"Verschont diese Bäume"

Stattliche Winterlinden stehen entlang des Langen Wegs. Im Bebauungsplan für das Rosenthal-Gelände ist für sie kein Platz. Sie sollen gefällt werden. Bild: jr
Politik
Waldershof
24.03.2016
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Mit einem eindringlichen Appell in der Bürgerfragestunde begann die Stadtratssitzung am Dienstagabend. Werner Greger und Ursula Schimmel machten sich stark für den Schutz alter Bäume, die demnächst gefällt werden sollen.

Im Zuge der Revitalisierung der Rosenthal-Brache, auf der ein modernes Gewerbe- und Industriegebiet entsteht, sollen auch die alten Linden am sogenannten Langen Weg abgeholzt werden. Werner Greger meldete sich in der Bürgerfragestunde zu Wort und hielt ein leidenschaftliches Plädoyer für den Schutz alter Bäume. Die Stadt Waldershof laufe Gefahr sonst "gesichtslos" zu werden. Die Linden am Langen Weg seien rund 100 Jahre alt und prägten das Ortsbild. Greger bat mit bewegter Stimme: "Erhalten Sie diese Baumreihe."

Natürlich gehe damit Bauland im neuen Gewerbegebiet verloren. Werner Greger fuhr fort: "Aber es muss doch möglich sein, das Industriegebiet so zu planen, dass die Bäume stehen bleiben können." Waldershof hätte sogar ein Alleinstellungsmerkmal und Vorbildcharakter, wenn es gelänge, die alten Bäume in das Industriegebiet zu integrieren. Bäume dieser Größe seien wichtig für Vögel und Insekten. Werner Greger bedauerte: "Bäume haben in Waldershof leider keine Lobby." Auch Ausgleichsmaßnahmen würden im Fall Langer Weg nichts helfen. Die mächtigen Winterlinden ließen sich durch junge Bäumchen nicht ersetzen. Fallen die Bäume, "geht ein wertvolles Biotop für immer verloren", mahnte Greger. "Und nur einige wenige haben etwas davon." Werner Greger ärgerte sich auch, dass er Anfang März alle Waldershofer Stadträte angeschrieben habe, aber nur vier bislang geantwortet hätten. Bürgermeisterin Friederike Sonnemann stellte klar, dass das Fällen der Linden am Langen Weg geplant sei, "damit sich dort Gewerbetreibende ansiedeln können". Da aber noch Stellungnahmen mehrerer Behörden ausstünden, sei noch kein endgültiger Beschluss gefallen. Partei für die Bäume ergriff in der Bürgerfragestunde auch Ursula Schimmel, die dabei den Klimawandel ins Feld führte. Heiße Trockenperioden in den Sommern würden immer länger. "Wir brauchen Bäume in allen Straßen." Schimmel: "Ich habe im Sommer die Temperaturen im Markt und im Stadtpark gemessen. Da gab es Unterschiede von fünf bis acht Grad." Der ganze Stadtumbau sei vergeblich, wenn nicht für Schatten in den Straßen gesorgt werde. Wer die alten Winterlinden absäge, rotte sie aus. Stadtrat Hilmar Wollner von der CSU merkte an: Im Industriegebiet auf dem Rosenthal-Gelände seien ja noch nicht einmal Grundstücke vermessen oder verkauft. "Wir haben noch nicht beschlossen diese Bäume zu fällen." Bürgermeisterin Friederike Sonnemann hielt dem entgegen: "Wir haben den Bebauungsplan hier im Gremium vorgelegt."
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