Christina Baumer im Kunsthaus Waldsassen
Zwillings-Welten

"Tina" aus Triebendorf mischte sich zu Beginn des Auftritts im Kunsthaus Waldsassen unters Publikum. Bilder: pz (2)
Kultur
Waldsassen
08.10.2016
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Es war die Premiere auf dem neu geschaffenen Podium: Schauspielerin Christina Baumer im Kunsthaus vor heimischem Publikum. Ein außergewöhnlicher Auftritt für den besonderen Anlass.

"Is(s)t alles wurscht!" - so der Titel des aktuellen Bühnenstücks, das Christina Baumer aus Wiesau wiederholt zeigte - in München (wir berichteten) wie im Stiftland. Vor einer Woche stand Fuchsmühl auf dem Tourplan, jetzt am Donnerstag die Klosterstadt. Ausverkauft waren die Stuhlreihen im restaurierten Stadel an der Kunstgasse.

Vielseitig und talentiert


Unbestritten ist das Talent, die Begabung und die Vielseitigkeit, die Christina (Jahrgang 1986) auf die Bühne mitbringt. Sie spielt und experimentiert mit den Charakteren der beiden fiktiven Schwestern Chris und Tina: Beide tischen - jeweils nach einer kurzen "Verwandlung" hinter der Wand auf der Bühne - abwechselnd ihre Alltagssorgen und -nöte auf. Grundverschieden scheint das Zwillingspaar zunächst. Aber nur auf den ersten Blick. Chris ging nach München, ist auf verschiedenen kommunikativen Ebenen bestens vernetzt und weiß viel zu erzählen: Wie es ihr ergeht als Schauspielerin und mit allen den Tücken, Widrigkeiten und Vorzügen eines Lebens in der Landeshauptstadt.

Sie wartet auf ein Engagement für einen Tatort mit Till Schweiger. Veganismus und "gesunder" Lebensstil wird ihr manchmal selbst zum Verhängnis: Fress-Attacken, mindestens einmal im Monat. Dann ist sie nicht anders als ihre Zwillingsschwester Tina. Sie blieb daheim im Heimatort Triebendorf - raucht, trinkt, mag gerne Blutwurst. Die Kellnerin berichtet ihrerseits aus ihrem Alltag. Der ist vielleicht unspektakulärer aber nicht minder aufregend.

In diesem Spannungsfeld bewegt sich der gut eineinhalb Stunden dauernde Auftritt. Christina zieht das Ding perfekt und professionell durch, bezieht auch das Publikum mit ein. Das lässt sich nicht lange bitten. Sogar die aktuelle politische Debatte fließt mit ein. Nicht immer jugendfrei bliebe es, war im Vorfeld angekündigt worden. "Ist alles wurscht!"? Na ja, vielleicht doch nicht. Dass sich mit dem "Pups-Verhalten" von Männern eine Zweierbeziehung bewerten lässt, ist noch einer der harmloseren Gags, die Chris und Tina vom Stapel lassen. Sex ist immer wieder ein Thema, mitunter szenisch-grobmotorisch dargestellt. Kein Wunder, wenn dies mancher Kunsthaus-Besucher als grenzwertig empfunden hätte. Ungewöhnlich und neu ist solch derbe Unterhaltung für Waldsassen allemal. Aber auf der Kleinkunstbühne darf das sein, wenngleich das Genre feinsinnigere Formen kennt. Der Applaus während der Vorstellung und am Ende zeigte: Dem Publikum hat es gefallen. Gleich von Beginn an ließ es sich aber nicht aus der Reserve locken. Wenn die Zuschauer nicht wie erwartet reagierten half die "Lach-App" - mit eingespieltem Gelächter wie in amerikanischen Serien auf privaten Fernsehkanälen. (Terminkalender)
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