Konzert der Sonderklasse als "musikalisch-kulinarischer Gruß aus Wien" in der Abtei
Appetit auf genussvolle Speisen und Musik

Die Mitglieder des "Concilium musicum Wien" servierten die musikalischen Leckerbissen. Dazwischen gab es für die Zuhörer einen Vorspeisenteller, Wiener Schnitzel und zum Dessert eine Sachertorte. Bild: R. Tietz
Kultur
Waldsassen
29.04.2015
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Zu trinken haben die Besucher des ausverkauften Konzerts in der Aula der Abtei schon etwas, als die Mitglieder des "Concilium musicum Wien" mit ihren Originalinstrumenten vor der Mitte der Längswand Aufstellung nehmen und mit dem ersten Satz des "Divertimentos" D-Dur von Josef Haydn die Einleitungsmusik darbieten. Christoph Angerer, der Viola spielt, benennt Haydns Lebensumstände, dann werden die drei folgende Sätze ebenfalls von Robert Neumann (Violine), Ute Groh (Violoncello) und dem mit etlichen Solopassagen bedachten Spieler der Traversflöte, Robert Pinkl, dargeboten.

Für alle Sinne

Daraufhin gibt es den "gemischten Vorspeisenteller". Er zeigt erstmals die Besonderheit dieser Veranstaltung auf: Zwischen den einzelnen musikalischen Werken wird ein Menü gereicht. "Für alle Sinne sind wir da", meint eine Konzertbesucherin zu Recht und lässt sich, wie alle anderen, die Darbietungen für Ohr und Magen schmecken. Die nächste Musik stammt von Johann Georg Albrechtsberger. Seine "Partita II" D-Dur ist eine Triosonate, bei der neben Violine und Cello die Viola d'amore eine besondere Rolle spielt. Christoph Angerer bewältigt alle Herausforderungen dieses speziellen Streichinstruments technisch und musikalisch tadellos.

Es folgt das Flötenquartett D-Dur KV 285 von Wolfgang Amadeus Mozart. Beschwingt erklingt das "Allegro" des 1. Satzes, die Traversflöte fügt sich schön in den Streicherklang ein. Ruhig dagegen die Flötenmelodie des "Adagio", von einer stimmigen Pizzikato-Begleitung der Streicher begleitet. Erst in der Überleitung zum Finale setzen die wieder ihre Bögen ein. Das "Rondeau" zieht spielerisch ohne Ruhepunkt vorbei. Die Abstimmung der Instrumente geschieht stets tadellos. Auf den musikalischen Genuss folgt der kulinarische Höhepunkt, das "Wiener Schnitzel", passend zur Herkunft der Musiker, mit steierischem Kartoffelsalat. Die anschließende Musik lässt die Reduzierung der Magenfülle leichter vorankommen.

Sachertorte als Nachspeise

Dabei ist das erste Werk noch recht anspruchsvoll. "Sinfonia, Wiegenlied und Tanz" für Viola d'amore, Violine, Violoncello von Paul Angerer, dem Vater des Viola-d'amore-Spielers zeigt in den drei Sätzen virtuose, melodiöse und lebhaft beschwingte Passagen, die den Ausführenden Tonreinheit und rhythmische Sicherheit in besonders großem Maße abverlangen.

Dann wird es echt wienerisch: Die "Salon-Polka" op 161 von Johann Strauß/Vater und "Valses" op 85 von Joseph Lanner ziehen beschwingt schnell und tänzerisch vorüber. Waren die beiden Tondichter nicht unbedingt Freunde, erklingt ihre Musik jedoch gleichermaßen mitreißend in der Interpretation des Quartetts. Dann gibt es Sachertorte als Nachspeise. Und nach diesem Genuss kommt sofort der nächste: der "Gibellinen-Galopp" op 117 von Johann Strauß/Vater. Wer soll bei diesem Tempo verdauen? Ein Galopp ist nun mal rasant. Schließlich die zündende "Jux-Polka" op 17 von Johann Strauß/Sohn zum schnellen Abschied. Weit gefehlt.

Zwei Zugaben schließen sich an. Einmal "Nachtschatten", eine Polka von Josef Strauß, zum andern der "Hollerbrunner Galopp" von Joseph Lanner. Damit geht ein Abend zu Ende, der in bester Atmosphäre besten Geschmack von Musik und Speise darbietet. Dem Waldsassener Kammermusikkreis sei für diese Genuss-Idee gedankt.
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