Kapelle feiert 250. Jubiläum
Antonius und die "Anäida"

Mit seinem wuchtigen Turm und den beiden alten Linden grüßt das kleine Kirchlein auf der "Anäid" schon von weitem, fügt sich harmonisch in die weite Landschaft ein. Bilder: wro (3)
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Waldershof
12.04.2016
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Das Hohenharder Wahrzeichen ist der Stolz der "Anäider". Gerhard Schinner (links) deutet auf die Jahreszahl im granitenen Türstock: 1766 - vor 250 Jahren - wurde das Kirchlein erbaut. Anton Hauptmann weist auf das Schild mit der Anmerkung, dass es sich um ein Denkmal handelt.
 
Im Inneren der denkmalgeschützten Kapelle zeigt das Altarbild Antonius von Padua.

Seit 250 Jahren steht die Antonius-Kapelle in Hohenhard. Die kleine Kirche ist das Wahrzeichen der "Anäida", wie sich die Bewohner selber nennen. Zeit für einen Besuch in der "Einöde", die am 19. Juni zum Kapellenjubiläum einlädt und auch sonst einen Besuch wert ist.

Hohenhard. In der Mundart der Steinwälder wird sie die "Anäid" genannt. Auf einer Landkarte sucht man den Namen der von der Natur großzügig ausgestatteten, weiten Landschaft jedoch vergeblich. Der einzigartige Anblick wird schon bei der Anfahrt unterhalb des Marktredwitzer Hauses bewusst. Das Tal öffnet sich. Am westlichen Horizont grüßt das nahe Fichtelgebirge, im Norden öffnet sich der Ausblick zu den oberfränkischen Nachbarn, leitet weiter hinüber ins Böhmische. Der noch sichtbare Rest des einzigartigen Rundblicks gehört der Oberpfalz, vor allem dem nahen Naturpark Steinwald auf der gegenüberliegenden Seite.

"Böhmischer" pfeift


Dass dort oben der "Böhmische" öfter mal arg pfeift, die Winter auch noch richtige Winter sein können, vergisst man bei frühlingshaften Temperaturen nur allzu leicht. "Wenn's stürmt und schneit, gehören wir freilich zu den Ärmsten", sagt der waschechte "Anäider" Anton Hauptmann, als er auf die Wintermonate angesprochen wird. Eigens für den Pressetermin hat er seine fesche Uniform angezogen. Hauptmann ist zweiter Kommandant der Feuerwehr, der erste Vorsitzende der Soldaten- und Reservistenkameradschaft Hohenhard und zugleich auch deren Kreisvorsitzender. Anton Hauptmann führt stolz durch seinen Heimatort.

Weit verstreute Häuser


In zünftiger Lederhose und Trachtenweste gesellt sich der Vorsitzenden der Musik- und Heimatfreunde Hohenhard, Gerhard Schinner, zum Nachbarn. Ob man den Begriff "Nachbar" auf der Anhöhe überhaupt verwenden kann, bleibt fraglich. Die Fläche der "Anäid" ähnelt einer mittleren Kleinstadt, aber nur wenige, weit verstreute Häuser zieren den Nordhang des Steinwaldes. Einen Dorfplatz sucht man vergebens, "Streusiedlung" wird der Ansammlung an Häusern und Ortschaften wohl eher gerecht.

Für einen Nicht-Steinwälder klingen die Namen der Weiler und Orte fremd. Wer kennt schon Hard, Spitzerberg oder Bachnest? "Wir gehören zur Stadt Waldershof", erzählt Schinner und schiebt die aktuelle Ausgabe von "Waldershof aktuell" über den Tisch. Im Herzen jedoch sei man ein Harder, Hohenharder oder Spitzerberger; ein "Anäider" halt.

Jahreszahl im Türstock


Draußen an der abschüssigen Straße pfeift wieder mal der "Böhmische", eilig ziehen die Wolken Richtung Kösseinegipfel. Schinner und Hauptmann deuten auf zwei mächtige Linden, dazwischen erhebt sich eine imposante Kapelle. Sie ist dem Heiligen Antonius von Padua geweiht. 1766 habe man sie erbaut, berichten die beiden; Gerhard Schinner deutet zum Beweis auf die Jahreszahl im granitenen Türstock. "Dazwischen wurde sie schon mal renoviert", sagt er: "Wind und Wetter setzen dem Kirchlein arg zu."

