Lernentwicklungsgespräche statt Noten
Aufwendig, aber effizient

Ruhig und gelassen ist Franziska bei dem Lernentwicklungsgespräch mit ihrer Lehrerin und ihrer Mutter. Ihre Leistungen hat sie schon im Voraus zu Hause bewertet und den Entwicklungsbogen dementsprechend in den Farben grün, gelb und rot ausgemalt. Bild: prk
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Waldershof
17.02.2016
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Am Freitag sind Zwischenzeugnisse fällig. Nicht so bei den Schülern der ersten bis dritten Klasse in Waldershof. Dort gibt es seit einigen Jahren ein neues Konzept, das sowohl Lehrer als auch Schüler gut aufgenommen haben.

Franziska ist ganz entspannt, als sie mit ihrer Mutter den Raum betritt, in dem ihr sogenanntes Lernentwicklungsgespräch (LEG) mit ihrer Lehrerin stattfindet. Nicht nur in Waldershof, sondern auch in anderen Grundschulen in der Oberpfalz haben LEGs das Zwischenzeugnis ersetzt. Die Leiterin der Grundschule in Waldershof, Petra Andritzky, hat mit dieser neuen Bewertungsform nur gute Erfahrungen gemacht.

Schon länger erfolgreich


"Es ist bereits das fünfte Jahr, in dem die Zwischenzeugnisse in Waldershof durch ausführliche Gespräche ersetzt werden", erzählt Lehrerin Christa Besold. Seit zwei Jahren gibt es dieses Angebot auch in der dritten Jahrgangsstufe. "Die Wirkung ist einfach viel effizienter als ein Zeugnis, das man austeilt, und das auch wenig verstanden wird", meint Andritzky. Auch die Eltern nehmen das LEG gut an. "Manchmal haben sogar beide Elternteile Zeit oder nehmen sich Urlaub, um bei dem Gespräch dabei sein zu können", freut sich Andritzky. Auch die Kinder seien in den Gesprächen sehr offen, "weil alle zusammen an einem Tisch sitzen". Die meisten schätzen ihre Stärken und Schwächen richtig ein, manche bewerten sich in einigen Fächern sogar zu schlecht.

"Viele können mit einem Zeugnis nichts anfangen, vor allem ausländische Kinder und deren Eltern", erzählt die Schulleiterin. In solchen Fällen sei ein LEG sehr hilfreich. Bei Sprachbarrieren seien auch manchmal Bekannte der betroffenen Schüler dabei.

Schwierige Umsetzung


"Sicher ist es aufwendig in der Organisation", sagt Andritzky. In Waldershof müssen für 110 Schüler Termine für ein LEG gefunden werden. Da ist eine gute Absprache zwischen Lehrern und Eltern notwendig. "Eine Kollegin hat zum Beispiel alle ihre Termine auf einen Samstag gelegt, damit sich die Eltern nicht extra freinehmen müssen", erzählt die Schulleiterin weiter.

Nicht in allen Schulen werden die LEG so gut aufgenommen wie in Waldershof. Mitglieder des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV) machen sich Sorgen, ob das zeitlich alles zu schaffen sei, ist der Homepage zu entnehmen. Wie solle zum Beispiel damit umgegangen werden, wenn einzelne Eltern trotzdem ein Zwischenzeugnis verlangen oder die Zielvereinbarung des LEG nicht unterschreiben wollen? Ebenso finden es einige Kollegen schwierig, das gleichzeitige Gespräch mit Eltern und Kind kompetent zu führen.

Grundsätzlich rücken Lernentwicklungsgespräche immer mehr in den Vordergrund der ersten bis dritten Jahrgangsstufen. An dem Konzept muss natürlich weiter gearbeitet werden, um die Probleme ganz aus dem Weg räumen und offene Fragen beantworten zu können, ist den Beteiligten klar. "Ich kann nichts Negatives darüber sagen", fasst Petra Andritzky ihre bisherigen Erfahrungen zusammen. Am Schuljahresende bekommen die Schüler dann ein normales Zeugnis, in dem erwähnt wird, ob die im LEG besprochenen Ziele umgesetzt worden sind.

So funktioniert ein LEGIm Vorfeld des Lernentwicklungsgesprächs bekommt jeder Schüler einen Bewertungsbogen, auf dem sich verschiedene Felder befinden. Diese sollen die Schüler in den Farben grün, gelb und rot bemalen. Grün bedeutet für den Schüler "Das kann ich gut" und rot "Da muss ich noch an mir arbeiten". Bewertet werden zum einen das Arbeitsverhalten, die Fächer und zum anderen die Teilnahme an AGs. "Diese Selbsteinschätzung erledigen die Schüler entweder in der Schule oder zu Hause", erklärt Schulleiterin Andritzky. Der jeweilige Lehrer bearbeitet den Bewertungsbogen ebenso im Voraus.

In einem circa 20- bis 30-minütigen Gespräch, bei dem auch die Eltern des Kindes anwesend sind, werden die Einschätzungen dann verglichen. "Anschließend gibt es eine Zielvereinbarung, die dann der Lehrer, die Eltern und auch der Schüler unterschreiben", informiert Andritzky weiter. (prk)
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