Kunsthaus Eröffnet
Leben in Flurnummer Eins

Bernd Sommer, Tobias Reiß, Wolfgang Lippert, Dr. Hubert Schmid, Wolfgang Horn und Markus Braun (von links) enthüllten den Schriftzug und eröffneten damit das Kunsthaus offiziell.
Kultur
Waldsassen
27.09.2016
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Minutenkarikaturen fertigte Tom Brankovic - hier eine von Elias.

Seit Samstag ist das Kunsthaus Waldsassen eröffnet. Jetzt gilt es dem ehemaligen Malzerstadel Leben einzuhauchen. Wie das aussehen kann zeigten Mitglieder des Kunstvereins bereits bei der Einweihung.

Da wurden die begeisterten Gäste mit dem konfrontiert, was schon bald an der Tagesordnung sein soll - mit Kunst. Das Gitarren-Duo Jennifer und Nathalie Horn, die Ausdruckstänzerin Nikola Müller, die zur Musik, die Klaus Rosner seinem Marimbaphon entlockte, tanzte oder die Lesung mit der Autorin Ulla Baumer, waren bestechende Beispiele dafür.

Im Atelier malte Karl Heinrich Bilder nach der Methode von Bob Ross. Tom Brankovic fertigte Minutenkarikaturen von den Gästen. Die Wände zierten 99 Fotografien von der Baustelle von Monika Dillenkofer, Herbert Schlittenbauer und weiteren Fotografen.

Kein störendes Reglement


"Kunst braucht die Menschen und den entsprechenden Raum. Genau das vereint das Kunsthaus Waldsassen (KuWa) unter seinem Dach." So beschrieb Bürgermeister Bernd Sommer das neu geschaffene "Kulturzentrum" der Klosterstadt. Alles Mögliche und auch Unmögliche soll dort Raum finden. Es gäbe kein Reglement das die künstlerische Freiheit in irgendeiner Form einenge. Sommer sieht das KuWa als Bindeglied zwischen dem Künstler, seinem Tun und der notwendigen Bewunderung seiner Kunst durch Publikum. Er lobte die Meisterleistung der, in der Hauptsache heimischen, am Bau beteiligten Firmen dafür, wie sie den Zeitdruck gemeistert haben. "Auch das ist Kunst und zeigt die Leistungsfähigkeit der Oberpfalz." Die Architektur des Kunsthauses stellte Markus Braun vom gleichnamigen Atelier vor. Die Vision KuWa sei in bester Zusammenarbeit und mit einem außergewöhnlich großen Engagement der Stadt Waldsassen umgesetzt worden. Es sei ein visionäres Gebäude entstanden, das einzigartig im Landkreis sei. Bei der Fassade habe man sich bewusst für einen handwerklich gearbeiteten Putz entschieden, belebt durch unterschiedliche Strukturen, Oberflächen und helle Farben, in Abwechslung mit Holz und Metall, um sich in das vorhandene Stadtbild einzupassen.

"Wir haben bewusst eine mondäne Farbgestaltung gewählt in Weiß- und Schwarztönen, die Eleganz und Ruhe ausstrahlen und in den Hintergrund treten." Als besonderen Hingucker bezeichnete der Sprecher den im Obergeschoss in den Raum gestellte Kubus, der eine dritte Ebene für Ausstellungen oder Lesungen schaffe. Er erzeuge auch ein Gefühl der Geborgenheit für die Zuschauer. Der Dachstuhl bliebe sichtbar erhalten und könne durch verschiedene Lichtstimmungen zusätzlich in Szene gesetzt werden.

Wolfgang Horn als Vorsitzender des Kunstvereins und Mitinitiator des Projekts erzählte, dass er vor etwa fünf Jahren eigentlich auf der Suche nach Räumlichkeiten für seine eigenen großen Kunstobjekte gewesen sei. Beim zufälligen Gespräch mit dem Bürgermeister fiel der Begriff Malzerstadl das erst Mal. Dass daraus so ein Schmuckstück werden würde, daran habe er zu dem Zeitpunkt nicht im Traum gedacht."

MdL Tobias Reiß sagte, dass durch das Kunsthaus das kulturelle Herz des Stiftlandes künftig noch stärker pulsieren wird. Landrat Wolfgang Lippert lobte das Projekt als schlicht, edel und gleichermaßen funktionell. Für solche Projekte brauche es Ideengeber, Idealisten, Menschen, die vor dem scheinbar Unmöglichen nicht zurückschrecken und hartnäckig bleiben, "solche Leute wie Wolfgang Horn und Markus Braun eben." Lippert sieht das Kunsthaus als Bereicherung für die Region, eine Plattform der Begegnung und mögliches Zentrum für ein Künstlernetzwerk.

15 Millionen Euro investiert


Dr. Hubert Schmid, Leiter der Abteilung Städtebauförderung bei der Regierung der Oberpfalz erklärte, dass der hohe Zuschuss auch aus dem Grund gerechtfertigt sei, weil das Projekt den Aspekt erfülle, einen Ortskern im ländlichen Raum zu stärken. Seit 1986 habe die Städtebauförderung 15 Millionen Euro an Fördergeldern nach Waldsassen angewiesen. "Das ist viel Geld."

Die kirchliche Segnung des KuWa gestalteten Diakon Fritz Lieb und Pater Marianus Kerketta.

Finanzierung des Kunsthauses830 000 Euro sind hier verbaut worden. Möglich wurde das Projekt nur durch die großzügigen Förderungen. So flossen unter anderem 480 000 Euro aus der Städtebauförderung und 100 000 Euro aus dem Bayerischen Kulturfonds. Für die Ausstattung kamen 43 000 Euro aus der Leader-Förderung. Der Bezirk hat sich mit 5000 Euro beteiligt. Besonders bemerkenswert, der Verein konnte aus Erlösen von Sammlungen und Aktionen 8000 Euro beisteuern. "Eine enorme Summe für so eine junge Vereinigung", lobte der Bürgermeister. Bleiben für die Stadt noch 185 000 Euro übrig. "Gut angelegtes Geld, dafür haben wir Leben auf der Flurnummer 1 in Waldsassen geschaffen." (tr)


Kunst braucht die Menschen und den entsprechenden Raum.Bürgermeister Bernd Sommer
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