Bemerkenswerter Klavierabend im Harmoniesaal des ehemaligen Abtschlosses
Mächtige Klänge

Jakob Schröder interpretierte vor allem Sonaten, die nicht alltäglich sind. Die Zuhörer im Harmoniesaal waren davon beeindruckt. Bild: Tietz
Kultur
Waldsassen
17.03.2015
8
0
Da glaubt man, es gebe genügend berühmte Klavierwerke aus den letzten Jahrhunderten, um Programme zu füllen. Und plötzlich bietet der "Waldsassener Kammermusikkreis" im Harmoniesaal neben der Kathedrale einen Abend mit vier Klaviersonaten an und die Einschätzungen, denen man bislang traute, stimmen nicht mehr. Andererseits kann man sich freuen, dass infolge der Reproduktionsmöglichkeiten heute auch vergessene Werke aufgeführt oder eingespielt werden. Denn man stellt mit wachsender Begeisterung fest, dass geringere Bekanntheit eines Werks absolut nichts mit weniger Qualität zu tun hat.

Krönendes Meisterstück

Noch dazu, wenn die Stücke von solch einem Könner am Klavier wie Jakob Schröder interpretiert werden. So die letzte Sonate für Klavier "Es-Dur Hob. XVI/52" von Joseph Haydn, mit der der Interpret seinen "Sonatenabend" im voll besetzten Harmoniesaal einleitet. Die Sonate gilt als Haydns krönendes Meisterstück in diesem Genre, wird aber im Konzert fast nie gespielt. Allein die mächtige Gebärde am Beginn des Anfangssatzes vermittelt in Schröders Spiel kraftvollen Ausdruck, der facettenreich im Wechsel von schnellen Figuren mit 32steln und halben Noten weitergeführt wird. Die Sonatenform ist im Mittelteil erweitert: Nach Exposition und vor der Reprise sind in der Durchführung die Themen frei und vielfältig gestaltet. Das Adagio lebt von den Kontrasten zwischen Ruhepunkten und beschleunigtem Tastenzauber. Das Finale eilt ohne Ruhepunkt vorüber. Dem Pianisten gelingt es mühelos, die Geschwindigkeiten virtuos exakt und musikalisch überzeugend durchzuhalten.

Ist Joseph Haydn immerhin bekannt, weiß von Muzio Clementi kaum jemand etwas. Dabei ist seine Klaviersonate "D-Dur op 40/3" künstlerisch absolut hochwertig - wie viele seiner Werke. Schröder gestaltet die Einleitung würdevoll, breitet das folgende Allegro umso mehr in flüssigem Klaviersatz aus. Die Themen sind fein und in breiter Fassung dargestellt. Dagegen hat der langsame Satz eher leidenschaftlichen Ausdruck. Er leitet nahtlos ins Finale über, das sich tänzerisch und spielfreudig gibt, trotz nachdenklicher Momente im Moll-Mittelteil. All das gestaltet der Künstler überzeugend.

Nach der Pause folgt die Sonate "C-Dur KV 309" von Wolfgang Amadeus Mozart, die mit ihren berühmteren Nachbarn ohne weiteres mithalten kann. Sie wird mit zwei Forte-Takten eröffnet, denen im Piano ein Thema in fünf Takten gegenüber steht. Und so geht es kontrastierend weiter. Der punktierte Hauptgedanke des Andantes wird in immer veränderter Erscheinungsform dargeboten. Das Thema des Rondos gestaltet spielerisch alle darin vorkommenden Varianten in Abschnitte. Wer jetzt glaubt, es gäbe nun einen kleinen harmlosen Ausklang, irrt gewaltig. Die ebenfalls kaum bekannte dritte Klaviersonate "fis-moll op 81" von Johann Nepomuk Hummel entpuppt sich als das gewaltigste Werk des Abends. Beginnend mit gewaltigen Oktaven, mündend in gleichartige Akkorde, rast der erste Satz ruhelos vorüber. Normal bietet ein folgendes Largo den nötigen Kontrast.

Gegensätze im Finale

Weit gefehlt: Hummel setzt die Stimmung des vorigen Satzes mit langsameren, aber ebenso intensiven Tonfolgen fort, die oft genug durch schnellste Läufe umwoben werden. Das Finale enthält ebenfalls klangliche und motivische Gegensätze, die wuchtig wie rauschend gesteigert werden zu einem Schlussakkord im dreifachen Forte. Der brillante Stil wies das Werk als Höhepunkt des Abends aus, noch dazu in der faszinierend virtuosen und mutigen Spielweise Jakob Schröders. Zwei Zugaben aus Sonaten von Mozart folgen: "Alla turca aus KV 331" und "Andante cantabile aus KV 330" spielt Schröder so, als wären sie der Beginn des Abends und nicht das Ende eines anstrengenden Programms.
Weitere Beiträge zu den Themen: März 2015 (9461)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.