Schritt für Schritt barrierefrei

Die Behindertenbeauftragten aus dem Landkreis Tirschenreuth trafen sich zum Erfahrungsaustausch im Waldershofer Rathaus. Im Bild von links Kreisbehindertenbeauftragter Reinhard Schön, AOK-Pflegeberaterin Evelin Schrems, der Waldershofer Behindertenbeauftragte Günter Raithel und Bürgermeisterin Friederike Sonnemann. Bild: jr
Lokales
Waldershof
21.10.2015
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"Es tut mir wirklich leid, dass wir dieses Thema in der Vergangenheit vernachlässigt haben", bedauerte Bürgermeisterin Friederike Sonnemann. "Aber jetzt gehen wir es an." Klar war ihr, dass Barrierefreiheit viel Geld kostet.

Bürgermeisterin Friederike Sonnemann sicherte vor den Behindertenbeauftragten aus dem Landkreis Verbesserungen zu. Sie räumte ein: "Es wird ein langwieriger und auch teurer Weg. Ich bitte Bund und Land, dass sie die Kommunen hier unterstützen." Bei einer Stadtbegehung vor einiger Zeit seien Missstände aufgefallen, "die mich erschrecken ließen".

Kreisbehindertenbeauftragter Reinhard Schön hieß die Behindertenbeauftragten aus den Kommunen willkommen, die sich im Waldershofer Rathaus zum vierten Mal trafen. Unter den Zuhörern war auch Wolfgang Jäger vom Sozialamt des Landkreises. "Willkommen in unserem Rathaus. Ihr seid wichtig. Ihr setzt euch für Menschen mit Handicaps ein", erklärte Friederike Sonnemann. Aus baulicher Sicht sei in Waldershof in Sachen Barrierefreiheit viel verkehrt gemacht worden. "Aber wir werden das Schritt für Schritt ändern." Sonnemann weiter: "Zu einer modernen Stadt gehört Barrierefreiheit für alle Menschen." Die Behindertenbeauftragten aus den Kommunen forderte sie auf Multiplikatoren zu sein, damit Barrierefreiheit zur Selbstverständlichkeit werde.

Mehr Geld

Im Mittelpunkt des Nachmittags stand ein Referat von Pflegeberaterin Evelin Schrems von der AOK-Direktion Tirschenreuth. Sie informierte über Antragsverfahren und Voraussetzungen für die Pflegeeinstufung sowie über die Änderungen und Leistungsanpassungen im ambulanten wie auch im vollstationären Bereich durch das Pflegestärkungsgesetz. Die gute Nachricht für alle Pflegebedürftigen und pflegenden Angehörigen: Es gibt Leistungsverbesserungen. Die Leistungsbeträge stiegen um vier Prozent. "Pflegebedürftige profitieren von einer flexibleren Gestaltung von Kurzzeit- und Verhinderungspflege", die nun kombiniert werden könne. Somit seien für die Verhinderungspflege bis zu acht Wochen Kurzzeitpflege und ein Leistungsanspruch bis zu 3224 Euro möglich. Sei die Pflegeperson verhindert, bestehe ein Anspruch auf Verhinderungspflege bis zu sechs Wochen und 1612 Euro.

"Weiterer Schwerpunkt der Reform ist eine deutliche Aufstockung der Mittel für Tages- und Nachtpflege zur Entlastung der pflegenden Angehörigen. Seit diesem Jahr erhalten Pflegebedürftige aller Pflegestufen zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen der Pflegekasse." Das seien beispielsweise Hilfen im Haushalt, Begleitung bei Arztbesuchen und Behördengängen oder auch Unterstützung beim Einkaufen durch anerkannte Betreuungskräfte. Wer diese Entlastungsmaßnahmen flexibler an die eigenen Bedürfnisse anpassen möchte, könne dafür einen Teil der Pflegesachleistung verwenden. "Bis zu 40 Prozent des Sachleistungsbetrags für ambulante Pflege können dafür umgewidmet werden", informierte Evelin Schrems. "Damit Pflegebedürftige länger in den eigenen vier Wänden bleiben können, werden Umbaumaßnahmen bezuschusst." Bis zu 4000 Euro seien hier möglich.

Freistellen lassen

Durch das ebenfalls zum 1. Januar in Kraft getretene Gesetz zur besseren Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf erhalten pflegende Angehörige mehr Flexibilität, so Schrems. "Sie können sich künftig bis zu 24 Monate lang, bei einer verbleibenden wöchentlichen Mindestarbeitszeit von 15 Stunden, von der Arbeit für die Pflege freistellen lassen." Zusätzlich hätten nahe Angehörige auch einen Rechtsanspruch auf eine kurzfristige Freistellung von der Arbeit, um in einer akuten Pflegesituation Pflege zu übernehmen oder zu organisieren.
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