Die spirituelle Mitte

Am Sonntag vor 90 Jahren ist die Klosterkirche geweiht worden. Bei der Modernisierung 2009 entstand auch ein imposanter Anbau; die erneuerte Kirche wurde zuletzt am 6. Dezember 2009 wiederum geweiht und bildet seither das spirituelle Herzstück des Frauenklosters. Bld: tr
Lokales
Waldsassen
02.10.2014
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Anlässlich der Feiern zum 150-jährigen Bestehen des Frauenklosters steht am Wochenende ein weiteres Jubiläum an. Die Klosterkirche erhielt am Sonntag vor 90 Jahren die kirchliche Benediktion.

Das zuletzt 2009 durch die Initiative von Äbtissin M. Laetitia Fech neu gestaltete Gotteshaus ist eng mit der Geschichte und Entwicklung der Zisterzienserinnenabtei verbunden. Dank des Engagements der ersten Priorin M. Cäcilia Schmid und von Beichtvater Michael Lorenz war es innerhalb von drei Jahrzehnten gelungen, das Filialkloster zu einer blühenden und aufstrebenden Entwicklung zu führen. Nach den Jahrzehnten des Aufbaues erhielt das Frauenkloster am 4. Januar 1894 seine rechtliche Selbständigkeit und fungierte damit als selbstständiges Priorat. An der Spitze des Klosters stand seit 1911 Sr. M. Richmunda Herrnreither als gewählte Priorin, die ab 1925 als erste Äbtissin wirkte. Ihr und den jeweiligen Hausgeistlichen des Klosters war es ein Anliegen, für das Frauenkloster eine eigene "Marienkapelle'" zu schaffen, da man dafür auch eine klare, spirituelle Notwendigkeit erkannte.

Schließlich zählte der Konvent um 1911 über 100 Mitglieder. Von 1912 bis 1918 war - vor allem während des Ersten Weltkrieges - an einen Kirchenbau nicht zu denken. Als der Zisterzienserpater Laurentius Göppel im September 1919 anfangs als Religionslehrer des Klosters berufen wurde, erhielt das Projekt mit diesem Ordensmann einen unermüdlichen Vorkämpfer. Als Standort war der Kreuzgarten gewählt worden; schweren Herzens wurde auch ein Teil des westlichen Kreuzganges für das Vorhaben benötigt. Die Pläne zeichnete der Münchner Architekt Hans Schurr, den Bauauftrag teilten sich teilten sich die Baugeschäfte Franz Kassecker und Max Born; die Zimmererarbeiten wurden Zimmermeister Hans Schuster übertragen.

600 Milliarden Mark

Am 11. Mai 1923 erfolgte der erste Spatenstich und begann der Erdaushub, wobei selbst die Laienschwestern beim Graben mithalfen. Die feierliche Grundsteinlegung vollzog man am 13. Juli 1923. Anfang September 1923 war der Rohbau der Kirche erstellt. Wenig später begann die Firma Jakob Grau, Regensburg mit den Stuckarbeiten und erhielt etwa für eine Teilrechnung Ende Oktober 1923 die stolze Summe von 600 Milliarden Mark! Zu dieser Zeit herrschte nämlich Hochinflation in Deutschland, wobei die Geldentwertung unaufhörlich voranschritt, bis am 1. Dezember 1923 die neue Rentenmark bzw. einige Monate später die Reichsmark-Währung folgte. Nach einem langen Winter konnten im Frühjahr 1924 auch die Außenputzarbeiten wieder aufgenommen werden. Gleichzeitig waren seit Herbst 1923 zahlreiche Künstler und Bauleute mit Hochdruck über dem kunstvollen Innenausbau.

Den Hochaltar mit Mensa und den sieben Granit-Stufen schuf die Firma Wilhelm Ludwig, Regensburg, den Tabernakeleinsatz die Firma Alois Birner, München. Blickfang und beherrschendes Kunstwerk: das Hochaltar-Relief mit der Darstellung von "Mariä-Himmelfahrt" in Verbindung mit der Hl. Dreifaltigkeit, geschnitzt aus Zirbelkiefer von dem jungen Bildhauer Guido Martini, gefasst und vergoldet von der Firma Schellinger & Schmer in München. Die Altarbilder für die beiden Seitenaltäre (Hl. Josef bzw. Hl. Bernhard) stammen von Kunstmaler Waldemar Kolmsperger, die Kreuzwegstationen von der Kunstmalers-Witwe Franziska Koempel, beide in München.

Am Sonntag, 5. Oktober 1924, weihte der Abt von Bronnbach, P. Bernhard Widmann (1867 - 1934) die neue Klosterkirche.
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