Den Westen im Blick
Kewog will in Waldershof Unterkunft für 150 Flüchtlinge schaffen

Auf der noch unbebauten Fläche (im Vordergrund), unmittelbar beim Senioren-Servicehaus Waldershof (links im Bild), will die Kewog eine Gemeinschaftsunterkunft für mindestens 150 Flüchtlinge errichten. Bild: hd
Politik
Waldershof
15.01.2016
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"Wer vor Terror und Krieg flüchtet, benötigt unsere Hilfe", unterstreicht Bürgermeisterin Friederike Sonnemann (SPD). Den geplanten Bau einer Gemeinschaftsunterkunft für über 150 Asylsuchende mitten in der Waldershof sehen Sonnemann und die SPD-Fraktion aber kritisch - ganz im Gegensatz zu CSU und Freien Wählern.

Vorgesehen waren auf dem Grundstück an der Ritter-von-Wagner-Straße eigentlich schicke Eigentumswohnungen. Doch offenbar hielt sich die Nachfrage - trotz attraktiver Lage - sehr in Grenzen. Deshalb plant die Kommunale Entwicklungs- und Wohnungsbaugesellschaft (Kewog) jetzt eine Gemeinschaftsunterkunft für mindestens 150 Flüchtlinge.

Günstiger Wohnraum


Kewog-Geschäftsführer Bernd Büsching erklärt auf Nachfrage unserer Zeitung: "Wir wollen die vorhandene Fläche voll ausnutzen." Er kündigt einen viergeschossigen Bau an. Der Bauantrag werde in etwa vier Wochen im Waldershofer Rathaus vorliegen. Die Kewog plane keine herkömmliche Gemeinschaftsunterkunft, sondern "Wohnungsbau". Somit gelinge später leichter eine Nachfolgenutzung. Es werde günstiger Wohnraum geschaffen.

Bernd Büsching macht auch deutlich: "Langfristig gesehen ist es notwendig, im Landkreis Tirschenreuth noch mehr Gemeinschaftsunterkünfte zu bauen." Diese Notwendigkeit stellt auch Landrat Wolfgang Lippert heraus. Die Regierung suche händeringend nach Grundstücken. Lippert: "Es brennt." Warum Waldershof? Im Osten des Landkreises sei schon in vielen Orten Wohnraum für Flüchtlinge geschaffen worden. "Wir wollen eine bestimmte Region nicht überbelasten. Darum haben wir den Blick nach Westen gerichtet."

Kein Konflikt


In Waldershof verfüge die Kewog über ein geeignetes Grundstück, so der Landrat, der darauf hinweist, dass der Landkreis Hauptgesellschafter der Kommunalen Entwicklungs- und Wohnungsbaugesellschaft ist. In der Nähe der geplanten Gemeinschaftsunterkunft zum Senioren-Servicehaus sieht Wolfgang Lippert Vorteile. So könnten Senioren den Asylsuchenden beispielsweise beim Ausfüllen von Anträgen helfen. Umgekehrt könnten Flüchtlinge Senioren, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, durch die Stadt schieben.

Bürgermeisterin Friederike Sonnemann betont am Freitag im Pressegespräch: "Mir ist es wichtig, frühzeitig zu informieren. Ich halte nichts von Geheimniskrämerei." Ihr ist eine gute Integration wichtig. "Doch die Zahl von mindestens 150 stellt alleine schon aufgrund ihrer Größe für eine Kommune mit 4500 Einwohnern eine Herausforderung dar." Es sei nicht damit getan, Wohnraum, Schul- und Kitaplätze zu schaffen. Konfliktpotenzial erkennt sie vor allem in der Lage der geplanten Gemeinschaftsunterkunft. SPD-Fraktionssprecher Gerhard Greger pflichtet dem bei: "Dieses Grundstück ist nicht geeignet."

Solidarität leben


Anders die Position von CSU und Wählerbund. Hubert Kellner fordert: "Wir müssen Solidarität leben." Waldershof sei im Vergleich eine reiche Gemeinde. "Da muss das zu schaffen sein." Ähnlich argumentiert Gisela Kastner (Freie Wähler): "Waldershof hat ein starkes christliches Fundament. Die Bürger zeigen große, vielfältige ehrenamtliche Einsatzbereitschaft. Deshalb bin ich überzeugt, dass Waldershof gemeinsam mit den Bürgern diese anspruchsvolle Aufgabe meistern kann."

Brennpunkt Waldershof
Angemerkt von Berthold Zeitler

Der Landrat hat Recht: Es brennt. Auch wenn der Strom der Flüchtlinge langsamer fließt: Immer noch kommen gut 3000 Menschen aus den Krisengebieten dieser Welt in Bayern an. Täglich. Und es werden sicherlich wieder mehr, wenn der Frühling erst Schnee und Kälte von den Fluchtwegen vertrieben hat. Wohin dann mit all denen, die eine neue Heimat suchen?

Die Regierung sucht händeringend nach Möglichkeiten und nimmt die Kommunen in die Pflicht. Die Notunterkünfte in den Sporthallen sind wahrlich keine Dauerlösung. Schulen und Vereine brauchen diese Stätten selbst, soll das sportliche und gesellschaftliche Leben in einer Gemeinde nicht zum Erliegen kommen. Die Unterbringung in Mietwohnungen scheitert oft an den - sagen wir mal - etwas unrealistischen Vorstellungen der Vermieter. So die Objekte überhaupt den gesetzlichen Bestimmungen entsprechen.

Der Plan der Kewog, in Waldershof Wohnraum für mindestens 150 Flüchtlinge zu schaffen, ist da für den Landkreis mehr als nur ein Notnagel, der allerdings auch nicht von heute auf morgen eingeschlagen werden kann. So ein Neubau dauert. Und muss erst einmal die Hürden des Genehmigungsverfahrens nehmen. Bis dahin ist die Kösseinestadt sozusagen ein Brennpunkt.

berthold.zeitler@derneuetag.de
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