Barockensemble "Risonante Sfere" spielt in der Bibliothek der Abtei Waldsassen
Verschwundene Werke wiederbelebt

"Risonante sfere" überzeugte mit Werken, "die aus dem Konzertprogramm verschwunden sind". Bild: R. Tietz
Kultur
Waldsassen
16.06.2015
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Nur die Cellospielerin Barbara Rieger und der Cembalospieler Carsten Lorenz haben einen Sitzplatz, alle anderen Musiker stehen an ihren Pulten, wie es in Barockorchestern üblich war. Eine gute Wahl des Waldsassener Kammermusikkreises, das Ensemble "Klingende Sphäre" zu engagieren, denn die historischen Instrumente schaffen mit ihren Darmsaiten und gebogenen Barockbögen eine Tonfülle eigener Art, die die vielen Zuhörer in der Bibliothek der Abtei Waldsassen sehr gut anspricht.

Mit einer schwungvollen "Ouverture für Streicher C-Dur" K 356 von Johann Joseph Fux beginnen die Musikanten engagiert. Am ersten Pult steht Michael Gusenbauer, der mit seinem Geigenbogen die Einsätze achtelgenau ankündigt. Dem einleitenden pompösen Ouvertürensatz folgen eine fein klingende "Aria", ein tänzerisches "Menuett", ein schneller Satz namens "Aire la Volage", ein im Tempo gestrenger "Marche des Ecurieus" und ein Finale, das "L'inegalitè" musikalisch durch langsame wie schnelle Passagen vorstellt. Ein kaum bekanntes Werk, das mehr Aufmerksamkeit verdienen würde. Faszinierend das harmonische Zusammenspiel und der daraus folgende reine Ton des Ensembles, in der Stimmung überzeugend.

Es folgt das "Concerto für Violoncello und Streicher c-moll" RV 401 von Antonio Vivaldi, ein Solo für Barbara Rieger, die es schön bewältigt. Die anderen Instrumentalisten begleiten einfühlsam. Neben Michael Gusenbauer sind das Katja Schönwitz, Simone Eberle, Bettina Harke und Nikola Storek auf der Barockvioline. Max Bock spielt allein und hörbar die Barockbratsche, Ulrike Klamp gleichartig die Violone, den fünfsaitigen Barock-Kontrabass. Sie alle bringen den spielfreudigen ersten Satz, das gesangvolle Adagio wie das dem Staccato verpflichtete Finale untadelig zu Gehör.

Großartiges Empfinden

Ebenfalls sehr spielfreudig wird die "Sinfonia Sestetto A-Dur für vier Violinen, Viola und Basso Continuo" WV 487 von Georg Christoph Wagenseil dargeboten. Die Geigen waren vierfach geteilt - das allein gibt schon ein großartiges Klangempfinden. Jedenfalls klingen die Ecksätze äußerst feurig, während das "Largo" eine fast überirdische Schwellung hoher gehaltener Töne erzeugt und damit die Hörer fasziniert.

Nach der Pause erklingt zunächst das "Konzert für Cembalo, Streicher und Bc f-moll" BWV 1056 von Bach. Carsten Lorenz erweist sich nicht nur als genauer Begleiter, sondern hier ebenso als virtuoser Solist. Nach markigem Beginn, wie bei diesem Ensemble üblich, übernimmt er schwungvoll die Bestimmung von Thema und Tempo. Eine unendliche Melodie des Cembalos, unterstützt vom Pizzikato aller Streicher, prägt das "Largo". Der Schlusssatz fließt dagegen lebendig dahin. Dass Bachs Ideen schön zur Geltung kommen, ist dem untadeligen Spiel des Solisten und der einfühlsamen Begleitung seiner Mitmusikanten geschuldet.

Bibers Wille

Es folgt die "Nachtwächterserenade" von Ignaz Franz Biber. Fließende wie verträumte Sätze, in einem allerdings zupfen die Musiker ein Pizzikato, während der Chef, mit Hut und Laterne eines Nachtwächters angetan, ein passendes Lied dazu singt. Das hat Biber so gewollt. Als Finalstück kommt das "Concerto für Blockflöte, Streicher und Bc C-Dur" TWV 51: C1 von Georg Philipp Telemann zu Gehör. Katja Schönwitz zeigt, dass sie nicht nur an der Violine sehr gute Leistungen vollbringt.

Sie spielt den Solopart tadellos, sowohl volltönend in den langsamen, wie behend in den schnellen Sätzen. Als Zugabe ertönt nochmals der "Marche des Ecurieus" aus der Ouvertüre von Fux. Wenn im Begleitheft steht, man "bringe Werke zu Gehör, die aus dem Konzertleben verschwunden sind", kann man dem Ensemble "Risonante Sfere" nur dankbar sein, dass sie diesen Zustand ändern wollen.
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