Sängerinnen präsentieren „Stabat mater“ bei den Basilika-Konzerten auch ohne Countertenor
Schmerz und Pein in Musik übersetzt

Susanne von Sicherer (links) und Dominika Hirschler setzten die gesanglichen Akzente bei Pergolesis "Stabat mater"-Vertonung in der Basilika Waldsassen. Bild: Stiegler
Kultur
Waldsassen
21.03.2016
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Natürlich würden die Besucher gerne den Altus Nicholas Hariades hören. Giovanni Battista Pergolesis "Stabat mater" zählt nun einmal zu den traditionellen Countertenor-Werken in der Musikgeschichte. Der kurzfristige krankheitsbedingte Ausfall des Sängers wird allerdings durch die Münchener Altistin Dominika Hirschler sehr gut kompensiert. Gemeinsam mit Sopranistin Susanne von Sicherer und dem Kammerorchester der Basilika-Konzerte demonstriert sie am Sonntag in Waldsassen, warum die "Stabat mater"-Vertonung als eines der schönsten Sakralmusik-Werke gilt.

"Christi Mutter stand mit Schmerzen bei dem Kreuz und weint von Herzen, als ihr lieber Sohn da hing": Es sind die Trauer, der Schmerz, die Qual und der ganze Pein einer Mutter, die da bereits in der ersten Strophe des Reimgebets zum Ausdruck kommen. Mit 26 Jahren nimmt sich Giovanni Battista Pergolesi dieses Gedicht vor und vertont es. Wenige Wochen später verstirbt der italienische Komponist. Das "Stabat Mater" entwickelt sich nicht nur zum Paradewerk Pergolesis, sondern zur wohl auch populärsten Vertonung des Klagetextes. In zwölf Strophen, dargeboten sowohl in Duetten wie auch Arien, lassen Susanne von Sicherer und Dominika Hirschler das Werk seine ganze emotionale Kraft entfalten - auch wenn eben der Countertenor fehlt. Den physischen Schmerz und die Seelenpein der Gottesmutter Maria greift Pergolesi auf und "übersetzt" diese in Musik. Eine Musik, die reich an melodischen Einfällen wie auch technischen Herausforderungen für die Sängerinnen ist. Beiden gelingt es, dem Ganzen sehr viel Charakter und Individualität zu verleihen, nie kommt beim Zuhören das Gefühl von Hochglanzmusik auf. Meditative Betrachtungen zum Empfinden der Gottesmutter steuert Sprecher Pater Eberhard von Gemmingen SJ bei, der zwischen einzelnen Strophen das Wort ergreift.

Einen wesentlichen Anteil an der nachhaltigen Wirkung des Passionskonzertes hat das achtköpfige Kammerorchester der Basilika-Konzerte, bestehend aus Daniel Giglberger, Mariell Müller-Brinken, Lars-Peter Leser und Moritz Heindl an den Violinen, Stefanie Heinrich (Viola), Axel von Huene (Violoncello), Hermann Heinrich (Kontrabass) sowie Andreas Sagstetter (Continuo). Auch die Instrumentalisten präsentieren sich bestens aufgelegt. Langer Applaus für eine gelungene musikalische Hinführung in die Karwoche.
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