Großes Herbstkonzert in der Basilika
„Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir“

Kultur
Waldsassen
08.11.2016
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Von Reinhold Tietz

Waldsassen. Eine langsame "Sinfonia" leitet ein, dann folgt ein "Vivace" des Chors, in dem die Hoffnung des Menschen auf Erlösung von den Sünden der Welt angesprochen wird: "Herr, höre meine Stimme" singen alle sehnsuchtsvoll. Das "Große Herbstkonzert" in der ausverkauften Basilika stimmt am Sonntagnachmittag auf die besinnliche Novemberzeit ein. Kirchenmusikdirektor Andreas Sagstetter dirigiert den von ihm einstudierten "Chor der Basilika Waldsassen" und den "Chor Rastislav Blansko", den Jaroslav Martinásek einstudiert hat, sowie das "Orchester Czech Virtuosi".

Zuerst erklingt die Kantate "Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir" BWV 131 von Johann Sebastian Bach. Lebhaft erfolgt dazu die instrumentale Begleitung. Das anrührende Bass-Arioso "Erbarm dich mein" vertieft die Bitte, nachdem eingesehen wurde "So du willst, Herr, Sünde zurechnen", dann hat der Mensch keine Chance. Jan Stava gestaltet diese Einsicht und die folgende Bitte mit feiner Stimme. Es unterstützt ihn mit einem Cantus firmus "Erbarm dich mein" die Sopranistin Eva Kolková in getragener Übermalung.

Auch der Chor "hofft auf das Wort des Herrn" mit großer Melodie. Erneut schließt sich eine Aria an. Die Altistin Lucie Hilscherová übernimmt stimmlich fein den Cantus firmus, wenn Tenor Juan Lopez hoffnungsvoll meint "meine Seele wartet auf den Herrn". Der Chor verdichtet abschließend diese Hoffnung, weil beim "Herrn" ist "Gnade" und "viel Erlösung". Ein Aufruf zu richtigem menschlichen Handeln, wie in Bachs Kantaten üblich, eindrucksvoll und absolut nachvollziehbar von Sagstetter und seinen Musikern dargeboten.

Tiefe Trauer in Tönen


Nun folgt das letzte Werk, das Mozart komponiert hat, sein "Requiem d - moll" KV 626. Tiefe Trauer vermag der Tondichter zu Beginn in Töne zu fassen. Die Akzente der Streicher betonen die lang gehaltenen Tonfolgen der Fagotte und Bassetthörner und erzeugen eine klagende Stimmung, die durch Posaunenakkorde und den einsetzenden Gesang vertieft wird. Hoffnung keimt auf, wenn das "ewige Licht den Menschen leuchtet".

So ist die Doppelfuge zu "Kyrie eleison" und "Christe eleison" eher ein Moment, der Hoffnung in die einzig richtige Richtung lenkt. Denn dann stellt Mozart das Jüngste Gericht dar, mit Hilfe verschiedenster musikalischer Effekte. Kein Mensch kann dem "Tag des Zorns" entgehen - das wird deutlich. In allen Vertonungen des Requiem-Textes wird dieser Teil besonders intensiv instrumental und im Gesang dargestellt. Mit Furor besingen die Chöre das "kommende Schaudern an jenem Tag, wenn der Richter der Welt kommt".

Jan Slava gibt im Bass dem ganzen Horror noch eine spezielle Note, wenn er in feierlichem Ton ankündigt, dass "die Posaune alle vor Gottes Thron zwingt". Juan Lopez weist im Tenor darauf hin, dass "alles in einem Buch aufgeschrieben ist, was die Welt sühnen muss". Lucie Hilscherová betont per Altstimme, dass "nichts ungestraft zurückbleiben wird". Eva Kolková schwankt im Sopran zwischen Hoffnung und Verzweiflung, was "ich armer Mensch dann sagen soll". Noch einmal wird mit Posaunenklang und mächtigen Chorgesang darauf hingewiesen, dass der "Herr der erschreckenden Majestät" auch "Quelle der Gnade" ist deshalb die menschlich einsichtige Bitte "rette mich!".

Vergebung und Erlösung


Dieser Aufruf wird durch das Solistenquartett erweitert, wenn die vier mit feinen Stimmen auf Vergebung und Erlösung hoffen. Die Verdammten leiden, jedoch soll Gott den reuigen Sünder zu sich rufen an "jenem tränenreichen Tag", wenn über die Welt gerichtet wird. Die folgenden Teile des Werks beschwören den "Herrn Jesus Christus", der "heilig" ist und gipfeln in der Bitte, allen Menschen die ewige Ruhe zu geben.

Dementsprechend leise erklingt in einem Adagio der Hinweis auf das "ewige Licht", bis ein "Allegro" die "Ewigkeit Gottes und seiner Heiligen" begrüßt. Sagstetter schafft es, diese Fülle verschiedener Gedanken dem Soloquartett, den Chören und dem Orchester so glaubhaft zu vermitteln, dass diesen in exakter gemeinsamer Gestaltung eine besonders intensive Interpretation von Mozarts Vermächtniswerk gelingt.
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