Schule nicht auf Prioritätenliste

Lokales
Waldershof
30.10.2014
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Mit ihrem "Vorschlag zur Güte" einte Gisela Kastner (Freie Wähler) den Stadtrat wieder. Bis 2017 sollen die Diskussionen um einen Neubau der Waldershofer Grundschule ruhen.

Aufgeflammt war die Debatte um die Jobst-vom-Brandt-Schule nach einem Antrag von CSU und Wählerbund. Sie forderten einen Neubau (statt weiterer Sanierungen). Die nötigen Finanzmittel hätte die Stadt bereits im nächsten Jahr bereitstellen sollen. Dem aber versagte die Mehrheit am Dienstag die Zustimmung. Dafür votierten nur fünf CSU-Räte (Hubert Kellner fehlte entschuldigt) und zwei Stadträte des Wählerbunds (wir berichteten bereits kurz).

"Für uns hat die Errichtung einer neuen Schulsporthalle absolute Priorität", begründete Bürgermeisterin Friederike Sonnemann die Ablehnung. Nur mit der Aussicht auf einen kurzfristigen Neubau der Sporthalle habe der Gemeindeunfallversicherungsverband einer weiteren "vorübergehenden eingeschränkten" Nutzung der Turnhalle für den schulischen Sportunterricht zugestimmt.

Sanierungen in der Schule könnten nur dann als unwirtschaftlich bezeichnet werden, wenn sie überflüssig gewesen wären, sagte Sonnemann an CSU und Wählerbund gerichtet. Mit Blick auf die modellhafte flexible Grundschule in Waldershof und das dafür vorhandene Platzangebot meinte die Bürgermeisterin: "Nach einem Neubau wäre da vieles nicht mehr möglich." Der Stellungnahme der Jobst-vom-Brandt-Schule sei eigentlich nichts hinzuzufügen. Schulleiterin Petra Andritzky hatte darin in Abstimmung mit allen Lehrern erklärt: "Die Variante Neubau des Grundschulgebäudes wird zum momentanen Zeitpunkt abgelehnt." Das Lehrerkollegium wünscht sich "eine weitere schrittweise in ein stimmiges Gesamtkonzept eingebettete Sanierung". Bei einem Neubau nach aktuellen Richtlinien würden die Räume insbesondere für eine flexible Grundschule recht klein. "Differenzierungsräume zur Förderung einzelner Schüler und Gruppen sind für eine flexible Grundschule unabdingbar", ebenso flexible Schulmöbel und Lernlandschaften, so Petra Andritzky. "Bei einem Neubau steht dafür kein Raum zur Verfügung."

Ähnlich argumentierte auch Stadträtin Michaela Härtl (Freie Wähler), die an der Jobst-vom-Brandt-Schule unterrichtet. Die Kinder bräuchten Freiräume. Ein Abriss der Schule koste Geld. Der Betrag, den man sich durch einen Erhalt spare, könne in eine energetische Sanierung fließen. Kosten könnten zudem gespart werde, wenn mit dem Turnhallen-Neubau Toiletten geschaffen würden, die Schüler, Lehrer und Sporthallengäste nutzen könnten.

Stefan Müller (CSU) wünschte sich eine Vorausberechnung der Schülerzahlen und prophezeite in Waldershof bald nur noch fünf Klassen. Den von den Waldershofer Lehrern gewünschten Platzbedarf zweifelte Müller (Rektor in Tröstau) an.

Kein Spielraum

"Die Verpflichtungen aus dem Rosenthal-Projekt und dem Sporthallen-Neubau lassen uns keinen finanziellen Spielraum", schaltete sich Günter Raithel (SPD) in die Diskussion ein. "Ein Schulneubau wäre ein finanzieller Drahtseilakt." Gisela Kastner (Freie Wähler) machte auf die Förderrichtlinien aufmerksam: Bei einem Neubau gebe es für zusätzliche Räume, wie eine Lernwerkstatt, keine Zuschüsse.

"Warum lassen wir nicht mal einen Neubau auf Basis der zu erwartenden Schülerzahlen durchrechnen?", bat Hilmar Wollner (CSU). Den Zahlen könnten die Kosten für Renovierungen gegenübergestellt werden. Nach einem Neubau rechnete Wollner mit "mindestens einer Halbierung der Energiekosten".

"Warum setzt sich die CSU über die Wünsche der Schule hinweg?", wunderte sich Bürgermeisterin Friederike Sonnemann. Dem hielt Stefan Müller entgegen: "Es müssen doch alle das Recht haben sich zu äußern. Auch der, der das alles zahlt."

Debattenpause

Sonnemann verwies wiederholt auf die Prioritätenliste: Umbau der Rosenthal-Brache in ein Gewerbegebiet, Neubau der Schulturnhalle, Gestaltung des Stadtparks, Belebung der Innenstadt. "Wir sind mit diesen Projekten finanziell eingespannt", bekräftigte auch Gisela Kastner. Eine neue Schule werde sich so schnell nicht hochziehen lassen. Deshalb ihr Appell: Die Debatte zwei Jahre ruhen lassen und dann prüfen, "ob wir eine neue Schule bauen, falls das die wirtschaftlichste Lösung ist".
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