Keine Angst, nur Respekt

Fotograf Heiko Roith (links) hatte aus Syrien und dem Libanon Bilder mitgebracht, die er am Mittwoch Bürgermeisterin Friederike Sonnemann (rechts) zeigte. Bild: jr
Politik
Waldershof
17.02.2016
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"Ich will mir ein eigenes Bild von den Menschen aus Syrien machen", sagt Bürgermeisterin Friederike Sonnemann. Aus diesem Grund hatte sie mit dem Fotografen Heiko Roith Kontakt aufgenommen, der schon öfter in Syrien und im Libanon unterwegs war.

Heiko Roith, der in Höchstädt lebt, besuchte am Mittwoch Bürgermeisterin Friederike Sonnemann. Der 43-jährige Fotograf meinte, dass er keine Angst hatte, aber Respekt, wenn er den Nahen Osten bereiste und Krieg hautnah miterlebte. Normalerweise fotografiert Roith bekannte Schlagerstars wie Karel Gott oder Florian Silbereisen, wenn sie auf Tour sind. "Ich bin eigentlich Künstlerfotograf."

Roith hatte Bilder aus Damaskus, Aleppo und dem Libanon mit nach Waldershof gebracht. Friederike Sonnemann betonte: "Wir wollen den Menschen helfen, die von Krieg und Terror betroffen sind." Aber man müsse über Kultur und Schicksale informiert sein. "Denn die Integrationsarbeit müssen unsere Menschen vor Ort machen."

Falsch sei es, Asylsuchenden an Stadträndern eine neue Heimat zu geben, merkte der 43-jährige Fotograf an. "Flüchtlinge müssen gerecht verteilt werden und müssen die Chance haben, am Leben teilnehmen zu können. Viele, die zu uns kommen, haben rein gar nichts mehr. Sie haben alles verloren."

Als Problem bezeichnete Roith die professionellen Schleuser, die den Flüchtlingen ein Paradies in Deutschland versprächen. Respekt zollte er dem kleinen Land Libanon, das vier Millionen Einwohner habe und bislang schon drei Millionen Flüchtlinge aufgenommen habe. Roith zeigte eindrucksvolle Bilder aus Flüchtlingslagern. Der Fotograf sprach sich dafür aus, dass die Flüchtlinge über das Leben in Deutschland aufgeklärt werden, wie sie sich zu verhalten haben und welche Regeln es zu beachten gibt. "Die wissen überhaupt nicht, was auf sie zukommt."

Gleichwohl wusste er von seinen Reisen, dass Deutschland im arabischen Raum sehr hoch angesehen sei. "Eigentlich müssten wir uns darüber freuen." Wichtig sei, den Deutschen mögliche Ängste und Vorurteile vor Syrern zu nehmen. Er sprach von einem gastfreundlichen Volk. "Obwohl sie selber kaum etwas haben, musst du bei ihnen mitessen. Wenn du das nicht machst, sind sie zutiefst beleidigt."

Natürlich bereite die zunehmende Zahl an Flüchtlingen in Deutschland Probleme. "Wenn Syrer die deutschen Regeln kennen, dann halten sie sich auch daran", so Heiko Roith. Er sprach sich vehement gegen eine Ghettoisierung der Flüchtlinge aus. "Vielmehr sollten wir auf diese Menschen zugehen, mit ihnen reden."
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