Andreas Englisch gibt einen Einblick in den Vatikan-Alltag
Anekdoten aus dem Vatikan

Ich bin Christ geworden, weil mich Johannes Paul II. durch sein Beispiel beeindruckt hat.
Kultur
Waldsassen
12.03.2015
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Der Mann erzählt viel - manchem Zuhörer zu viel - wie der älteren Dame im Saal ganz vorne. Sie finde es nicht gut, erklärt die Frau Andreas Englisch, dass er seine Erlebnisse im Vatikan in aller Öffentlichkeit bekannt gebe.

Der große Teil des Publikums im Jugendheim-Saal aber scheint beeindruckt von dem, was der Journalist und Papst-Kenner am Mittwoch vorträgt. Aus dem Landkreis sind über 300 Besucher gekommen. Sie begrüßen den Gast wie einen Star, als er den Raum betritt.

Über den Wolken

Ohne Konzept plaudert Englisch von seinen Erlebnissen mit Päpsten, denen er ganz nahe war und ist - während Auslandsreisen etwa, bei "Pressekonferenzen über den Wolken": Kompliziert seien die zuweilen, weil Antworten ungefiltert geäußert und manchmal deswegen später dementiert werden. Wie etwa bei Papst Benedikt XVI. Dessen "schleichende Entmachtung" habe die Kurie betrieben. Aber es gebe keinen Zweifel an den großen Seiten des deutschen Papstes, sagt Englisch auf den kritischen Einwand eines Zuhörers - etwa die "... entschiedene Schlacht gegen sexuellen Missbrauch". "Ich bin Christ geworden, weil mich Johannes Paul II. durch sein Beispiel beeindruckt hat", sagte Englisch. Zu ihm hat er eine besondere Bindung aufgebaut, wie es scheint: Sohn Leonardo nannte Karol Wojtyla "Opa Papst".

"Ärger bekomme ich nicht, den habe ich schon"

Mit ihm war Englisch 1991 in Brasilien unterwegs, als er Jorge Mario Bergoglio kennenlernte. Ihm hätten bereits zu dieser Zeit die Verhältnisse im Vatikan nicht behagt. "Franziskus spricht hervorragend gut deutsch, er traut sich bloß nicht." Bergoglio fragte ihn damals, ob etwa die weltweit rund 25 000 Ordensfrauen in anderen Aufgaben besser aufgehoben wären, als in ihren Jobs als Servicepersonal von Bischöfen und Kardinälen. "Diese Nonnen sind nicht Ordensfrauen geworden, weil sie dem Kardinal das Schnitzel braten wollen, sondern weil sie Gottes Wort verkünden wollen. Und genau das sollen die auch tun", zitierte Englisch den damaligen Bischof. Als ihm der Journalist erklärte, dass er Ärger bekommen werde, wenn dies veröffentlicht werde, sagte Bergoglio: "Ärger bekomme ich nicht, den habe ich schon."

Viele Neuerungen

"Der hält das bis heute durch", sagt Englisch über Papst Franziskus - dass er den traditionellen Pomp um sein Amt ablehnt und nicht die 450 Quadratmeter-Wohnung im Apostolischen Palast bezogen hat. Und lieber im 23-Quadratmeter-Zimmer in einem Gästehaus bleibt - dort, wo er auch Besucher zu Besprechungen empfängt. "Das reicht mir, ich kann da wohnen bleiben", erzählt Englisch von den Worten des Papstes und erwähnt nebenbei, dass dort auch das Gespräch mit Tebartz-van Elst verlaufen sei. "Der sitzt jetzt in einem Zimmerchen einer Kongregation und stempelt die Post ab." Von einem "Hauen und Stechen" spricht Englisch in Anbetracht der aktuellen Situation im Vatikan und verweist auf das externe Beratergremium - bestehend aus den Wahl-Kardinälen. Denn die seien "stinksauer" gewesen seien auf die Kurien-Kardinäle, weil diese den Amtsvorgänger nach und nach entmachtet hätten. Seither gebe es viele Neuerungen.

Auch Päpste quatschen

Lacher beim Publikum erzeugen immer wieder nette Geschichten. Die aus dem Jahre 1991 zieht sich durch den Abend wie der sprichwörtliche rote Faden. Johannes Paul II. habe er im Vertrauen davon erzählt; auch die Nachfolger wüssten inzwischen davon. "Ich konnte ja nicht ahnen, dass Päpste untereinander quatschen." Englisch nahm während jener Auslandsreise nach Brasilien in Rio de Janeiro einen Abstecher an die Copacabana, badete kurz im Meer und stellte wenig später fest: Jemand hatte seine Sachen gestohlen. "Kommt ein junger Mann mit einem Bündel unterm Arm, schmeißt meine Sachen in den Sand. Alles wieder da", erzählt Englisch. "Segnen Sie mich!", habe der Mann immer wieder gerufen. "Ich habe Ihre Sachen geklaut, ich komme garantiert in die Hölle", jammerte der Dieb: Als er den Ausweis von Englisch sah, der ihn als Mitglied der päpstlichen Delegation identifizierte, hatte es der junge Mann mit der Angst bekommen, seinen Fehler bereut und gut gemacht.
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