Bewahrer der Stadtgeschichte

Seit 1928 weist eine Keramiktafel auf das Geburtshaus von Franz Binhack in der Prinz-Ludwig-Straße hin. Eine Binhack-Straße wurde später zwischen Schützenstraße und Stationsweg benannt. Bild: kgg
Lokales
Waldsassen
29.08.2015
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In Dankbarkeit gedenkt so mancher Waldsassener in diesen Tagen des Gymnasialprofessors a.D. Franz Binhack, der vor 100 Jahren, am 29. August 1915, in München verstarb. Als Dichter, Philologe und Historiker hat er sich um seine Heimat verdient gemacht.

Schon 1869, also viele Jahrzehnte vor seinem Tod, hatte Franz Binhack in einem der Oberpfalz gewidmeten Gedicht den Wunsch geäußert, "nach manchen Wanderzügen" einmal sein Grab in der Heimat zu finden. Und dieses letzte Anliegen haben ihm seine Angehörigen auch erfüllt. So wurde der Sarg mit der Eisenbahn von München nach Waldsassen geschafft, wo am Donnerstag, 2. September 1915, der feierliche Trauergottesdienst und die Beerdigung stattfanden. Damit hatte die Klosterstadt ihren profunden Geschichtsschreiber und die Wissenschaft einen stillen Philologen verloren, dessen Werke heute noch bedeutsam sind.

Geboren am 11. April 1836 in Waldsassen als Sohn der Kaufmannseheleute Johann Nepomuk und Karolina Binhack, blieb der Verstorbene seiner Heimat ein Leben lang treu und war ihr in vielfältiger Weise verbunden. 1847 kam er "auf die Schule" im Kloster Metten und zwei Jahre später an das Gymnasium nach Amberg, das er 1855 mit bestem Erfolg absolvierte. Danach folgten humanistische Studien in München, 1864 wurde er Gymnasiallehrer in Eichstätt, später in Neuburg an der Donau und Amberg. Die nächsten Stationen als Gymnasialprofessor bildeten Burghausen, Eichstätt und Passau. Schließlich ging Franz Binhack 1906 in den Ruhestand und lebte fortan in München.

Schon früh verfasste er zwei Gedichtbändchen: "Reime und Träume", erschienen 1869, und "Eigenes und Fremdes", publiziert 1882. Aber nicht nur als Dichter und Philologe sowie als fleißiger Gelehrter an den Gymnasien war Binhack geschätzt. Auch als Historiker und damit als Geschichtsschreiber hat er sich um das Stiftland, seine Heimatstadt und das Kloster verdient gemacht.

1887 erschien die bekannte Abhandlung über die Markgrafen im Nordgau. Damit legte er das Fundament für die Niederschrift der Geschichte des Klosters und seiner Äbte von 1133 bis 1803, die - aus lateinischen Aufzeichnungen übersetzt - in mehreren aufeinanderfolgenden Teilbänden zwischen 1887 und 1899 veröffentlicht wurde und auch im örtlichen Buchhandel zu haben war.

Reiseführer und Chronik

Darüber hinaus publizierte Franz Binhack auch noch weitere Werke, wie etwa den "Reiseführer durch Waldsassen und Umgebung" von Leo Woerl von 1892, die Jahresgeschichten des Stiftes und Klosters Waldsassen sowie das Bändchen "Der geweihte Boden der Klosterkirche zu Waldsassen". Dankbar müssen ihm seine Zeitgenossen auch dafür gewesen sein, dass er sich 1906 die große Mühe machte, die Chronik der Gemeinde Waldsassen von 1694 bis 1906 zu verfassen. Nicht zuletzt schrieb Binhack auch so manchen Beitrag für die örtliche "Grenz-Zeitung", die über ihn zu bestimmten Anlässen auch gerne berichtete.

Zimmer im Museum

Zu seinem 70. Geburtstag verlieh ihm die Stadt Waldsassen das Ehrenbürgerrecht. Seit 1928 kündet eine Kalksteintafel am Geburtshaus von dem großen Sohn der Stadt. Außerdem wurde in der Nachkriegszeit die "Binhackstraße" nach ihm benannt. Selbstverständlich wird auch im Stiftlandmuseum Waldsassen das Andenken an Binhack bewahrt. So finden sich im "Binhack-Zimmer" einige Möbel und die Porträt-Bilder von ihm und seiner Gattin Margarethe Binhack, die ihm im Oktober 1927 in die Ewigkeit gefolgt ist.

Die Grabstätte der Familie Binhack auf dem Waldsassener Friedhof ist bis heute erhalten geblieben und kündet zeitlos von dieser Familie und ihren Verdiensten um das Stiftland.
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