„Miteinander schaffen wir das“

Erste Informationen zur geplanten Unterkunft für 150 Asylbewerber gab am Freitag Bürgermeisterin Friederike Sonnemann (links). Auch die Stadtratsfraktionen konnten Stellung nehmen: Im Bild von rechts Gisela Kastner (Freie Wähler), Hubert Kellner (CSU), Karl Busch (Freie Wähler), Gerhard Greger (SPD). Bild: hd
Politik
Waldershof
15.01.2016
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"Unsere Positionen liegen nicht so weit auseinander", fasste Gisela Kastner (Freie Wähler) zusammen. "Wenn die Menschen da sind, ziehen wir an einem Strang." Klar ist Bürgermeisterin Friederike Sonnemann und den Stadtratsfraktionen, dass Probleme nicht ausbleiben, wenn eine Unterkunft für über 150 Asylsuchende gebaut wird.

Bürgermeisterin Friederike Sonnemann bat am Freitag zum Pressegespräch, wollte früh "Transparenz schaffen", denn die Stadt sei bald mit der Herausforderung konfrontiert, eine große Anzahl von Flüchtlingen zu integrieren. Mit am Tisch saßen Vertreter aller Fraktionen im Stadtrat. Gisela Kastner, Sprecherin der Freien Wähler, und Hubert Kellner von der CSU vermissten Landrat Wolfgang Lippert. Der hatte in Absprache mit der Bürgermeisterin auf eine Teilnahme verzichtet, da es am Freitag nur darum gehen sollte, erste Fakten bekanntzugeben.

Diese Informationen beleuchtete Friederike Sonnemann kritisch. 150 Asylsuchende in Waldershof seien eine Herausforderung. Es gelte, Hilfestellung in vielen Lebensbereichen zu geben. "Vor Ort müssen Erstaufnahme, Unterbringung, Verpflegung, Registrierung und Integration organisiert werden. Die Bürgermeisterin stellte heraus: "Die Integrationsbereitschaft muss dabei auf beiden Seiten vorhanden sein, sowohl in unserer Gesellschaft, wie auch bei den Menschen, die zu uns kommen und unsere Hilfe suchen." Es gelte darauf zu achten, "dass unsere Integrationsmöglichkeiten nicht überbelastet werden". Der Tenor in der Diskussion müssen lauten: Wir tun was wir können, und zwar alle gemeinsam, zum Wohle derer, die Hilfe suchen, aber auch zum Wohle derer, die die Menschen in ihrer Mitte aufnehmen.

Vom Landratsamt Tirschenreuth sei der Stadt Waldershof mitgeteilt worden, dass auf dem Kewog-Grundstück hinterm Seniorenheim eine Gemeinschaftsunterkunft für 150 Menschen entstehen soll, so Sonnemann. Das Wort "mitgeteilt" gefiel Gisela Kastner nicht. Denn die Pläne würden noch im Stadtrat vorgestellt. "Unsere Aufgabe und Pflicht ist es dann, unsere Vorstellungen zu diskutieren, um das für unsere Stadt Wichtige durchzusetzen." Friederike Sonnemann machte deutlich: "Wir sprechen nicht von einer Erstaufnahmeeinrichtung, sondern einer Unterkunft für Menschen im Asylverfahren und mit einer möglichen Bleibeperspektive." Die Bürgermeisterin nannte als Hauptfelder der Integration Wohnraum, Bildung, Arbeit und Freizeit.

"Sehr kritisch"


Geplant sei ein mehrgeschossiges Gebäude in Massivbauweise. Friederike Sonnemann: "Schade ist die Lage. Das dafür vorgesehene Grundstück sollte eigentlich einer anderen Nutzung zugeführt werden." Die Planung vonseiten der Stadtverwaltung sei in die Richtung gegangen, dort Eigentumswohnungen errichten zulassen. Die Bürgermeisterin sagte daher mit Nachdruck: "Die Wahl des Ortes für die Gemeinschaftsunterkunft sehe ich aus diesem Grund sehr kritisch. Das birgt Konfliktpotenzial." Die von Waldershof geplante Entwicklung der Innenstadt kollidiere mit den Vorstellungen des Landratsamtes. "Was wir hier vermeiden müssen, ist eine Neiddiskussion." Waldershof müsse sich bemühen, "den Menschen eine Perspektive auf dem regionalen Arbeitsmarkt zu eröffnen", so Sonnemann weiter. Integration könne zudem nur gelingen, "wenn den Menschen ein Freizeitangebot gemacht wird". Die Bürgermeisterin hoffte hier auf ehrenamtliches Engagement aus allen Vereinen. Friederike Sonnemann schloss: "Es kommt viel Arbeit auf uns alle zu." Hubert Kellner (CSU/Wählerbund) hakte nach: "Gibt es seitens der Stadt Pläne?" Friederike Sonnemann hielt es für wenig zielführend an fiktiven Plänen zu arbeiten. Erst müssten weitere Fakten auf den Tisch. Kellner rief dazu auf, nach vorne zu schauen. Sein Vorschlag: "Wir bringen uns als verantwortliche Kommunalpolitiker gemeinsam mit der Bevölkerung ein, um letztendlich zu einem guten Ergebnis zu kommen." Er sprach sich für eine aktive Gestaltung aus. Gerhard Greger SPD: "Wir wollen doch alle eine vernünftige Lösung." Der SPD-Sprecher nannte das Kewog-Grundstück ungeeignet. "Mit der Ruhe ist es dann vorbei. Ich habe nichts gegen Asylbewerber, aber nicht an dieser Stelle."

Gisela Kastner stellte klar: "Die Menschlichkeit verlangt, dass wir, wenn wir das Potenzial haben, diese Menschen aufnehmen und sie unterstützen." Waldershof habe ein geeignetes Grundstück und Menschen, die ehrenamtlich Einsatz zeigen. "Deshalb bin ich überzeugt, dass Waldershof gemeinsam mit ihren Bürgern diese anspruchsvolle Aufgabe meistern kann." Eine Aussage, die Hubert Kellner gerne mittrug. "Wir stehen voll hinter dem Vorhaben. Was wir leisten können, das tun wir."

Warum WaldershofDer Landkreis sei schon seit geraumer Zeit auf der Suche nach Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge. Mehrfache öffentliche Appelle hätten nichts gebracht, informierte Stadt- und Kreisrätin Gisela Kastner. Da Hallen ("marode und menschenunwürdig") nicht geeignet waren, habe im Kreistag Einigkeit geherrscht, selbst etwas zu bauen. Die Kewog erhielt den Auftrag, nach geeigneten Grundstücken zu suchen. Kastner: "Jetzt kommt Waldershof ins Spiel." Denn das Grundstück hinterm Seniorenheim gehört der Kewog. (hd)
Wir stehen voll hinter dem Vorhaben.Hubert Kellner (CSU/WB)
Ich habe nichts gegen Asylbewerber, aber nicht an dieser Stelle.Gerhard Greger (SPD)
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