Tango in Waldsassen
Ein Abend mit Piazzolla

Das "TangoProjekt 5 feat. Andrea Bibel" setzte in Waldsassen dem argentinischen Begründer des "Tango Nuevo", Astor Piazzolla, ein musikalisches Denkmal. Bild: Holger Stiegler
Kultur
Waldsassen
31.01.2016
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Tango - wer denkt da nicht gleich daran, das Tanzbein zu schwingen? Allein: Die Kompositionen Astor Piazzollas sind kaum tanzbar, zumindest nicht im herkömmlichen Sinne. Sie fordern das Publikum vielmehr zum konzentrierten Hören auf. Es ist keine Musik, in die sich der Zuhörer "einnisten" kann, vielmehr wird man in den Gedanken immer wieder aufgeschreckt und so manches gönnerhafte Mitklopfen des Taktes bleibt praktisch untersagt.

Große Bandbreite


Eine große Bandbreite des argentinischen Komponisten präsentieren am Samstagabend das "TangoProjekt 5" und Sängerin Andrea "Bibi" Bibel beim Waldsassener Kammermusikkreis. Zum Auftakt der diesjährigen Konzertreihe haben die Verantwortlichen einen ganz besonderen musikalisch-kulinarischen Abend im Foyer des Gästehauses St. Joseph der Abtei organisiert.

Der Name des 1992 verstorbenen Piazzolla steht für den zeitgenössischen, für den "neuen" Tango schlechthin. Schon mit den ersten Stücken des Abends - "Che Tango Che", "Mumuki" oder "Violetas Populares" - gelingt es den beiden Musikern klar zu machen, wie der Argentinier den "klassischen" Tango revolutioniert und den "Tango nuevo" erfunden hat. Er war es, der den Tango aus den Bars und Straßen von Buenos Aires in die Konzertsäle holte. Zu hören in Waldsassen: Eine spannend-melancholische Musik, die voller Energie, Sinnlichkeit und Lebenslust ist.

Jeden Moment kann sich etwas Unvorhersehbares ereignen, von jetzt auf gleich ändert sich die Stimmung. Klangliche Vielfalt ist hier zu Hause.

So eindrucksvoll die Musik Piazzollas auch ist, genauso bedarf es der Musiker, die sich dem "Tango Nuevo" verschrieben haben. Jedem Instrument wird stets wechselnd eine begleitende, eine dominierende oder eine Solo-Rolle zugeteilt und von jedem wird eine wechselnde Intonation verlangt - das ist der Zauber, den Kenner der Piazzolla-Musik so schätzen, und den Johanna Luther (Violine), Janusz Skutella (Violoncello), Klaus Luther (Gitarre) und Hans-Jochim Grajer (Klavier) in Waldsassen voll zur Geltung bringen.

Mit rauchiger Stimme


Ein zusätzliches Qualitätsmerkmal des Abends: Der Gesang von Andrea "Bibi" Bibel, die mit ihrer rauchigen Stimme vielen Chansons Piazzollas Leben einhaucht. "Libertango", "Yo soy Maria", "Oblivion" - der "neue" Tango lebt. Und so simpel es auch klingt: Das Ensemble ist einfach gut. Das Spiel und der Gesang durchwandern die Emotionsskala, Stimmungswechsel innerhalb der Stücke gelingen nahtlos.

Neben Piazzollas Werken werden auch zwei Lieder des legendären argentinischen Komponisten und Sängers Carlos Gardel angestimmt. Langer Schlussapplaus beweist: Begeisterte Zuhörer, einige von ihnen dürften nun sicherlich neue Freunde der Musik Piazzollas sein.
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