Bläser und gemorste Schöpfungsgeschichte

Organist Edgar Krapp und das Bach-Trompetenensemble München sowie Paukist Stefan Gagelmann spielten in der Waldsassener Basilika. Bild: Zeigler
Kultur
Waldsassen
21.10.2014
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Nicht nur mit Pauke und Trompete, sondern auch mit Orgel gab Organist Edgar Krapp mit dem Ensemble München Werke aus dem Barock zum Besten. Und ganz nebenbei brachten sie nicht nur das Publikum in der Waldsassener Basilika zum Beben.

Die Renovierungsarbeiten des Altarraumes sind so weit fortgeschritten, dass die Musiker wieder vor den Zuhörern auftreten können. Endlich gab es wieder ein Konzert in der Stiftsbasilika, bei dem die Künstler nicht auf der Empore spielen mussten. In der sehr gut besuchten Basilika spielte Konzertorganist Edgar Krapp mit dem großartig disponierten Bach-Trompetenensemble München (Arnold Mehl, Peter Epp, Konrad Müller) und Paukist Stefan Gagelmann Werke des Barock und eine zeitgenössische Komposition.

Bach und Endler

Man kann behaupten, dass ein Orgelkonzert mit Trompetenbegleitung zur Aufführung kam: Abwechselnd mit den Werken für das Bach-Trompetenensemble und Orgel spielte Krapp große Orgel-Solowerke. Er verstand es, die vielfältigen Klangmöglichkeiten des Instruments voll auszuschöpfen. Das galt auch für die Bearbeitungen von Arnold Mehl.

Fanfarenklänge mit kraftvollen Pauken und strahlenden Orgelklängen eröffneten das Konzert. In dem "Concert de Trompettes" von Michel-Richard Delalande wurde die Akustik der Kirche in den Gesamtklang einbezogen. Die Orgel bietet sich mit ihren im Kirchenschiff verteilten Pfeifen dazu an. Die reizvollen Echoeffekte zwischen Trompeten- und Orgelklang erzeugten einen faszinierenden Raumklang.

In dem "Grande Dialogue" in C-Dur von Louis Marchand dominierte strahlender Orgelklang mit kraftvollen Akkorden. Ein bedächtiger Zwischenteil in Moll ließ die Zuhörer zur Ruhe finden. Besonders beeindruckte der Organist mit der "Suite gothique" op. 25 von Léon Boëllmann. Großer Klang im Wechsel mit verhaltenen Akkorden erschufen den Eindruck mehrerer Instrumente. Überraschende Harmoniewendungen und dramatische Toccata mit packender Bassmelodie ließen das Kirchenschiff mit kraftvoller Registrierung und tiefsten Bässen erbeben.

Die großen Darbietungen des Konzertorganisten schmälerten jedoch nicht die hervorragenden Interpretationen der drei Bläser. Glanzvolle Klänge in klaren, lichten Höhen, präzise zusammen musiziert, waren wunderbar anzuhören. Gekonnte Läufe und Verzierungen in den Werken von Johann Sebastian Bach und Johann Samuel Endler zeigten die Klasse der Bläser.

Dreiklang und Echo

Besonders hervorzuheben ist aber das zeitgenössische Werk "Musurgia nach Athanasius Kirchner" von Wilfried Hiller (geboren 1941). Nach einem rasanten Orgelbeginn und einem nicht minder beeindruckenden Paukensolo, das die Anfangszeilen der Schöpfungsgeschichte "morst", wanderten zwei der drei Trompeter durch das Kirchenschiff und erzeugten um sich kreisende Dreiklänge und phantastische Echowirkungen. Der zarte Schluss auf dem mittelalterlichen Glockenspiel wurde von einem kaum hörbaren Pianissimo der Trompeten gekrönt. Nach langanhaltendem Beifall gab es als Zugaben "Air" von Johann Sebastian Bach und das Prelude "Te Deum" von Marc-Antoine Charpentier.
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