Münzen erzählen aus der Vergangenheit

Am Freitag um 18 Uhr wird die Sonderausstellung "Schätze des Egerlandes" eröffnet. Michal Beránek und Adolf Gläßel haben die Präsentation im Pädagogikraum aufgebaut. Bilder: Grüner
Kultur
Waldsassen
02.07.2015
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In einer Sonderausstellung befasst sich das Stiftlandmuseum mit barer Münze von der Bronzezeit bis zum Zweiten Weltkrieg. Die Präsentation "Schätze des Egerlandes" hat Michal Beránek, Archäologe im Museum Eger, zusammengestellt. In Cheb war sie bereits zu sehen.

Nicht ganz ohne Stolz erklärt Museumsleiter Adolf Gläßel, dass das Stiftlandmuseum einen der größten Münzhortfunde überhaupt besitzt. Das Depot umfasst 218 Prager Groschen und Hallersche Pfennige aus der Zeit Wenzels II. (1300 bis 1305). Gefunden hat sie vor etwa 20 Jahren ein Landwirt bei Pechtnersreuth. Dieser wertvolle Fund führte eigentlich zur Idee, die Ausstellung auch in Waldsassen zu machen, sagt Museumsleiter Adolf Gläßel. Grenzüberschreitende Freundschaft habe sie letztendlich ermöglicht. Michal Beránek wusste von dem Waldsassener Depot und fragte an, ob er die Münzen für eine entsprechende Ausstellung im Museum Eger ausleihen könne. Museen helfen sich gegenseitig und so war der Waldsassener "Schatz" von März bis einschließlich Juli in Cheb zu bestaunen. Bis zum 29. November ist die Präsentation jetzt im Pädagogikraum im Stiftlandmuseum zu bestaunen.

Urne mit Asche

Auffallend dabei, dass die Münzen, um die es ja primär geht, erst auf den zweiten Blick auffallen. Der erste gilt den zahlreichen Accessoires, die Michal Beránek in den Vitrinen mit präsentiert. Sie sind eigentlich nur Beiwerk und zeigen was Archäologen anderes aus der Zeit, in der die jeweiligen Geldmittel aktuell waren, zutage gefördert haben. Flaschen, Krüge und Töpfe sind da zu sehen. Sogar eine echte Urne, in der noch die Asche des Verblichenen enthalten ist, ist zu bestaunen.

Katalog zur Ausstellung

Zur Ausstellung, die vom deutsch-tschechischen Zukunftsfonds gefördert ist, ist auch ein gleichnamiger Katalog erschienen. Das hochwertige 90-seitige DIN-A-4-Werk ist im Museum vorrätig und kostet vier Euro.

Adolf Gläßel erklärt, dass im 14. Jahrhundert die sogenannten grauen Mönche des Klosters Sedlitz, ein Filialkloster von Kuttenberg war, das von den Waldsassener Mönchen gegründet worden war. Die Ordensbrüder fanden damals Silberklumpen auf einem Feld, gingen der Sache nach und entdeckten eine ergiebige Silbermine, dem Rohstoff für hochwertige Münzen. Sie beuteten sie aus und prägten an Ort und Stelle Silbermünzen. So sei der Ort zu der Zeit schnell zur wichtigsten Münzpräge Böhmens aufgestiegen. Zeitweilig war er sogar Regierungssitz. Ein Prager Groschen sei damals verglichen mit heute etwa fünf Euro wert gewesen, ein Hallerscher Pfennig etwa zehn Cent, weiß Michal Beránek. Ein weiterer großer Posten, der ausgestellt ist, stammt aus Abstrod bei Schönbach. Es ist einer der größten Funde in Mitteleuropa. 1195 Münzen wurden dort gefunden. Das entspreche in etwa der Jahressteuer eines ganzen Dorfes.

Reichsmark aus der Krypta

Sogar Teile der Leinen- und Hanfsäckchen, in die die Münzen eingepackt waren, haben 700 Jahre überdauert. Auch der neueste Depotfund ist ausgestellt. Dabei handelt es sich um 35 Ein- und Fünf-Reichsmark-Münzen aus der Hindenburg-Zeit. Gefunden wurden sie in der Krypta der Maria-Verkündigungskirche in Cheb.

Das Stiftlandmuseum ist geöffnet mittwochs bis sonntags von 10 bis 12 und 13 bis 16 Uhr und ab 15. September Mittwoch bis Sonntag nachmittags von 13 bis 16 Uhr.
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