Sorgen und Wünsche der Senioren

Lokales
Waldershof
27.11.2014
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Die Studie zur Lebenssituation der Bevölkerung 60 plus ist fundiert und gut ausgearbeitet. Doch das Ergebnis wirkt - zumindest auf Bürgermeisterin Friederike Sonnemann ernüchternd. "Da steht wenig Neues drin."

Vor gut einem Jahr hat der Stadtrat die Studie geschlossen in Auftrag gegeben. Kosten: rund 15 000 Euro. Professor Dr. Frieder Lang und Dr. Roland Rupprecht vom Institut für Psychogerontologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg waren am Dienstagabend nach Waldershof gekommen, um die Ergebnisse vorzustellen.

Dr. Frieder Lang verwies in der Zusammenfassung auf zahlreiche Befragungen und Interviews. Es galt, "in einer nicht ganz einfach gelegenen Gemeinde" herauszufinden, "wo Handlungsbedarf besteht". Fakt ist: In Waldershof leben mehr Menschen über 60 Jahre als im bayerischen Durchschnitt. Auch merkte Dr. Lang zu Waldershof an: "Ein Bevölkerungsrückgang in der Größenordnung ist eine Herausforderung."

Über Fragebögen habe die Studie die Themen Gesundheit, Lebensqualität, Wohnsituation, Mobilität, infrastruktureller Handlungsbedarf "abgeklopft". Das Institut für Psychogerontologie habe 1340 Fragebogen versandt - 28,8 Prozent kamen zurück. Eines der Ergebnisse: 73 Prozent der 60- bis 98-Jährigen haben einen Hauptschulabschluss. Je nach Alter fiel die Bewertung der Lebenszufriedenheit sehr unterschiedlich aus. Rund ein Drittel lebe mit Behinderungen.

Viele der Befragten wohnen schon lange in Waldershof, fast 70 Prozent haben Wohneigentum, führte Professor Lang weiter aus. In vielen Häusern gebe es keinen barrierefreien Zugang oder auch Stolperfallen. Ein altersgerechter Umbau sei vielfach nicht möglich. Um zu Ärzten oder zum Einkaufen zu kommen, sind viele Senioren auf die Hilfe anderer angewiesen.

Verkehr bremsen

Handlungsbedarf sahen 73,8 Prozent bei der ärztlichen Versorgung, 52,4 Prozent bei öffentlichen Toiletten, 49,4 Prozent bei Sitzgelegenheiten, 46,1 Prozent bei der Gastronomie und 44,3 bei Kurzzeitpflege. Weit oben auf der Wunschliste finden sich verkehrsberuhigende Maßnahmen. Das Bewusstsein für Patientenverfügung und Testament sei vorhanden. "Die meisten der interviewten Senioren wünschen sich Wohnen in den eigenen vier Wänden", berichtete Frieder Lang. Die Verbundenheit zu Waldershof sei enorm. "Wer hier wohnt, möchte hier wohnen bleiben." Allerdings sei das Thema Armut häufig thematisiert worden.

Bürgermeisterin Friederike Sonnemann hinterfragte am Dienstag angesichts der Kosten kritisch den Nutzen der Studie. "Das Ergebnis ist ernüchternd." Vieles sei längst bekannt. "Wir sehen die Herausforderungen", fasste die Bürgermeisterin Friederike zusammen. Wichtig sei eine verstärkte Seniorenarbeit. "Wir müssen ältere Menschen motivieren, am Leben in der Gemeinde aktiv teilzunehmen." Nicht nachvollziehen konnte Sonnemann Kritik am Einzelhandel. Der Ortskern sei gut versorgt.

"Es gilt, etwas aus den Ergebnissen der Studie zu machen", resümierte Hilmar Wollner für die CSU-Stadtratsfraktion. Die Gruppe der Älteren werde wachsen; da seien Konzepte notwendig. Dennoch dürften die Bedürfnisse der jungen Bürger und der Familien nicht aus den Augen verloren werden. "Es darf keine Politik nur für die ältere Generation geben."

Beratung im Bürgertreff

Gisela Kastner (Sprecherin der Freien Wähler) nannte die Studie sinnvoll. Denn es hätten sich Abweichungen vom Durchschnitt in Bayern ergeben. Kastner bekräftigte: "Wir können nur Vorschläge machen. Die Menschen müssen sie annehmen." Wichtig sei noch mehr Beratung. Und da sei der neue Bürgertreff bestens geeignet.

"Die Studie hätte nicht sein müssen. Das haben wir alles schon gewusst", erklärte Gerhard Greger (SPD). Enttäuschend fand er die Rücklaufquote von 28,8 Prozent. "Offenbar hat die Waldershofer die Studie nicht besonders interessiert."
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