Ruhe und Entspannung mit Gesang und Gitarre im frisch renovierten Harmoniesaal
Softe Songs und ein leises Hämmern

Hiltrud Kuhlmann (Sopran) und Matthias Müller (Gitarre) interpretierten beim Kammermusik-Kreis Waldsassen "Songs of England". Bild: Zrenner
Kultur
Waldsassen
09.02.2015
32
0
Im frisch renovierten Harmoniesaal des ehemaligen Abtschlosses organisierte der Waldsassener Kammermusikkreis ein Konzert der besonderen Art. Geladen waren Hiltrud Kuhlmann (Sopran) und Matthias Müller (Gitarre), die mit ihrem außergewöhnlichen Programm "Songs of England" Lieder britischer Herkunft präsentierten. Von den Anfängen der Lautenmusik von Henry Purcell und John Dowland wurde ein weiter Bogen geschlagen bis in die Neuzeit zu Benjamin Britten, Lennox Berkeley und William Walton. Eines hatten die Songs gemeinsam: sie waren fast durchweg entspannend, ruhig und geradezu meditativ.

Typisch barocke Stilelemente in den Songs von Henry Purcell (1659 - 1695) wurden stilsicher von den beiden Musikern interpretiert. Die punktierten ostinaten Bässe der Gitarre sorgten in dem Song "What a sad fate" für den rhythmischen Unterbau. Sehr ruhig mit einem etwas lebhafteren zweiten Teil präsentierte sich "Sweeter than roses". Sehr ruhig, verträumt und melancholisch erklang John Dowland (1563 - 1626) in "If a sinner sighs".

Müheloser Zeitensprung

Der Sprung ins 20. Jahrhundert zu Benjamin Britten (1913 - 1976) gelang mühelos. Die Meditationen über chinesische Gedichte "Songs from the Chinese" op. 58 fügten sich hervorragend an die Barockmusik an. Matthias Müller entlockte der Gitarre zarteste Flageolett-Klänge und Hiltrud Kuhlmann sang mit großem Einfühlungsvermögen die zarten Melodien.

Viele Glissandi und eine rasche absteigende Gitarrenbegleitung machten den "Dance Song" zu einem besonderen Erlebnis. Klagend und bedächtig dann wieder John Dowland. "In darkness let me dwell" bestach durch seinen phantastischen Schluss in kaum hörbaren Pianissimo und "Come heavy sleep" wirkte sehr beruhigend auf so manche Zuhörer im Publikum.

Das Nocturnal op. 70 für Gitarre solo von Benjamin Britten hatte "Come heavy sleep" zu Grundlage. Britten verarbeitete den Song zu unterschiedlichsten Variationen, die vom Gitarristen höchste Konzentration und technische Finesse erforderte. Das Publikum honorierte die Leistungen des Gitarristen mit kräftigem Beifall. Auch "Songs of the half-light" op. 65 von Lennox Berkely (1903 - 1989) und "Anon in love" von William Walton (1902 - 1983) fügten sich trotz eindeutig zeitgenössischer Klänge nahtlos in das entspannend-sanfte Programm ein.

Wer hammert denn da?

Ein leises, aber deutlich hörbares Hämmern im frisch renovierten Saal gegen Ende des Konzerts irritierte die beiden Künstler zunächst ein wenig, konnte sie aber nicht aus der Ruhe bringen. Weitgehend unbeeindruckt führten sie ihr Programm fort und bekamen am Ende wohlverdienten Applaus, für den sie sich mit einer Zugabe bedankten.
Weitere Beiträge zu den Themen: Februar 2015 (7876)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.