Gabi Neppl und Wolfgang Horn
Die Wahrhaftige und der Ästhet

Vier Waldsassener Künstler mit unterschiedlicher und eigener Handschrift, von links: Regina Zrenner, Christine Böhm, Wolfgang Horn und Gabi Neppl. Das Bild wurde im Waldsassener Kunsthaus aufgenommen, das zu dem Zeitpunkt noch Großbaustelle war.
Freizeit
Waldsassen
19.03.2016
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Gabi Neppl spricht ihre eigene Sprache, ruft sich ab in ihrer Tiefe, stets bewegt und bemüht um Wahrhaftigkeit. Das gilt für sie selbst genauso, wie für ihre Arbeit. "Ich sage einfach die Wahrheit, auch in meinen Bildern.

Ich respektiere es im Arbeitsprozess auch, wenn mich entstehende Werke in eine bestimmte Richtung führen. Wenn ich erkenne, dass das Werk etwas ganz anderes werden will, als ich es mir vorgestellt habe, dann lasse ich das zu und mache es sichtbar."

Bilderbuch-Atelier


Im Atelier stehen überall Leinwände, angefangene oder fast fertige Bilder. Hunderte von Pinseln in allen Größen, Farbtuben, wohin man blickt, Rahmen und alles, was ein Künstleratelier haben muss, ist im geordneten Chaos vorhanden. Als verwandelnde Objekttechniken, bezeichnet Neppl ihre Methode aus Büchern neue Kunstwerke zu schaffen. Dabei übermalt sie Seiten fast komplett, lässt Textfragmente stehen, reißt Teile ganz oder stückchenweise heraus und malt entlang der Risskanten ein neues Bild. Mit ihren Objektbüchern wolle sie den Originalinhalt nicht verdrängen, sondern nach ihren eigenen Vorstellungen verändern und neue Strukturen schaffen.

Gabi Neppl hat auch die künstlerischen Möglichkeiten, die Computer bieten, für ihre Arbeit entdeckt und malt mit Vorliebe auch mit der Maus auf der virtuellen Seite des Grafikprogramms.

Wolfgang Horn ist der Ästhet. Seine Holz-Skulpturen sind oft mehrere Meter hoch, wiegen bis zu einer Tonne und entstehen im Garten, der Garage oder im Keller. Holz ist für den gelernten Schreiner der Stoff aus dem seine Träume sind. "Im Holz sehe ich einfach mehr, als die meisten Menschen", ist er überzeugt. Alles was dem Auge gefällt, sei sein Ding, sagt er. Auch wenn er ein wenig malt und fotografiert, sein Ding ist Holz. Dabei gilt "Think Big" - je größer, desto besser. Etwa zehn Ster davon hat er im Moment gelagert. Er verwendet alles, was in unserer Region wächst.

Das Feuer der Kirsche


Am meisten schätzt er Kirsche, deren Maserung sich mit Spezialöl extrem "anfeuern" lasse und deren Oberfläche dann stark an Glas erinnere. Echtes Glas von Lamberts sowie Eisen- oder Blechteile verarbeitet er in seinen Werken aber eher sporadisch. Leuchtende Augen bekommt er, wenn er erfährt, dass ein jahrhundertealter Stadel abgerissen wird. "Für viele ist das ein Haufen Müll, für mich eine wahre Schatzkammer, weil so altes Holz einfach perfekt zu verarbeiten und in seiner Wirkung nahezu unübertrefflich ist." An Werkzeugen benutzt er alles, von der Kettensäge über Bandschleifer, Bildhauerstechbeitel bis hinunter zum superfeinen Schleifpapier.

KunsthausBeim Bürgerfest lassen die Waldsassener Künstler die Katze aus dem Sack und präsentieren der Öffentlichkeit erstmals das Waldsassener Kunsthaus. Hier finden heimische wie auch Gastkünstler Heimat für ihre kreativen Prozesse. Zwei Ateliers, Ausstellungsflächen und eine Kleinkunstbühne bieten Raum für alle künstlerischen Tätigkeiten. Im Außenbereich entsteht ein Kunstpark. Das Projekt ist größtenteils mit öffentlichen Fördermitteln finanziert; für die Stadt bleibt nur ein vergleichsweise geringer Eigenanteil.
Im Holz sehe ich einfach mehr, als die meisten Menschen.Wolfgang Horn
Mir geht es in erster Linie um Wahrhaftigkeit.Gabi Neppl
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