Tag der offenen Tür im Kunsthaus
"Das ist große Kunst für kleines Geld"

Letzte Arbeiten im Obergeschoss. Auf der Bühne ist Raum für Kleinkunst und Ausstellungen (Bild links). Im Außenbereich erinnert nichts mehr an den ehemaligen Malzer-Stadel.
Kultur
Waldsassen
02.07.2016
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Letzte Arbeiten im Obergeschoss. Auf der Bühne ist Raum für Kleinkunst und Ausstellungen (Bild links). Im Außenbereich erinnert nichts mehr an den ehemaligen Malzer-Stadel.

Nachdem die Bauphase am Kunsthaus praktisch abgeschlossen ist, sprühen die Verantwortlichen geradezu vor guter Ideen. Denn jetzt gilt es dem Schmuckstück Leben einzuhauchen. Beim Bürgerfest am Sonntag ist dort Tag der offenen Tür.

Als offiziellen Einweihungstermin nennen Bürgermeister Bernd Sommer und die Vorsitzenden des Kunstvereins, Wolfgang Horn und Markus Braun, Samstag den 24. September. An dem Tag ist auch die erste Ausstellungseröffnung, eine Fotodokumentation mit Bildern vom Bau. Vorab ist das Kunsthaus am Sonntag, 3. Juli ab 13 Uhr beim Tag der offenen Tür geöffnet. Dort läuft eine Videopräsentation, in der gezeigt wird, was bisher im Kunsthaus alles passiert ist. Und selbstverständlich ist da auch schon Programm. Ab 17.30 Uhr spielen sechs junge Musiker aus der Region selbst gemachte Livemusik. Als Band firmieren sie als "4Band". Ihr Auftritt dauert bis etwa 19 Uhr. Mit "Treibhauz" folgt im Anschluss der Hauptact mit populärer Musik aus den 1970er und 80er Jahren. Das Konzert dauert etwa bis 23 Uhr. Bürgermeister Bernd Sommer erklärt, dass nach der offiziellen Eröffnung das Programm den Rest des Jahres mit heimischen Künstlern bestritten werden soll. Zwei Programmpunkte stehen bereits fest. Am Freitag, 14. Oktober stellt der Wiesauer Hans-Günther Lauth sein neues Buch vor. Am Samstag, 15. Oktober gastiert Matze Wolf aus Bärnau mit seinem Kabarettprogramm "Dädalus und Tinnitus" auf der Kleinkunstbühne im Kunsthaus.

Programm 2017


Wie Bürgermeister Sommer erklärt, arbeitet der siebenköpfige Programmbeirat mit Vertretern aus Kunst, Wirtschaft, Kultur und Verwaltung, auf Hochtouren, um das Jahresprogramm für 2017 aufzustellen. Leute, die sich und ihre Werke im Kunsthaus präsentieren wollen können sich ab sofort für einen Termin bewerben. Ansprechpartner dafür ist im Rathaus Beatrix Rustler unter Telefon: 09632/88 120 sowie seitens des Kunstvereins Wolfgang Horn, Telefon: 09632/48 20 oder Markus Braun, Telefon: 09632/84 01 60

"Für mich ist Kunst das, was mir gefällt", definiert der Bürgermeister für sich den Begriff über den soviel diskutiert wird, wie kaum über einen anderen. Wenn das jeder so sehe, wäre der Zweck des Kunsthauses schnell erreicht. Denn laut Sommer soll es ein Haus für alle werden. "Auch ein neuer Zahnkranz für eine Kettenschaltung oder ein neuer Rahmen für ein Fahrrad, den zum Beispiel die Firma Ghost designen lässt, ist Kunst und kann durchaus einen Platz bei einer Ausstellung finden." Glasobjekte aus der Glasfabrik Lamberts nennt der Bürgermeister im gleichen Atemzug. Gedanklich sieht Sommer beim Kunstbegriff keine Grenzen und animiert damit zu einer breitgefächerteren Denkweise. Ob Amateur, Semi-Profi oder Profi, ob regional oder international, ob Malerei, Dichtung, Musik, Skulptur, Industriedesign oder Videokunst - "wir sind für alles offen." Bei letzterem Genre hebt er die technischen Möglichkeiten heraus, die das Kunsthaus für Video und Film bereithält.

Öffentliches Haus


Wolfgang Horn erklärt, dass die Desing-Schule in Selb bereits Interesse bekundet habe und im Kunsthaus eine Performance in irgendeiner Form plane. Markus Braun stellt heraus, dass die Aussteller in zwei Ateliers auch die Möglichkeit haben zu arbeiten. Vor allem ein großer Mehrwert für die Besucher, denn wann habe man schon mal die Möglichkeit, einem Künstler bei der Arbeit zuzuschauen. "Es soll jedes Publikum angesprochen werden", sind sich die drei Sprecher einig. "Hier ist ein öffentliches Haus entstanden - ein Treffpunkt für alle."

Große Bereicherung


Bernd Sommer sieht das Projekt als große Bereicherung für Waldsassen. "Jede Künstlerszene bringt eine zusätzliche, andere Art von Leben in die Stadt, egal wie klein oder groß die Szene ist." Eigentümer des Kunsthauses ist die Stadt. Betrieben wird es, in Abstimmung mit der Stadt, vom Kunstverein. In den Köpfen der Erfinder tauchten Pläne dafür bereits vor sechs Jahren auf. Der Verein existiert seit fünf Jahren. Mitte September 2015 war Baubeginn. Gekostet hat das Kunsthaus 750 000 Euro. Zusätzlich kommen noch 80 000 Euro für die Ausstattung dazu. Zuschüsse erhielt die Stadt in der Hauptsache von der Städtebauförderung. "Wir hoffen noch auf einen positiven Bescheid von der Bezirksregierung", sagt Sommer. Für die Ausstattung habe man eine sehr gute Förderung aus dem Leaderprogramm erhalten. Besonders freut sich Sommer über 100 000 Euro aus dem Bayerischen Kulturfonds. "Für mich ein Signal dafür, dass die Stelle nicht nur die großen Theater in Nürnberg und München berücksichtigt, sondern auch die Kultur auf dem Lande im Blick hat." Unter dem Strich bleibe für die Stadt ein Eigenanteil zwischen 150 000 und 200 000 Euro übrig. 220 000 Euro waren veranschlagt. "Das ist große Kunst für kleines Geld."

Bleibt nur noch eine Frage offen. Wie steht es mit der angedachten Umwidmung der jetzigen Otto-Seidl-Straße, die den Bereich vom Café Latte bis zum Jugendheim verbindet? Angedacht ist "Kunstgasse". Die meisten Waldsassener sprechen bereits davon. Ob sich die Stadträte bis zur Einweihung auf einen Namen einigen können?

Jede Künstlerszene bringt eine zusätzliche, andere Art von Leben in die Stadt, egal wie klein oder groß die Szene ist.Bürgermeister Bernd Sommer


Für mich ein Signal dafür, dass die Stelle nicht nur die großen Theater in Nürnberg und München berücksichtigt, sondern auch die Kultur auf dem Lande im Blick hat.Bernd Sommer über die staatliche Förderung
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