Warum junge Leute das Smartphone nicht weglegen können
Hauptmotiv Kommunikation

Freizeit
Waldsassen
16.04.2016
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Eine Landkarte, eine Uhr, eine Kamera, ein Wecker: Um zu verdeutlichen, was alles in einem Smartphone steckt und wofür die Jugendlichen es verwenden, mussten die Zuhörer die analogen Entsprechungen aller Funktionen in eine imaginäre Kiste legen.

Dabei wurde an fast alles gedacht: "Nur das Telefon, das wird in der Regel vergessen", berichtete Philipp Reich. "Dabei ist es eine der grundlegenden Funktionen". Der Medienpädagoge und Leiter des grenzüberschreitenden Medienzentrums T1, stellte jetzt bei einem Vortag im Programm der Stiftung Kultur- und Begegnungszentrum Abtei Waldsassen (KuBZ) die wichtigsten Nutzungsmotive und beliebtesten Onlineplattformen von Jugendlichen vor. Viele Eltern nutzen das Angebot.

Über mobile Endgeräte


"Leg doch mal dein Smartphone weg" - Jugendliche und Eltern kennen diesen Satz nur zu gut. Der Medienpädagoge ging darauf ein, dass die Heranwachsenden ihr Smartphone zur Information und Unterhaltung nutzen. "Vergleichen die Eltern also die Zeit, die sie am Handy verbringen, mit derer ihrer Kinder, müssten sie offiziell die Zeit, die sie vorm Fernseher verbringen und mit dem Lesen einer gedruckten Zeitung, mit dazu rechnen", heißt es dazu in der Pressemitteilung des KuBZ. "Denn diese Tätigkeiten laufen bei vielen Jugendlichen inzwischen ausschließlich über mobile Endgeräte.

Wichtigste Nutzungsmotiv ist aber weiterhin Kommunikation, WhatsApp die beliebteste Applikation dafür. Auf Rang zwei befindet sich derzeit die Fotocommunity Instagram. Die Zahl der Aktiven bei Facebook ist rückläufig. "Das liegt auch daran, dass sich dort immer mehr Erwachsene aufhalten und die Jugendlichen sich bewusst Räume schaffen wollen, in denen sie unter sich sind", erklärte der Medienpädagoge.

Nicht zu durchschauen


Der dritte Favorit ist die Video-Plattform YouTube. Diese wird allerdings nicht ausschließlich dazu verwendet, um Videos zu schauen. Auch hier spielt der Kommunikations-Gedanke eine wichtige Rolle. Besondere Bedenken äußerten die Eltern in Bezug auf Datenspeicherung. Reich erklärte, dass dies ein Bereich sei, der nahezu unmöglich zu durchschauen sei. Wichtig sei es deshalb, dass die Jugendlichen dafür sensibilisiert würden, was mit den versendeten Inhalten geschehen kann. Auch das Thema Cybermobbing und FOMO (engl. fear of missing out), eine relativ neue Erscheinung, die die Angst der Jugendlichen beschreibt, etwas zu verpassen, wenn sie nicht ständig online sind.

Der falsche Weg


Dass die unerlaubte Kontrolle des Smartphones aber der falsche Weg sei und das Vertrauen zwischen Eltern und Kind zerstöre, darauf verwies Reich eindringlich. Vielmehr sollten Eltern den Dialog suchen und offen Bedenken äußern, aber auch Interesse zeigen und positiv auf Neuerungen und Veränderungen reagieren. Nur so kann eine Basis dafür geschaffen werden, dass Jugendliche die modernen Medien gewinnbringend in ihr Leben integrieren.
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