Ausfuhrstopp beendet Euphorie

In der Zieglerbrauerei ruht die Produktion. Auch am begonnenen Anbau am Gebäude entlang des Stationswegs (Bild) wird seit langer Zeit nicht mehr gearbeitet. Die Investitionen der früheren Partner aber lassen die Chancen auf eine Fortsetzung der Tradition steigen. Bild: pz
Lokales
Waldsassen
07.03.2015
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Nach dem gemeinsamen Besuch der Wallfahrtskirche Maria Loreto mit den Partnern war die Kooperation perfekt. Vor zwei Jahren startete die Zieglerbrauerei in eine neue Zeit - mit dem Schwerpunkt auf den Export.

Inzwischen haben sich die Dinge deutlich verändert - nicht zum Guten allerdings. Spaziergänger, die an der Brauerei am Stationsweg an Waldsassens Stadtrand vorbei kommen, wundern sich: Bei dem Anbau etwa an dem Gebäude um die vormals im Freien stehenden Edelstahl-Tanks ruhen die Arbeiten. Seit Monaten die Mauern im Rohbau, mit den eingesetzten Fenster-Elementen. Es scheint, als ob die Handwerker von einen Tag auf den anderen nicht mehr auf der Baustelle erschienen wären.

Hoffnungsvoller Start

"Wir sind überzeugt, dass es ein Erfolg wird", waren sich Ulrika Hart und ihre Partner Jaroslav Malkovský und Andrey Beliacov im Frühjahr 2013 einig (wir berichteten). Malkovský aus Franzensbad (CZ) war Produktionschef. Beliacov, russischer Staatsangehöriger mit Wohnsitz in Karlsbad, kümmerte sich mit seiner Firma "Anbel" um den Vertrieb - auch nach Moskau.

90 Prozent Russland-Anteil

Putins Reich sollte Export-Schwerpunkt werden. "Wir hatten 90 Prozent Russland-Anteil geplant. Aber seit der Krim-Krise geht nichts mehr", erklärte Ulrika Hart vor einiger Zeit auf NT-Anfrage. Hart, auch in der neuen Struktur Geschäftsführerin, hält sich zu den Einzelheiten bedeckt. Fakt aber ist: Die Sanktionen gegen Russland blieben nicht ohne Folgen für die Bier-Lieferungen - "eine Entwicklung, für die ich nichts kann", wie Hart unterstreicht. Der Prozess sei "historisch und nicht steuerbar, wie die Vertreibung". Andererseits ist davon die Rede, dass sich der Hauptinvestor in Russland aus dem Geschäft zurückgezogen haben soll. Die "Hintergrunds-Figur", wie Hart sagt, wäre nur zur Unterzeichnung der Verträge hier gewesen.

Dabei startete die 1847 gegründete Brauerei in der neuen Struktur recht zuversichtlich; und auch der Vertrieb in der Region schien sich langsam wieder zu erholen - unter dem Motto "Bier von hier", wie nach wie vor ein Werbetransparent in der Innenstadt verdeutlicht. In der Betriebsstätte war kräftig investiert worden - ein sechsstelliger Betrag, mitunter auch in die Edelstahl-Tanks, die jetzt bereits im zweiten Winter im Freien stehen. Doch zu dem geplanten Kauf der neuen Abfüllanlage, die auch Bier in 30-Liter-PET-Gebinden "verpacken" sollte, kam es nicht mehr. "Bier von hier" war in den sogenannten Russland-Kartons exportiert worden, die vor allem mit ihren kyrillischen Schriftzeichen auffielen.

Etiketten für US-Markt

Auch der US-Markt sollte mit "Bier von hier" versorgt werden: Fotos von ersten Entwürfe für die Etiketten sind im Internet veröffentlicht. Doch seit einigen Wochen geht nichts mehr: "Der Brauereibetrieb ruht", sagt Ulrika Hart. Deshalb sei zurzeit auch nicht das Vollsortiment erhältlich. Dabei verfügt die Brauerei am Stationsweg über die technischen Voraussetzungen, um selbst Bier zu produzieren. "Ich könnte die ganze Oberpfalz beliefern", sagt Ulrika Hart über die aktuell viel zu große Anlage. Doch das Personal fehlt, Partner von früher nicht mehr greifbar, der Kontakt zu ihnen abgebrochen. Braumeister Werner Schlag, der den Braubetrieb aushilfsweise unterstützte, ist inzwischen von Waldsassen weggezogen.

Für den Brauereibetrieb Jarni pivovar s.r.o mit Jaroslav Malkovsky als Geschäftsführer ist ein Insolvenzverfahren beantragt worden - von der Gläubigerin AOK Bayern, wie den Insolvenzbekanntmachungen zu entnehmen ist. (Nachgefragt)
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