Shakespeare wäre beeindruckt

Matze Wolf gibt sich auf der Bühne als moderner Shakespeare. Das kommt an. Bei seinem Debüt im Kunsthaus Waldsassen beweist er unglaublich einzigartiges Talent zum Texten. Bild: ubb
Kultur
Waldsassen
19.10.2016
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Eine Uraufführung erster Sahne lieferte Matze Wolf im Kunsthaus ab. Der erst 23-jährige Musikkabarettist legte eine Performanz hin, die mit wenig Übung den Ansprüchen großer Bühnen standhalten könnte.

Schon wieder ausverkauft war das Kunsthaus, nachdem Matthias seine Premiere als Musikkabarettist provokant mit "Der Widersacher der Liedermacher" betitelt hatte. Was der Bärnauer dann am Samstagabend dabei abliefert, hat durchaus Potenzial zu einer Künstlerkarriere. Auf der Bühne steht ein junger Mann, der sich trotz heftigsten Lampenfiebers bühnenerprobt präsentiert. Matzes Erscheinungsbild mit Haardutt, Schal und intellektuellem Äußeren weckt dabei ein wenig die Vorstellung an Goethes "jungen Werther". Nein, der war depressiv. Nehmen wir lieber Shakespeare - der war auch ein Dichter, Denker und Ausnahme-Künstler. Unser "moderner Shakespeare"

Matze also witzelt auf der Kunsthaus-Bühne zuerst über seine eigene Unzulänglichkeit, improvisiert gerne: "Ich habe noch nicht viel Eigenes". Von wegen: Der Student stapelt maßlos tief. Matze präsentiert sich erfrischend eigenwillig, er kann Sprachrohr und Botschafter für seine Generation sein. Einige Instrumente, die offenkundige Nutzung moderner Medien direkt auf der Bühne und eine verblüffende Wortgewandtheit stellen die gelungene Kombination dar, um der Welt zu zeigen: Lasst uns, der Jugend, endlich unser eigenes Ding manchen! Der Newcomer versteht es klug, sich mit deutlich erneuerter Bühnenpräsenz von der althergebrachten Darstellungskunst abzusetzen.

Dampfplauderer?


Matze beginnt unter anderem mit kabarettistisch dargestelltem "Dampfplaudern", punktet beim Publikum. Dampfplauderer? "Klar doch", bestätigt der Zwischenapplaus, kennen wir alle! Bald sperren die Gäste die Ohren auf: Der junge Mann beweist geniale Wortgewandtheit, zeigt professionelle Ansätze zum Songwriter, Musiker, Comedian und Kabarettist. Dennoch sucht er, als Solo-Darsteller noch unsicher, immer wieder die Bestätigung im Publikum. Und er wirkt zufrieden, wenn ein Gag funktioniert.

Matze Wolf testet sich aus, die Kunsthaus-Bühne erlebt ihren ersten schönen Erfolg als Talent-Schmiede. Seine zahlreichen Requisiten finden reihenweise Einsatz: Mit dem Laptop stellt er Segen und Fluch der "Generation Technik" dar, parodiert die unsinnigen Live-Schaltungen ans Publikum von TV und Radio. "Ah, jetzt hat uns Eberhart ein Gedicht per Facebook gesendet", liest er vor, grinst hintergründig. "Was die Leute doch für einen Sch... schreiben...".

Ventilator im Einsatz


Beim aufmerksamen Zuhörer dringt ein kritischer und gesellschaftspolitisch aufmerksamer Feingeist durch. Unterschwellig tut Matze seine Meinung kund über Rinderwahn und Bayernkult, "Islamisierung" und Vereinsamung. Auch der Ventilator findet Einsatz: Bei der Interpretation eines "schicksalhaften" Gedichtes wehen des Künstlers lange Haare, begleitet von herzlichem Publikumslachen, im künstlich erzeugten Windkanal.

Elton John als Zugabe


"Ich habe kein einziges Lied mehr", sagt am Ende ein über seinen eigenen Premiere-Erfolg selbst überraschter Newcomer. Matze Wolf kramt in den Unterlagen, covert als Dankeschön an sein erstes Publikum fürs "Durchhalten" als Zugabe Elton John. Covern kann er somit auch, muss er aber nicht. Viel besser, weil einzigartig, ist sein "eigenes Ding". Man wagt zu behaupten: Am Samstag hat der Musikkabarettist Matze Wolf im Kunsthaus seine Kinderschuhe ausgezogen.

Ich habe noch nicht viel Eigenes.Matze Wolf
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