Rosa Eiber feiert ihren 100. Geburtstag
Reiselustig, nie mutlos

Rosa Eiber (rechts) feiert am Donnerstag ihren 100. Geburtstag. Nichte Cornelia Wollner (links) umsorgt sie liebevoll. Bild: wro
Vermischtes
Waldershof
05.01.2016
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Vor wenigen Wochen ist Rosa Eiber schwer gestürzt und musste einige Zeit das Bett im Krankenhaus hüten. Dass die Waldershoferin am Donnerstag, 7. Januar, ihren 100. Geburtstag daheim im Senioren-Servicehaus feiern darf, grenzt an ein kleines Wunder.

Auf den Rollstuhl kann sie zwar derzeit nicht verzichten, die Folgen des Sturzes sind noch spürbar. Aber immerhin: Rosa Eiber ist zufrieden, zeigt sich fröhlich im Gespräch mit unserer Zeitung. Neben der Jubilarin hat Cornelia Wollner Platz genommen. Die Nichte umsorgt die Seniorin liebevoll, besucht die Tante regelmäßig. Cornelia Wollner strahlt voll Stolz und meint: "Gell, das hätten Sie nicht gedacht, dass unsere Tante Rosa für ihr Alter so agil und rüstig ist?"

Ja, das ist sie in der Tat. Freilich, ein wenig schwerhörig ist sie. Aber diese Beschwernis trifft auch viel Jüngere. Rosa Eiber weiß das Problem aber geschickt zu überspielen. Versonnen schaut sie aus dem Fenster mit Blick zum Kösseinegipfel. Sie nimmt den Gesprächsfaden wieder auf, erzählt von früher. Früher, damit verbindet sie das Haus in der Waldershofer Stadtmitte. "Das kennen Sie sicher. Das mit dem großen Schaufenster." In dem Gebäude war einmal ein Lebensmittelgeschäft, später kamen Haushaltswaren, schließlich Elektroartikel dazu. "Bei uns konnte man Schrauben noch einzeln kaufen, anders als heute im Baumarkt." Die großen Marktketten seien schuld, dass die kleinen Läden verschwinden, ärgert sich die Seniorin.

Den Waldershofern ist "ihr" Laden in der Stadtmitte als "Eiberhaus" noch in guter Erinnerung. Hermine und Rosa, die beiden Schwestern, haben das Geschäft eine Zeit lang gemeinsam geführt. Schwager Richard war im Krieg, danach in russischer Gefangenschaft. Gesundheitlich angeschlagen hatte er sich danach um das Geschäft - "das erste Haus am Platze" - so gut es ging gekümmert. "1967 ist er leider gestorben", bedauert Rosa Eiber. Sie blieb Zeit ihres Lebens unverheiratet, war immer Verkäuferin. Erst im Waldershofer Laden, später bei "Miorini" in Marktredwitz. "Es war eine schöne Zeit, trotz der Kriegs- und Schicksalsjahre, auch danach", sinniert sie.

Rosa Eiber holt ihren besonderen Schatz hervor. Das Foto zeigt sie mit den Schwestern: Maria, Hedwig, Hildegard, Luise und Hermine. Rosa Eiber deutet auf ein Tischchen mit einigen Fotoalben, Erinnerungen an früher. Cornelia Wollner nimmt eines der Alben in die Hand, zieht ein Bild heraus. Die Rückseite der Aufnahme ist fein säuberlich beschriftet, wie alle Bilder in den Alben. Cornelia Wollner lächelt: "Rosa war da immer sehr genau." Von ihren vier Nichten und sechs Neffen wird sie "Reisetante" genannt. Rosa Eiber war viel mit dem Bus unterwegs, hat alles fotografiert und dokumentiert. "Stets war auch eine meiner Schwestern dabei", erzählt die Jubilarin stolz. Ihre einzige Flugreise führte die abenteuerlustige Dame nach Rom. "Ich habe mich immer für alles interessiert, habe alles fotografiert." Aufnahmen von Helgoland bis Wien reihen sich an Bilder vom Bodensee und vom Schwarzwald. "Monte-Carlo musste ich natürlich auch einmal sehen. Die Stadt hat mich einfach interessiert. Dann, gleich nach der Wende, bin ich rüber und habe mir auch dort die Gegend angeschaut." Eine Lieblingsreise gibt es nicht: "Überall war's schön. Es hat mir immer sehr gefallen." Kopfschüttelnd erklärt sie, dass sie gar nicht recht verstehen könne, dass es Menschen gibt, die gleichgültig und desinteressiert durch die Welt gehen.

Raus aus dem Rollstuhl


Trotz vieler Schicksalsschläge war Rosa Eiber stets eine lebenslustige, aktive Frau. Nebenbei erzählt sie von einer Kinderlähmung im Alter von zwei Jahren, vom Umgang mit Gehhilfen und dem großen Mut, sich all dem entgegenzustemmen. Schließlich drängt Rosa Eiber darauf, dass das Gespräch ein Ende findet. Sie begründet dies plausibel: "Heute ist Singstunde. Da muss ich dabei sein. Die anderen warten schon." Einen Wunsch freilich hat sie: Dass sie ihren Rollstuhl bald in die Ecke stellen kann.
Es war eine schöne Zeit, trotz der Kriegs- und Schicksalsjahre.Rosa Eiber
Heute ist Singstunde. Da muss ich dabei sein.Rosa Eiber
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