Hohe Bordsteine, zu wenig Parkplätze

Keiner der Eingänge in die Schule ist barrierefrei.
Lokales
Waldershof
21.11.2015
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"Gut gelöst", kommentierte Günter Raithel die Situation an der Alten Kirche und am südlichen Friedhofszugang. Doch es gibt noch viele Stellen, an denen Waldershof alles andere als barrierefrei ist. Hohe Bordsteine oder gar Treppen bedeuten für viele Behinderte unüberwindbare Hindernisse.

Behindertenbeauftragter Günter Raithel stellte die Mängelanalyse am Donnerstag im Stadtrat vor. Er hatte die Stadt erkundet und dokumentiert, wo Verbesserungen dringend nötig sind. Der Referent für Stadtentwicklung und Barrierefreiheit weiß, wovon er spricht. Denn er sitzt selbst im Rollstuhl und scheitert oft genug an zu hohen Türschwellen oder auch zu steilen Rampen.

In Waldershof wohnen 628 Behinderte, davon sind 481 schwerbehindert. 188 Menschen sind erheblich gehbehindert, 46 außergewöhnlich gehbehindert, informierte Raithel. Es gebe einen Anspruch auf Barrierefreiheit. Der Stadtrat hob hervor: "Barrierefreiheit ist ein Qualitäts- und Komfortgewinn für uns alle und somit ein Qualitätssiegel jeder Stadt." Das Rathaus sei barrierefrei erreichbar, "aber es ist kein Parkplatz für Behinderte ausgewiesen". Weiter bemängelte Günter Raithel: "Der Spiegel in den Behindertentoiletten im Rathaus kann im Rollstuhl sitzend nur mühsam zum Schwenken erreicht werden." Keinen Behindertenparkplatz gebe es beim Alten Rathaus. Auch fehle ein Hinweisschild an der Gebäudefront auf den barrierearmen Eingang an der Rückseite.

Lösung erarbeitet

Im Bereich Jobst-vom-Brandt-Schule, Kirche und Friedhof sei nur ein einziger Parkplatz für Behinderte vorhanden. "Das ist zu wenig!" Zudem werde bei Belegung dieses Parkplatzes der abgesenkte Gehsteigbereich blockiert. Günter Raithel hatte bereits einen Lösungsvorschlag erarbeitet: Auf einer kleinen Fläche zwischen Friedhofsmauer und Neuer Kirche könnten drei Behindertenparkplätze geschaffen werden.

Was Raithel besonders negativ auffiel: "Keiner der Eingänge in die Schule ist barrierefrei. Es gibt keinen Lift oder Fahrstuhl zum Erreichen der oberen Stockwerke." Dabei erkannte Stadtrat Günter Raithel im Bereich des hinteren Treppenhauses einen idealen Platz für einen Aufzug. Außerdem fehle ein Lift oder eine Rampe, um von der oberen Aula auf das Niveau der unteren Aula zu gelangen. "Es ist keine behindertengerechte Toilette vorhanden." Der Vorplatz der Friedhofshalle sei uneben gepflastert, die Toilette in der Friedhofshalle nicht barrierefrei. Der Behindertenbeauftragte empfahl: "Die Gliederung der Grabreihen ist langfristig gesehen neu zu planen." Besonders am alten Friedhof lägen die Gräber so dicht beieinander, dass ein Zugang mit dem Rollstuhl oder Rollator nicht möglich sei. Am Friedhofsweg sollte ein Behindertenparkplatz markiert werden. Beim evangelischen Gemeindezentrum fiel Raithel eine zu steile und zu glatte Rampe auf. Auch müsste die Gehsteigkante stärker abgesenkt werden. Ein Behindertenparkplatz fehle. Viel zu tun sei in Sachen Barrierefreiheit im Kinderhaus St. Sebastian (schwer zu öffnende Tür, kein Lift, keine behindertengerechte Toilette). Nachrüsten sei auch beim Kösseinebad nötig: Derzeit keine Parkplätze für Behinderte. Der steile Zugang zum Bade- und Wirtschaftsbereich sei nur von sportlichen Rollstuhlfahrern zu schaffen.

Im Zuge der Stadtparksanierung müsse großes Augenmerk auf Barrierefreiheit und die Bedürfnisse der Behinderten gelegt werden. Beim Pfarrheim seien trotz 200 Sitzplätzen keine Behindertenparkplätze angelegt. Die Rollstuhlrampe im Gebäudezugang beurteilte Günter Raithel als zu gefährlich ("viel zu steil"). Auch fehle eine Behindertentoilette.

Schwierig, aber machbar

Erheblichen Verbesserungsbedarf erkannte der Behindertenbeauftragte in Gasthäusern und Restaurants. "Die Waldershofer Gastronomie ist durchgehend in historischer Bausubstanz untergebracht. Das macht die Situation schwieriger, aber nicht unmöglich. In vielen Fällen lässt sich mit überschaubarem Aufwand eine deutliche Verbesserung schaffen." Fazit von Günter Raithel: "Insgesamt ist in der Gastronomie in Sachen Barrierefreiheit noch viel Luft nach oben."
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