Kewog ist bereit kleiner zu bauen
Planen mit spitzem Stift

Landrat und Bürgermeister müssen Konzepte entwickeln. Da ist Druck im Kessel.
Politik
Waldershof
18.02.2016
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"Wir können auch kleiner planen", versichert Kewog-Geschäftsführer Bernd Büsching. Eine Gemeinschaftsunterkunft für beispielsweise 75 statt 150 Flüchtlinge in Waldershof sei möglich, "wenn sich das wirtschaftlich darstellen lässt". Da aber sei die Kewog darauf angewiesen, was die Regierung an Miete zahlt.

Tirschenreuth/Waldershof. "Es war ein sachliches, vernünftiges Gespräch", beschreibt Bernd Büsching sein Zusammentreffen am Mittwoch mit Landrat Wolfgang Lippert, Waldershofs Bürgermeisterin Friederike Sonnemann und Vertretern der Regierung der Oberpfalz (wir berichteten).

Allerdings schüttelt der Kewog-Geschäftsführer verwundert den Kopf angesichts einer Diskussion, die in Richtung der Verringerung der Plätze in der Gemeinschaftsunterkunft gehe. "Wegen der anhaltend hohen Flüchtlingszahlen bräuchten wir in allen Landkreisen Unterkünfte für 400 oder 500 Menschen." Aber da sei die Politik gefordert. "Landrat und Bürgermeister müssen da Konzepte entwickeln. Da ist Druck im Kessel." Fest stehe, die Kewog als Wohnungsbaugesellschaft könne nicht den gesamten Flüchtlingszustrom im Landkreis Tirschenreuth managen.

Preis muss stimmen


Im Gespräch am Mittwoch habe sich gezeigt, dass die Regierung hin zu kleineren Einheiten tendiere, wohl auch weil die politisch in der Bevölkerung besser vermittelbar seien. "Wenn das gewünscht wird, können wir uns eine Verkleinerung der Unterkunft in Waldershof vorstellen", merkt Büsching an. Aber das sei nur über den Vertrag mit der Regierung kalkulier- und darstellbar. Bernd Büsching: "Draufzahlen geht nicht. Es muss sich rechnen. Der Mietpreis muss stimmen."

Der Kewog-Geschäftsführer verspricht: "Wir strengen uns an. Aber der Weg wird schwierig." Das weitere Vorgehen müsse nun erst einmal im Aufsichtsrat der Kewog diskutiert werden. Fakt sei: "Das mehrgleisige Planen - große und kleinere Unterkunft - kostet uns eine Menge Geld." Im Augenblick habe er den Auftrag seitens des Aufsichtsrats, so wirtschaftlich wie möglich zu planen, also das gesamte Kewog-Gelände an der Ritter-von-Wagner-Straße auszunutzen. Angesichts des Flüchtlingsstroms sei das auch notwendig. "Wir brauchen viele große Unterkünfte. Sonst müssen bald überall Zelte aufgestellt und weitere Turnhallen belegt werden." Besser sei es doch, die Menschen in ordentlichen Wohnungen unterzubringen.

Landrat und Bürgermeister müssen Konzepte entwickeln. Da ist Druck im Kessel.Kewog-Geschäftsführer Bernd Büsching

Bernd Büsching verweist in der Debatte auf die "immensen Vorleistungen" durch die Kewog; die Planung koste eine Menge Geld, besonders dann, wenn jetzt auch kleinere Varianten geplant und durchgerechnet werden sollen. "Das bindet auch Arbeitskraft. Wir sind ein Unternehmen und können das Geld nicht zum Fenster rauswerfen." Darum will Büsching von den Aufsichtsräten wissen, welche Planungen in welchem Umfang vorangetrieben werden sollen.

Zeitverzögerung


Die Pläne für die bislang vorgesehene Unterkunft mit 150 Plätzen in Waldershof "wären jetzt eigentlich fertig". Wenn die Kewog jetzt umplanen müsse, bedeute das eine Zeitverzögerung von mindestens vier bis sechs Wochen.

Es könne auch sein, dass die Kewog aussteige - wenn dem Projekt die Wirtschaftlichkeit fehle. "Dann sind Kommunen und Landkreis gefordert. Die müssen dann selbst bauen." Bernd Büsching befürchtet: "Da wird so mancher kommunale Haushalt an die Wand gefahren." Bei fehlender Wirtschaftlichkeit sei die Kewog auch bereit, das Grundstück in Waldershof zu verkaufen. "Dann steht es der Stadt frei, selbst eine Unterkunft zu errichten. Aber vielleicht muss sie das sogar."

Signalwirkung


Ein weiterer Aspekt ist Bernd Büsching wichtig: "Wenn wir die Zahl der Unterkunftsplätze in Waldershof reduzieren, hat das Signalwirkung." Da brauche niemand mehr bei einem Bürgermeister vorsprechen, um eine Gemeinschaftsunterkunft für 200 Asylsuchende zu bauen. Büsching: "Wir müssen den Bürgern doch die Fakten darlegen. Die Flüchtlingszahlen steigen. Und dann kleinere Einheiten bauen - das passt doch nicht zusammen."

Freie WohnungenIn der Debatte um den Bau einer Gemeinschaftsunterkunft für 150 Asylsuchende in Waldershof wurde schon mehrfach die Frage laut, warum Flüchtlinge nicht dezentral in freien Wohnungen der Kommunalen Entwicklungs- und Wohnungsbaugesellschaft (Kewog) im Landkreis Tirschenreuth untergebracht werden. Geschäftsführer Bernd Büsching bestätigt: "Wir haben viele leerstehende Wohnungen." Es dürften weit über 100 sein. "Und dort würden wir auch gerne Flüchtlinge einziehen lassen." Doch das scheitere an rechtlichen Vorgaben. Denn es handle sich um geförderten Wohnraum. "Dort dürfen noch nicht anerkannte Asylbewerber nicht wohnen." (hd)
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