Interview mit Pater Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg
„Maria hat von Anfang an gelitten“

Jesuiten-Pater Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg ist zu Gast beim Passionskonzert in Waldsassen. Bild: hfz
Kultur
Waldsassen
17.03.2016
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Bei den Basilikakonzerten am Palmsonntag in Waldsassen geht es um die Passion Marias. Begleitende Worte spricht Pater Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg SJ. Der deutsche Jesuit war bis 2009 Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan.

Sopranistin Susanne von Sicherer, Altus Nicolas Hariades sowie das Kammerorchester der Basilikakonzerte widmen sich am Sonntag, 20. März (17 Uhr), dem "Stabat mater" von Giovanni Battista Pergolesi. Die Kulturredaktion hat sich mit Pater Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg unterhalten, der begleitende Worte spricht.

"Stabat mater" - wenn man so will, ein poetischer und musikalischer Blick auf das Leiden Christi aus der Perspektive der Gottesmutter Maria. Was fasziniert Sie persönlich an diesem Werk?

Pater Eberhard von Gemmingen: Es tut mir leid, sagen zu müssen: ich kenne das Werk kaum. Das liegt daran, dass ich mir in meinem bewegten Leben kaum Zeit genommen habe für Musik. Ich höre sehr selten Musik und wenn, dann eben die bekanntesten Komponisten wie Beethoven, Mozart, Bach und dergleichen.

Verraten Sie uns, wie Ihr Part bei dem Konzert in der Basilika Waldsassen aussehen wird?

Ich zeige, dass das ganze Leben Mariens ein "Leben unter dem Kreuz" war. Die Verkündigung Jesu durch den Engel, seine Geburt, seine Jugend, sein Aufbrechen und Predigen - alles war für Maria ängstigend, weil Jesus ein "Aussteiger" war. Mariens Leben war nie fromm, idyllisch. Sie war mehr als alle anderen herausgefordert zu glauben, dass Jahwe es gut mit ihr meint.

Also eine Mutter, die nicht zu beneiden ist?

Jesus war von Anfang an anders als die Buben und jungen Leute in Nazareth. Und da macht sich eine Mutter Sorgen, fragt sich, was sie falsch gemacht hat. Sie wusste ja noch nichts von der Gottes-sohnschaft. Den heiligen Geist bekam sie auch erst nach Pfingsten. Sie konnte und musste nur glauben, dass Jahwe ihr nichts zumutet, was sie nicht tragen konnte. Bekanntlich wollte sie ihn mit anderen aus Nazareth heimholen, weil er "spinnt", weil er von einem bösen Geist besessen ist, weil er meint, der Messias zu sein.

Wenn wir von der "Mater Dolorosa" sprechen ...

... dann trifft das genau den Kern. Maria hat von Anfang an gelitten. Sehr. Sie ist lebenslang "Mutter der Schmerzen". Dagegen half keine Erbsündelosigkeit.

Wir leben in einer Zeit, in der in Deutschland die Kirchen immer leerer werden, in der Seelsorge-Einheiten immer größer werden, in der oftmals der Priesternachwuchs fehlt. Gleichzeitig gibt es in Rom einen Papst Franziskus, der auch bei Nicht-Katholiken populär ist. Wie erklären Sie sich als Priester diese Diskrepanz?

Das Hauptdefizit in Europa ist nicht nur Unglauben, sondern die bisher kaum diagnostizierte Unkenntnis, der Mangel an Bildung. Wir sind nicht böse, aber ungebildet. Wir kennen nur die Fehler der Kirche, aber die meisten haben vom Glauben an Gott und Jesus fast keine Ahnung. Sie halten die Kirche für altmodisch und meinen, der Papst werde alles auf den Kopf stellen, modernisieren. Aber nur, wenn wir Jesus kennenlernen und unser Leben an ihm fest machen, entwickelt sich was. Alles andere zieht nicht, auch nicht ein Papst, der so human wirkt und ist. Wir haben einen Kulturbruch und wollen es nicht wahr haben. Die Jugend fehlt fast ganz.

Ihre Schlussfolgerung?

Nur Pfarrer, die sehr gut predigen und sehr gut seelsorglich tätig sein können, füllen Kirche. Die Menschen kommen nicht wegen des Sakramentes, sondern weil sie was vom Gottesdienst "haben". Das Zentralproblem der Kirche in Deutschland ist noch zu wenig erkannt und beim Namen genannt. Gottlob geht es auf allen anderen Kontinenten besser: Ostasien, Afrika, auch Nord- und Südamerika . Mitteleuropa ist der schwierigste Kirchenteil der Welt. Auch in Süd- und Osteuropa läuft es besser.

Sie entstammen dem Adelsgeschlecht "von Gemmingen", das ja auch in der nördlichen Oberpfalz beheimatet ist. Haben Sie persönlichen Kontakt hierher?

Eberhard von Gemmingen-Hornberg und seine Frau Adelheid aus Friedenfels sind Vettern von mir. Ich habe Kontakt zu ihnen, weil sie sehr engagierte Christen sind. Aber ich war bisher nur einmal in Friedenfels.

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Karten für das Passionskonzert "Stabat Mater" in der Basilika in Waldsassen gibt es beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon: 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0 sowie unter www.nt-ticket.de
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