Anton Hauptmann und Gerhard Schinner zeigen auch gerne das Innenleben ihres Kirchleins, das von den Familien Bauer und Köllner gepflegt und regelmäßig mit Blumen geschmückt wird. Christa Köllner ist zugleich die Vorbeterin, bei Maiandachten zum Beispiel. Abends wird zum Gebet geläutet. Schinner lächelt: "Heute geht das freilich elektrisch. Vor rund 20 Jahren aber wurde noch mit der Hand geläutet." Das Gebetläuten gehört im Dorf zur Tradition.

Der Rundgang führt zum Tabernakel mit der Kreuzigungsgruppe, das Altarbild zeigt Antonius von Padua. Das gotische Holzrelief an der Chorwand zeigt Jesus im Tempel. Schutzpatrone wie der Heilige Laurentius und der Heilige Leonhard ergänzen das Ensemble. Imposant auch das Deckengemälde, es zeigt das Antoniuskapelle eingerahmt von den beiden Linden.

Einige Renovierungsarbeiten sind vor dem großen Fest schon noch nötig, bedauert Schinner und verweist wieder auf das städtische Mitteilungsblatt "Waldershof aktuell", worin es um die Renovierung und die Eigentumsverhältnisse geht. Da diese Frage auch heute noch zu den ungeklärten Themen gehört, einigte man sich bei der Aufteilung der anstehenden Kosten auf einen Kompromiss.

Taufen und Hochzeiten


Dass die Arbeiten gemacht werden müssen, steht außer Frage. Sogar ein Restaurator war vor Ort, ergänzt Schinner und meint: "Die Hohenharder werden da freilich auch mit helfen. Die Stadt hat bereits Äste und Zweige der Linden stutzen lassen. Sobald das Wetter mitspielt, wollen wir loslegen, damit unsere schmucke Kapelle in neuem Glanz erstrahlen kann."

Geheiratet wurde früher in der Antonius-Kapelle, sogar Taufen wurden abgehalten. Auch Gerhard Schinner wurde hier getauft. Darauf ist der Vorsitzende des Heimatvereins besonders stolz. Früher befand sich in der Kapelle ein Taufstein, der aber verschwunden ist. Dass der eine oder andere Hohenharder auf den Namen Anton oder Antonia getauft wurde, hat schon seinen Grund, ergänzt Hauptmann. Er selbst trägt seinen Vornamen mit dem Stolz der "Anäida".

"Heiliger Antonius hilf!"Der Bau der Kapelle ist an eine Legende geknüpft, wie Anton Hauptmann und Gerhard Schinner berichten: Einmal fuhren die zwei Bauern Greger und Pöllmann von Hohenhard in den Steinwald, um Holz zu holen. Als sie den Berg bei der Hohen Tanne erklommen, rissen dem vorausfahrenden Wagen die Stränge. Das beladene Fuhrwerk rollte zurück, auf das nachfolgende zu. Ein großes Unglück schien unausweichlich. Da rief der Bauer, dem der erste Wagen gehörte: "Heiliger Antonius hilf!" Sogleich schlug der Sage nach die Deichsel des zurücksausenden Wagens eine andere Richtung ein und die Fuhre landete im Graben. So war das zweite Gespann gerettet. Zum Dank bauten die beiden Bauern zu Ehren des Heiligen Antonius eine Kapelle. Seit dieser Zeit ist Antonius der Hohenharder Schutzpatron. (wro)


Für RenovierungAm 19. Juni 2016 feiern die Hohenharder das 250. Jubiläum ihrer Antonius-Kapelle. Die Messe wird für die verstorbenen Mitglieder der Hohenharder Vereine gelesen, danach gibt's einen Frühschoppen. Nachmittags ist Festbetrieb, Kaffee und Kuchen gehören auch dazu. Der Reinerlös ist für die Renovierung der Kapelle bestimmt. (wro)
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