Letzte Worte kein Schrei der Verzweiflung

Das Bamberger Streichquartett drückt sowohl den Glauben an die Erlösung als auch die Zweifel durch irdisches Leid und Schuld aus. Bild: Zeigler
Kultur
Waldsassen
31.03.2015
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Passend zum Palmsonntag widmet sich das Bamberger Streichquartett im Passionskonzert den "sieben letzten Worten des Erlösers am Kreuz". Verbindende und erklärende Worte dazwischen spricht ein bekannter Benediktiner-Pater aus Münsterschwarzach.

Voll besetzt sind die Bänke und Stühle in der Stiftsbasilika zum Passionskonzert mit dem Bamberger Streichquartett. Unter den beeindruckenden Gerüsten der Innenrenovierung kommen die Streichquartette "op. 51 Nr. 1-7 - Die sieben letzten Worte des Erlösers am Kreuz" von Joseph Haydn zur Aufführung. Pater Anselm Grün, Benediktiner und Autor von rund 300 Büchern spricht dazu betrachtende Texte, die einen Bezug zwischen dem Glauben und der Musik herstellen. Haydn schreibt zu seiner Musik: "Jedwede Sonate, oder Jedweder Text ist bloß durch die Instrumental Music dergestalten ausgedrückt, dass es dem unerfahrensten den tiefsten Eindruck in seiner Seel' Erwecket..."

Sieben Sonaten

Die vier Musiker (Raúl Teo Arias - 1. Violine, Andreas Lucke - 2. Violine, Branko Kabadaic - Viola und Karlheinz Busch - Violoncello) lassen diesen Satz Wirklichkeit werden. Mit größtmöglicher Präzision und innigstem Einfühlungsvermögen spielen sie die sieben Sonaten mit der vorangestellten Introduzione als tiefsten Ausdruck des Glaubens über die Erlösung durch Jesu nach dem Tod. Pater Anselm Grün spricht darüber, dass der Glaube durch die Musik tief in das Herz eindringt, ohne dass man bewusst glauben muss. Das Streichquartett drückt diesen Satz in der Introduzione mit behutsamen Cantilenen und einem wunderbar gehauchten Pianissimo-Schluss aus.

Hin- und hergerissen zwischen dem Glauben an Erlösung und dem Zweifel durch irdisches Leid und Schuld erklingt die Musik in der Sonata I "Wahrlich, ich sage dir: heute wirst du mit mir im Paradiese sein". Das Quartett agiert als perfekte Einheit. Wunderbare Steigerungen auf nur einem einzigen Ton und Pausen, die die Musiker voll auskosten, machen das Zuhören zu einem Genuss.

Eine sehr gesangliche Violine strahlt über dem Pizzicato von Cello und Viola in der Sonata II "Frau, siehe hier: dein Sohn; und du, siehe: deine Mutter". "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen", ist durch Haydns Musik kein Verzweiflungsschrei, sondern auf die Ebene des Vertrauens in Gott gehoben, meint Grün.

Vertrauen in Gott

Leidenschaftlich und melodiös, dramatisch und losgelöst von menschlichen Ängsten lädt die Musik in allen sieben Sonaten zum Loslassen und Vertrauen in Gott ein. Den Höhepunkt bildet das abschließende Erdbeben in der Sonata VII, mit dem der Fels vor dem Grab weggerollt wird. Die vier Künstler spielen den leidenschaftlichen Ausbruch der Naturgewalten mit ungestümem Temperament.

Das beeindruckte Publikum wagt die Stille nach dem musikalischen Ausbruch kaum durch Beifall zu durchbrechen. Schließlich belohnt es die hervorragenden musikalischen Leistungen der Musiker durch langanhaltenden Applaus.
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