Philosophischer Spaziergang

Marita Philipp, Vorsitzende der KAB Waldershof dankte dem Referenten Wolfgang Minssen mit einem Präsent für einen spannenden Abend, bei dem nichts dem Zufall überlassen war. Bild: lpp
Lokales
Waldershof
26.10.2015
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Ob es Schicksal oder Fügung war, lässt sich im Nachhinein nicht klären. Der Physiker und Mathematiker Wolfgang Minssen aus Tirschenreuth beleuchtete unter beiden Aspekten anschaulich das Phänomen Zufall vor Mitgliedern der KAB.

Einen philosophischen Spaziergang zum Thema "Zufall, Notwendigkeit, Wahrscheinlichkeit" unternahm Wolfgang Minssen aus Tirschenreuth mit den Gästen der KAB Waldershof. Der ehemalige Schulleiter des Stiftland-Gymnasiums, Mathematiker und Physiker, beleuchtete bei dem Ausflug in die Philosophie den Zufall unter dem Aspekt des Schicksals und der Fügung.

Welche Rolle spielt Gott?

"Gibt es den Zufall, gibt es Regeln dafür?" fragte der Dozent eingangs. Und welche Rolle spielt Gott dabei? Schon lange vor Christus hätten sich die Menschen mit der Frage nach dem Zufall beschäftigt. Minssen zitierte unter anderem Herder, der die Zeit und den Zufall die beiden größten Tyrannen nannte. Dagegen habe Novalis im Zufall eine Regelmäßigkeit erkannt.

Der Absturz einer Concorde diente dem Referenten als Beispiel, um Zusammenhänge zu erläutern. "Ist es Zufall, dass die Maschine ein drei Zentimeter breites Metallstück auf einer viele Meter breiten Startbahn überfuhr?", fragte er. Wunder oder Zufälle würden Ereignisse genannt, je nach ihrer positiven oder negativen Färbung.

Aus dem Buch "Alles Zufall" von Jaques Monod zitierte Minssen die Definition: "Alles, was im Weltall existiert, ist die Frucht von Zufall und Notwendigkeit", eine Aussage die dem Philosophen Demokrit zugeschrieben wird. Der Referent riet dazu, bei Lektüren zu diesem Thema stets die Einstellung des Autors im Hinterkopf zu behalten. Es mache einen großen Unterschied, ob der Biologe, Theologe, Naturwissenschaftler oder etwa Philosoph sei. Dementsprechend fielen die jeweiligen Deutungen aus.

Naturwissenschaftliche Sicht

Zufall käme immer dann ins Spiel, wenn der Betreffende nicht verstehe, was hinter einem Ereignis stecke. Mit einem Ausflug in die Physik und die Quantenthematik erläuterte Minssen den Zufall von der naturwissenschaftlichen Seite her. Den Zerfall eines Atoms beispielsweise oder eines radioaktiven Teilchens bezeichnete er als echten Zufall. Im Hinblick auf den Zufall und die Wahrscheinlichkeit stellte er die Wetterprognosen in Zusammenhang. Börsenentwicklungen und wirtschaftliche Prozesse unterlägen ebenfalls diesem Prinzip. Minssen ist sich jedoch sicher: "Bei der Übertragung der Wahrscheinlichkeit auf den Einzelnen gibt es keine Sicherheit mehr."

Das Schicksal und den Zufall sieht Minssen bei der Frage auftretender Unglücke. "Warum jetzt, warum häuft sich das beim Einzelnen und dergleichen? Folgt das, was passiert, einem Plan? Gibt es blindes Schicksal? Wo hat hier Gott seinen Ermessensspielraum einzugreifen oder nicht? Zufälle sind ohne erkennbare Ursache", sagte Minssen. Manche sagten, hier sei Gott tätig. Gott sei jemand, der Möglichkeiten anbiete, sie aber nicht zwingend vorgebe. "Lässt Gott mit sich handeln?", fragte der Referent. Zumindest die anwachsende Pilgerindustrie lasse dies vermuten.

Zufall bändigen?

Die Schlussfrage lautete: "Kann man den Zufall bändigen?" Minssen ist sich sicher, dass man ihn selbst mit lenken kann, Sensibilität vorausgesetzt. Bei der abschließenden Diskussion beleuchtete Wolfgang Minssen die Beiträge der Teilnehmer, beispielsweise im Hinblick auf Kriegsereignisse, Sehergaben, Voraussagen.
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