Mehr Leistung und gute Laune

An der Diskussion beteiligten sich (von links) Alexander Schraml, Florian Rieder, Gerlinde Reindl, Wolfgang Schmid, Christian Dietl und Manfred Dietrich. Bilder: jr (2)
Lokales
Waldershof
27.10.2015
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Unternehmen, die familienfreundlich agieren, haben jetzt schon gewonnen. Darin waren sich die Gesprächspartner einig. In der Podiumsdiskussion wurde aber auch deutlich, dass es in der Praxis noch viele Hindernisse gibt.

Familienfreundliche Personalpolitik ist das Gebot der Stunde. Gerade in Zeiten des Facharbeitermangels ist mehr Kommunikation zwischen Arbeitgebern und Mitarbeitern nötig, dann lässt sich vieles arrangieren, sprachen sich die Teilnehmer für eine engere Vernetzung aus. Das landkreisweite "Bündnis für Familie" hatte in die Firma Metallbau Schraml zu einer Diskussion eingeladen, moderiert von OTV-Moderator Thomas Bärthlein.

Vorrang für Familie

Landrat Wolfgang Lippert machte deutlich, dass der Landkreis weiter Menschen verliere. Zwar sei die Tendenz nicht mehr so dramatisch wie noch vor einigen Jahren, doch sei der Bevölkerungsrückgang Fakt. Stolz verwies Lippert auf die niedrige Arbeitslosigkeit mit 3,8 Prozent im Landkreis. "Dennoch: Wir brauchen Facharbeiter und vor allem Kinder und eine familienfreundliche Politik." Es sei eminent wichtig, dass Firmen auch Frauen beschäftigten. "Ein Unternehmen, das zukunftsorientiert ausgerichtet ist, gibt Frauen eine berufliche Chance und sichert ihnen damit auch die Würde", meinte der Landrat.

Junge Menschen würden heute einer Familie absoluten Vorrang geben, deshalb dürfe dieser Bereich gegenüber der Arbeit nicht zu kurz kommen. In diesem Zusammenhang lobte er die Firma Schraml, wo menschlich gearbeitet werde. Juniorchef Alexander Schraml stellte das von seinem Vater 1988 gegründete Unternehmen vor. Heute zähle die Firma 45 Mitarbeiter und habe einen internationalen Kundenstamm. Durch Flexibilität seien die kurzen Liefertermine einzuhalten.

DGB-Geschäftsführer Christian Dietl machte deutlich, dass sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer gefordert seien, familienfreundliche Personalpolitik in kleinen und mittelständischen Unternehmen umzusetzen. Stellvertretender Kreishandwerksmeister Wolfgang Schmid sagte, in kleinen Betrieben werde Familienfreundlichkeit gelebt, ganz besonders im Handwerk. "Unsere Unternehmen kennen die Familie des Mitarbeiters." Gerlinde Reindl, Vorsitzende der Unternehmerfrauen im Handwerk, wusste von entsprechender Rücksichtnahme auf die Familien der Mitarbeiter. Wenn eine Frau das Unternehmen leite, die Verständnis für die Familie habe, sei es oftmals leichter, Privatleben und Beruf unter einen Hut zu bringen.

Florian Rieder (IHK Regensburg) war überzeugt, dass sich mit kleinen Dingen vieles verbessern lasse, gerade bei inhabergeführten Unternehmen. Mit einer besseren Kommunikation lasse sich vieles arrangieren. Alexander Schraml unterstrich die Bedeutung der Familie als zentralen Punkt eines jeden Menschen. "Ist eine Familie intakt, hebt dies automatisch die Leistung im Unternehmen und die gute Laune." Gerade im persönlichen Gespräch könne da vieles erreicht werden.

Christian Dietl berichtete von BMW Regensburg mit eigenen Kindertagesstätten. Freilich lasse sich so ein Modell in kleinen Betrieben nicht eins zu eins umsetzen, doch mit Kreativität und Initiative sei auch dort vieles zu verbessern. "Wir tun Gutes, aber wir reden nicht darüber", fand Handwerksmeister Wolfgang Schmid. Gerade in kleinen Firmen sei zwar nicht alles möglich, aber im persönlichen Gespräch mit dem Mitarbeiter oft eine schnelle Lösung da, wenn er zum Beispiel mit seinem Kind zum Arzt muss.

Wirtschaftsförderer Manfred Dietrich sprach vom Standortvorteil durch familienfreundliche Personalpolitik, was freilich in Kleinbetrieben schwieriger sei. Alexander Schraml hob die Oma-Börse in Waldershof hervor, die notfalls einspringt. Bürgermeisterin Friederike Sonnemann bat um staatliche Unterstützung beim Aufbau eines Netzwerkes und brachte einen 24-Stunden-Kindergarten ins Gespräch: "Wir wollen doch, dass unsere jungen Leute wieder zurückkommen."

Elternzeit für Väter

Christian Dietl forderte eine Diskussionskultur auf Augenhöhe zwischen Chef und Mitarbeitern und forderte, dass auch Männer ihre Elternzeit wahrnehmen. Udo Kasseckert (Firma Hamm) wusste, dass in seinem Betrieb die Elternteilzeit auch für Männer problemlos funktioniere. Schwieriger sei es im Montagebereich, "weil wir da jeden Mann brauchen. Aber Lösungen gibt es immer."
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