Integration über Bildung und Arbeit

Flüchtlinge, die hier bleiben dürfen, müssen gefördert werden
Lokales
Waldershof
24.11.2015
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Der Zustrom von Flüchtlingen fordert Deutschland und seine Bürger. Aber er überfordert nicht, stellte Peter Bauch fest, Referent der Hanns-Seidel-Stiftung.

"Zuwanderer, Flüchtlinge, Asylbewerber - Was kommt auf uns zu?" hatte Peter Bauch seinen Vortrag überschrieben. Er sprach auf Einladung der Hanns-Seidel-Stiftung in der Zoiglstube "Schwarzer Ritter". CSU-Ortsvorsitzender Mario Rabenbauer verwies in seiner Begrüßungsrede darauf, dass die Flüchtlinge aus Angst und Not nach Deutschland kämen. In Waldershof, so Rabenbauer, leben aktuell 22 Flüchtlinge. Helmut Christa, Regional- und Seminarleiter der Hanns-Seidel-Stiftung, stellte kurz die der CSU nahe stehende Stiftung vor.

Besonders seit Juli und August sei die Zahl der Flüchtlinge, die über die Westbalkanroute nach Deutschland kämen, enorm. "Die Europäer, aber vor allem die Deutschen waren überhaupt nicht vorbereitet." Sie seien zu sehr mit sich selbst beschäftigt gewesen. Zudem hätten die Europäer solch eine Flüchtlingswelle noch nicht erlebt. Alleine fünf Millionen Syrer hätten mittlerweile ihr Land verlassen. Zwei Millionen von ihnen seien aktuell in der Türkei und würden dort auch mit Hilfe der Vereinten Nationen versorgt, so der Referent. Allerdings sei eine Halbierung der Budgetierung angedacht, so dass viele Flüchtlinge weiterreisen wollten. "In Syrien ist zudem mit einer Intensivierung der Kampfhandlungen zu rechnen, so dass die Flüchtlingsströme wohl kaum nachlassen."

Gemeinsam kontrollieren

Die Türkei, so Peter Bauch, fühle sich von Europa allein gelassen, so dass sie Flüchtlinge an der Weiterreise nach Europa nicht hindere. Dazu müsse man wissen, dass die griechischen Inseln von der Türkei nur 10 bis 20 Kilometer entfernt seien. Der Referent sprach sich dafür aus, dass die Europäer die Außengrenzen gemeinsam kontrollieren, ohne die humanitäre Verpflichtung aufzugeben. Die Europäer hätten zudem entschieden: "Wir weisen niemand ab." Bauch: "Im ersten Einwanderungsland sollten die Flüchtlinge registriert, versorgt und befragt werden." Doch viele Länder hielten sich nicht daran. "So kommen viele Flüchtlinge, noch nicht registriert, nach Deutschland."

Aber warum kommen so viele in die Bundesrepublik? Die Antwort schob Peter Bauch gleich nach: Weil viele ihrer Landsleute schon hier leben. So gebe es speziell für Syrer viele Anlaufstellen. Zudem wüssten sie: Deutschland geht es wirtschaftlich gut und braucht neue Arbeitskräfte. In rechtlicher Hinsicht seien sowohl die Türkei als auch Griechenland sichere Länder. Doch zahlreiche europäische Länder stellten sich nicht ihrer Verpflichtung. Der Wille, diese Herausforderung in Europa zu meistern, fehle vielen. Bauch betonte, dass Deutschland nicht überfordert sei, wenn es in den nächsten drei Jahren jedes Jahr eine Million Flüchtlinge aufnehme. Der Referent wies zudem darauf hin, dass 99 Prozent der Syrer als Flüchtlinge anerkannt würden.

Schnell abschieben

Natürlich gebe es auch Missbrauchsfälle, Migranten aus anderen Ländern gäben sich als Syrer aus. Diejenigen, die abgelehnt werden, müssten so schnell wie möglich abgeschoben werden, forderte der Referent, der früher wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag war. "Flüchtlinge, die hier bleiben dürfen, müssen gefördert werden." Sprache, Bildung und Arbeit seien Hauptfaktoren für die Integration. Studien besagten jedoch, dass nach fünf Jahren nur zehn Prozent der Flüchtlinge eine Arbeit gefunden hätten. Des Weiteren betonte der Redner, das die Flüchtlinge entsprechend der Genfer Konvention einen Rechtsanspruch darauf hätten, dass ihre Familien nachkommen. Bauch dazu: "Aber wo ist der Wohnraum dafür?"
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