die Eheleute Omar schon gut Deutsch, die Kinder noch besser." Und der Oberpfälzer Dialekt gehöre inzwischen wenigstens zum passiven Wortschatz von Nowrouz und Riadh Omar.

Gottes Fügung

"Walbenreuth ist für die Familie Omar ein Glücksfall", sagt Dr. Reinhard Dressler. Der Tirschenreuther Zahnarzt in Ruhestand weiß: "Die Kinder haben Schreckliches erleben müssen." Ihr Zuhause lag in einem kleinen Vorort von Quamschli im Nordosten Syriens. Dort wohnten sie im vierten Stock eines Mehrfamilienhauses. Dass die IS-Kämpfer nur bis zum zweiten Stock vordrangen, ist wohl Gottes Fügung zu verdanken. Die Familie traute sich mehrere Tage lang nicht aus der Wohnung.

Riadh und Nowrouz beschlossen, mit ihren drei Kindern die Heimat zu verlassen. Zu Fuß erreichten sie die Grenze zum Irak. Von da ging es mit dem Bus, per Anhalter oder wieder zu Fuß weiter in die Türkei. Nach vier Monaten erreichten sie die österreichische Grenze. "Als sie von Zirndorf kommend zu uns fanden, trugen sie einige Müllsäcke in den Händen. Ihr letztes und einziges Hab und Gut hatte darin Platz gefunden", sagt Martina Dressler. "Wichtig war, dass die Familie Ruhe findet." Und die hat sie im Steinwald. Dr. Reinhard Dressler: "Hier bei uns, hier im Dorf, am Waldrand, in unserem idyllischen Garten mit dem kleinen Teich."

Die Kinder seien in der Waldershofer Jobst-vom-Brandt-Grundschule und im Poppenreuther Kindergarten herzlich aufgenommen worden. "Ersatzoma" Martina Dressler macht keinen Hehl daraus, dass auch sie die Kinder sehr lieb gewonnen hat. "Die Kleine fahren wir täglich in den Kindergarten nach Poppenreuth. Wir machen das gerne." Die Dresslers schätzen das Kinderlachen im Haus.

Doch nicht nur hier stimmt die "Chemie". Riadh Omar hat beim Walbenreuther Feuerwehrfest bei der Arbeit geholfen. Es hat ihm großen Spaß gemacht. Auch hier war er kein "Fremder". Martina Dressler: "Die Leute hier fragen nicht groß nach der Herkunft. Wichtig ist der Mensch."

Wieder aufs Land

Und wie geht es weiter? Martina Dressler schätzt, dass noch im Lauf des August die "nötigen Papiere" kommen. Im Siegerland wohnen Verwandte der Omars. Dort wollen sie hinziehen. "Wieder aufs Land raus." Falls es ihnen aber nicht gefalle, "kommen sie zurück in den Steinwald". Martina Dressler: "Das haben sie mir versprochen."

Die Wohnung der Dresslers dürfte nicht lange leer bleiben. "Die nächste Familie kommt bestimmt. Wir wissen, dass es nicht immer leicht ist, aber wir machen es gerne."
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