Haus-Drama in Endlosschleife

Willi Buddrick, seine Frau Andrea und Stephanie A. in einer Folge der Doku-Serie "Die Schnäppchenhäuser", die 2011 gedreht wurde und seither immer wieder ausgestrahlt wird. Screenshot: fph
Vermischtes
Waldershof
20.02.2016
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RTL II strahlt zum x-ten Mal eine in Waldershof spielende Folge der Reihe "Die Schnäppchenhäuser" aus. Die damals rosarot porträtierte Frau ist aber längst über alle Berge.

Von Matthias Bäumler

Der Traum vom Eigenheim ist zwar nicht wahr geworden. Dafür hat Stephanie A. in Waldershof eine neue Heimat gefunden. Salbungsvoll endet so die Folge Nummer 148 der RTL-II-Doku "Die Schnäppchenhäuser". Unterlegt mit schmalzigen Klängen und Bildern der jungen Frau, wie sie mit ihren Hunden über eine blühende Wiese im Ortsteil Helmbrechts läuft.

Mindestens fünfmal hat der Privatsender die Sendung mittlerweile ausgestrahlt. Am vergangenen Sonntag lief sie erneut am frühen Nachmittag. Willi Buddrick, in Waldershof und Umgebung noch bestens als Trödlerwilli bekannt, muss jedes Mal wieder lachen, wenn er die Episode im Fernsehen sieht. "Ich kann mich dann schon darauf einstellen, dass in den nächsten Tagen mein E-Mail-Fach überquillt", sagt der 69-Jährige, der jetzt in Aue im Erzgebirge wohnt.

2011 hat ein RTL-II-Fernsehteam die Geschichte der jungen Frau aus einem Ort bei München, die in Waldershof ihr Glück sucht, gedreht. Damals gehörte der alte Bauernhof in Helmbrechts, den Stephanie A. umbauen wollte, noch Willi und Andrea Buddrick. Nach kurzer Bedenkzeit hat die gelernte Tierarzthelferin einem Mietkauf zugestimmt: Zwölf Jahre lang sollte sie monatlich 150 Euro bezahlen, dann würde das Haus mitsamt Nebengebäude und Grund ihr gehören. Wenige Monate später war die junge Fast-Eigentümerin verschwunden.

Dass RTL II aus dem Mietkauf eine derart erfolgreiche Folge der Doku-Serie "Die Schnäppchenhäuser" machen würde, war wohl niemandem bewusst. Noch immer scheint die Story der zerbrechlich wirkenden Großstädterin, die sich in die raue Landschaft der Oberpfalz verliebt, ein medialer Hit zu sein. Wo Stephanie A. heute lebt, ist nicht bekannt. Auch Willi Buddrick und seine Frau Andrea haben jede Spur von ihr verloren. "Sie hat ja leider nie einen Cent bezahlt. Und am Haus gearbeitet hat sie auch nie etwas", erzählt Andrea. Dass es in dem Anwesen reichlich Arbeit geben würde, war klar. RTL filmte damals in jedem Raum und produzierte dem Genre entsprechend regelrechte Horrorbilder. Am eindrucksvollsten waren wohl das Badezimmer im Rohbauzustand ohne Fliesen und Putz, sowie die ekligen Müllberge in der gemauerten Scheune. Mit Wonne haben die Kameraleute Mengen an verschimmelten Wurstgläsern, durcheinander liegende Möbel und ganze Vorhänge aus Spinnennetzen gefilmt. Warum die alleinstehende junge Frau ohne Geld und ohne handwerkliche Fähigkeiten genau dieses Haus wollte, ist nicht klar. Vielleicht erkannte sie in dem Anwesen ihr Glück von einer Praxis für Hundepsychologie. Sei's drum. "Jedenfalls war sie weg und wurde nimmer gesehen, kaum dass RTL II seine Sachen gepackt hatte", sagt der einstige Eigentümer. Das Trödlerpaar hat den Hof letztlich doch noch verkaufen können. Diesmal an eine Frau aus der Region.

Bakterien im Wasser


Kunstliebhaber Buddrick, der seine Schätze in der neuen Heimat in mehreren Anwesen aufbewahrt, ist die Endlosschleife der Geschichte der jungen Frau ganz recht. "Immerhin werden dadurch viele Menschen auf meine Homepage aufmerksam." Nur eines ärgert ihn. "Die von RTL II haben schon etwas dick aufgetragen damals." Damit meint er die Szenen, in denen Stephanie A. darüber klagt, dass die Wasserleitungen mit Bakterien verseucht seien und sie davon krank geworden sei. "Eigentlich weiß das doch jeder Mensch, dass man das Wasser in einem lange Zeit unbewohnten Haus längere Zeit laufen lassen muss, bevor man es trinken kann." Er habe dies dem Sender bereits mehrfach geschrieben. "Aber die bringen das immer wieder." Aus der neuen Heimat Waldershof ist für Stephanie A. nichts geworden. Das Haus hat längst eine völlig neue Geschichte. Die Episode Nummer 148 wird wohl auch in Zukunft immer wieder mal im Fernsehen flimmern.
Die von RTL II haben schon etwas dick aufgetragen.Willi Buddrick
1 Kommentar
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Susanne Glas aus Auerbach in der Oberpfalz | 23.02.2016 | 14:04  
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