Christine Böhm macht in Schiefer
Kunstvolle Schwarzarbeit

Schiefer ist 400 Millionen Jahre altes Sedimentgestein. In der Kombination mit farbigem Lamberts-Glas kommen die Durchbruch-Arbeiten, die Christine Böhm dem Stein entlockt, besonders gut zur Geltung (Bild links). Der Balkon dient manchmal als Lagerplatz für Material und Kunstwerke (Bild rechts).
Kultur
Waldsassen
03.09.2016
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Schnell färben sich die Fingernägel schwarz, wenn Christine Böhm mit dem Spezialhammer die Schieferplatten in bestimmte Formen zwingt. Die Waldsassenerin ist mit dem anthrazitfarbigen Urgestein im Betrieb ihres Mannes in Berührung gekommen. Längst ist das der Werkstoff für ihre Kunst.

Die 43-Jährige ist gebürtige Tirschenreutherin. Nach Waldsassen kam sie mit 13. "Ich wohnte dort vier Jahre am Basilikaplatz 2", beschreibt sie die Adresse des ehemaligen Internats der Mädchenrealschule der Zisterzienserrinnen. "Besonders hat mir die Gemeinschaft dort gefallen." Nach der Schule machte sie eine kaufmännische Ausbildung in Weiden und arbeitete später in der Sparkasse in Tirschenreuth. 1996 heiratete sie den Waldsassener Dachdeckermeister Rudolf Böhm und zog wieder in die Klosterstadt um. In der Dachdeckerfirma kam sie mit dem Material in Kontakt, das sie heute künstlerisch veredelt.

Schwiegervater schuld


"Dass ich auf die Idee kam, damit kreativ zu arbeiten, daran ist eigentlich mein Schwiegervater schuld. Der drückte mir eines Tages ein Schieferherz in die Hand, auf das ich auffallend ,Forellen', für seine Fischzucht daraufschreiben sollte. Das war 2008. Ich fand diese erste kleine Arbeit irgendwie schön." Schnell reifte die Idee, mehr davon zu machen. Zunächst Tafeln mit Sprüchen für den eigenen Garten, bevor sie zu experimentieren begann. "Damals hatte ich keinen Schimmer, dass daraus einmal mehr werden könnte." 2008 kaufte die Familie den alten Malzer-Stadel in der Brauhausstraße. "Wir wollten ihn eigentlich abreißen. Da hatte ich die spontane Idee, vorher einen Kunsthandwerkermarkt zu organisieren. Ich fragte sechs mir bekannte Waldsassener Kunsthandwerker, ob sie Interesse hätten. Sie hatten. Und der Scheunen-Markt wurde ein voller Erfolg."

Markt statt Abriss


Statt in abzureißen, sanierten die Böhms das Dach des Stadels, der ansonsten in einwandfreiem Zustand war. 2012 eröffnete dort Christine Böhm ihre Stadelgalerie. Sie fertigte Grabtafeln, Garten- und Kräuterstecker mit Zitaten darauf und die verkauften sich gut. "Das mache ich auch heute noch und finanziere damit mein Kunsthandwerk, respektive meine Kunst." Die Erfolgskurve ging stetig nach oben. Christine Böhm bediente jetzt auch andere renommierte Märkte in der Region und kam mit ihren Produkten überall gut an.

"Das Hacken war anfangs sehr schwierig, aber ich hatte in meinem Mann und meinem Schwiegervater zwei tolle Lehrherren. Ich arbeitete und experimentierte sehr viel und kam immer mehr in Richtung Kunst. 2013 arbeitete ich an einem Bilderrahmen. Der war noch nicht fertig und plötzlich machte es Klick."

Durchbruch mit Durchbruch


Am unteren Rand standen noch Schieferreste und plötzlich erkannte die Künstlerin darin Figuren. "Pinguine, wie ich sie aus Filmen über die Antarktis kannte, waren das für mich." Etwa 100 sogenannte Durchbrucharbeiten hat Christine Böhm bisher gemacht. "Der Durchbruch in der Kunstszene kam mit den Durchbrucharbeiten", sagt sie. Ich habe nichts mehr daran verändert, das war mein erstes Kunstwerk. Es sollten noch viele weitere folgen. Christine Böhm arbeitet mit verschieden großen Schieferplatten. Bilderrahmen sind auch eine Spezialität der Künstlerin. Ein Bild in einem Schieferrahmen wirkt absolut edel und exklusiv. Gerne kombiniert sie ihre Werke mit farbigem Lamberts-Antik-Glas.

Inspirieren lässt sich die Künstlerin durch die verschiedensten Zitate. "Ich habe bestimmt 50 Zitate-Bücher im Regal stehen." Besonders angetan haben es ihr die Aphorismen des niederösterreichischen Hauptschullehrers Ernst Ferstl. Zum Beispiel: "Wer immer nur spurt, hinterlässt fast nie Spuren" oder "An einem Menschen mit Ecken und Kanten findet man leichter Halt als an einem rundum glattgeschliffenem."

Gesteuerte Zufallsprodukte


Christine Böhm erklärt: "Die meisten Werke entstehen nach einem Zitat. Es macht wahnsinnig Spaß, ein Zitat in ein Werk umzusetzen. Der umgekehrte Weg ist der seltenere." Bei ihrer Arbeit spielt oft auch der Zufall eine Rolle, entsteht etwas völlig anderes als geplant. "Ich spreche dann von gesteuerten Zufallsprodukten. Wenn mir etwas besonders gefällt, kopiere ich mich selbst." Aber auch diese Werke sind eigentlich Unikate, denn wirkliche Kopien sind gar nicht machbar. "Der Schiefer passt zu mir. Da ist nie etwas 100 prozentig. " Oft verbringt die Künstlerin den ganzen Tag in ihrer Werkstatt. Die Stadelgalerie öffnet sie immer donnerstags.

Dort kann man ihr bei der Arbeit zusehen. Die Leute kommen bis aus Regensburg oder Schwandorf. Auf der Bayreuther Gartenschau präsentiert sie ihre Werke in Kooperation mit der Glasfabrik Lamberts.

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Weitere Informationen:

www.stadelgalerie.de www.facebook.com/stadelgalerie

Der Durchbruch in der Kunstszene kam mit den Durchbrucharbeiten.Christine Böhm
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