Augsburger Knabenchor in der Basilika Waldsassen
Alpenländische Harmonien

Domkapellmeister Reinhard Kammler entlockte dem Augsburger Knabenchor in der Basilika wunderbare Töne. Bild: zch
Kultur
Waldsassen
29.11.2016
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Nahezu perfekt - das ist die Quintessenz des Konzerts der Augsburger Domsingknaben am Samstag und Sonntag Nachmittag in der Basilika. Aus nah und fern sind die Zuhörer angereist, um dem weltberühmten Knabenchor bei seinem besinnlichen Adventskonzert zu lauschen.

Domkapellmeister Reinhard Kammler führt den Chor mit fließenden Bewegungen und nachdrücklichen Einsätzen zu großen dynamischen Steigerungen. Er entlockt den Sängern wunderbar klaren Gesang. Dabei nutzt er den gesamten Kirchenraum, denn für viele der Motetten, alpenländischen Volksweisen und Choräle sind einzelne Stimmen oder auch der ganze Chor im hinteren Teil des Kirchenschiffes aufgestellt.

Achtstimmige Chorsätze


Besonders aparte Klangfarben sind bei der Volksweise "Wachet auf ihr Menschenkinder" zu hören, bei der drei Knaben von hinten im Wechsel mit dem gesamten Chor singen. Man muss sich schon sehr anstrengen, etwas zu finden, dass nicht dem Ideal eines Chorgesangs entspricht. Vielleicht ein paar Einzeltöne, die von den Solisten etwas zögerlich im Ansatz sind, aber das war es auch schon. Die bis zu achtstimmigen Chorsätze von der Renaissance bis zur Neuzeit werden gut artikuliert mit ausgefeilter Dynamik gesungen. Fast erübrigt es sich anzumerken, dass die Intonation stets makellos sauber ist. Es gibt sanfte und ruhige Cantilenen, grandiose dramatische Steigerungen und feinstes Pianissimo. Die Soprane schwingen sich klar und rein in höchste Höhen, die Bässe nicht minder gekonnt in tiefe Lagen.

Zeitgenössische Werke


Sehr hübsch mit typisch alpenländischen Harmonien ist der festliche "Jodler" anzuhören. Doch auch die zeitgenössischen Werke von Arthur Piechler (1896 bis 1974), Domorganistin Claudia Waßner oder Franz Biebl (1906 bis 2001) mit ihrer komplexen Harmonik lassen interpretatorisch keine Wünsche offen.

Der junge Solist bei Biebls "Angelus Domini", sowie die dreistimmigen Solisten singen einfühlsam, klar und rein zum Chor. Besonders bemerkenswert wird das "Ave Maria" von Michael Haller (1840 bis 1915) interpretiert. Jeder einzelne Ton, jede gesungene Silbe scheint eine besondere Gestaltung zu erfahren. Mit eindringlichen Gesten kontrolliert Reinhard Kammler die Lautstärken der Stimmlagen und stimmt sie harmonisch aufeinander ab. Das Publikum ist begeistert und erklatscht zwei Zugaben.
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