Waldershofer Fastenrede gehaltvoll wie das ausgeschenkte Bier
Starkes Bier, scharfe Zunge

Bruder Antonius las den Kommunalpolitikern die Leviten und teilte kräftig aus. Bild: kro
Lokales
Waldershof
15.03.2015
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Da blieb so manchem das Lachen im Halse stecken, als Fastenprediger Antonius (Gerhard Rosenberger) die Waldershofer Lokalpolitik durchleuchtete. Die "Fastenrede" hatte es in sich. Gehaltvoll wie das ausgeschenkte Bier.

Vor allem Bürgermeisterin Friederike Sonnemann bekam einige Breitseiten. Etwa als Bruder Antonius davon sprach, dass die CSU lange Jahre gebraucht habe, ihren "schwarzen Filz" aufzubauen. Sonnemann aber habe bereits in einem Jahr Verflechtungen installiert, die selbst Franz Josef Strauß vor Neid erblassen lassen würden.

Zu Beginn des sehr gut besuchten Starkbierfestes der Kolpingsfamilie Waldershof freute sich Vorsitzender Dr. Christian Kastner über die Tatsache, dass alle vier im Stadtrat vertretenen Fraktionen als "Sponsoren" des Festes aufträten - zwar nicht mit Geld, aber mit ihren Worten und Taten in den zurückliegenden Monaten. In einem gemeinsamen Antrunk mit Bürgermeisterin Friederike Sonnemann und Brauerei-Chef Otto Nothhaft eröffnete er das vierte Waldershofer Starkbierfest. Musikalisch sorgte das Trio "Mukker" für Stimmung.

Schon die Anrede des Fastenpredigers hatte es in sich: "Liebe Starkbiergemeinde, liebe von einer norddeutschen, evangelischen, roten Frau Regierte." Erfreut zeigte er sich über den großartigen Besuch: "Das sind ja mehr, als die Schwarzen Stimmen bekommen haben." Schnell schoss sich Bruder Antonius auf die "Mama" der Stadt ein, "eine recht Magere".

Die von Friederike Sonnemann früher von den Schwarzen eingeforderte Transparenz machte ihm zu schaffen. Vieles werde im Stadtrat gar nicht mehr abgesegnet, sondern ganz nach dem Motto "der Staat bin ich" von der Bürgermeisterin bestimmt. Beispiele schob der Prediger gleich nach: neues Stadtlogo, "natürlich auf rotem Grund", und eine Neueinstellung im Bauhof, "ein Rawetzer, obwohl sich Waldershofer beworben haben, der der Familie Sonnemann bekannt ist". Bruder Antonius forderte: "Transparenz sollte man leben und nicht nur ankündigen." Kritik übte er auch an der optimierten Medienpräsenz der Bürgermeisterin. Aber es gab auch Lob für die arg Gescholtene: "Das Licht in ihrem Büro brennt abends wesentlich länger als in den letzten Jahren des Amtsvorgängers." Stark vermisse er den Josef Daubenmerkl, "der hat dir die Sprüche aufgelegt wie Elfmeter". Bruder Antonius: "Aber heute, ohne den Daubenmerkel-Sepp, da taugt die CSU nicht mal mehr zum Balljungen." Die CSU sei sprachlos geworden. Das einzig Schwarze, das aktuell in Waldershof wahrgenommen werde, seien die neuen Cube-Hallen. Die Empfehlung des Predigers: "Baut einen neuen Unternehmensführer auf und werft nicht im letzten Moment den jüngsten Azubi in den Ring."

Den Marsch blasen

Auch zweiter Bürgermeister Karl Busch bekam sein Fett weg. Der kümmere sich um die Attraktivität der Poppenreuther Fronleichnamsfeier, freilich ohne Pfarrei, auch wenn die die Blasmusik beim Fronleichnamszug bezahlen solle. Bruder Antonius: "Wie wär's mit dem TSV-Spielmannszug auf SVP-Boden? Aber wenn's da mal nicht zu bürgerkriegsähnlichen Ausschreitungen kommt?" Zu hoffen bleibe, dass der neue Pfarrer musikalisch sei "und Ihnen auch mal den Marsch blasen kann". Wie wichtig den drei Bürgermeistern die Fronleichnamsprozession in Wahrheit sei, verdeutliche die Tatsache, dass in Waldershof keiner teilnahm, "erstmals seit Jahrzehnten", so Bruder Antonius. Und schon war er bei Gisela Kastner, die vor den Kommunalwahlen jedes Wochenende in der Kirche gewesen sei, "aber kaum ist die Wahl vorbei, flieht sie aus der Kirche wie as Würschtl vorm Kraut und war nie mehr dort gesehen". Die "Königsmacherin" habe sich mittlerweile der "strahlenden Sonne" untergeordnet.

Faule Stellen

Der Fastenprediger griff auch die jüngsten Baumfällungen in Waldershof auf. "Als unter Bürgermeister Kellner ein Baum gefällt wurde, wurden aus Protest Grablichter aufgestellt." Nun fielen Bäume reihenweise - ganz ohne Protest. Auch mit der Verwertung klappe es nicht. "Das Holz lag nutzlos herum, bis es irgendwann gestohlen wurde." Bei den Baumfällaktionen lasse sich die Bürgermeisterin nicht blicken. Dafür überzeuge sich Geschäftsstellenleiter Josef Kaiser persönlich davon, dass die Bäume morsch und faul gewesen seien. Bruder Antonius: "Er kennt sich vermutlich bestens aus mit morschen und faulen Stellen in der Stadt."

Die Rede hatten Gerhard Härtl, Rupert Herold und Raimund Maier für Bruder Antonius geschrieben.
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